Deutscher Gewerkschaftsbund

Care-Berufe aufwerten! Sonderauswertung des DGB-Ausbildungsreport 2019

Geschlechterklischees in den Pflege- und Gesundheitsberufen müssen endlich aufgebrochen werden. Eine Sonderauswertung des DGB-Ausbildungsreports 2019.

@ Kompetenzzentrum TDC

Unzufrieden mit der Ausbildung? Da ist mehr drin!

Noch immer wählen Jungen deutlich seltener als Mädchen eine Ausbildung in Pflege, Gesundheit, Erziehung oder Dienstleistung. Wenn sie es aber tun, bereuen sie es nicht. Im Gegenteil, sie sind hochzufrieden: Eine Sonderauswertung des Ausbildungsreports 2019 des DGB für das Kompetenzzentrum Technik – Diversity – Chancengleichheit e. V. zeigt, dass junge Männer, die sich für eine Ausbildung in weiblich dominierten Berufen entscheiden, diese im Vergleich zu ihren weiblichen Mitauszubildenden positiver bewerten.

Auch die jungen Frauen in männlich dominierten Ausbildungsberufen kommen überdurchschnittlich gut zurecht. Aber die Ergebnisse zeigen auch: Auszubildende in weiblich dominierten Ausbildungsberufen sind gegenüber denen in männlich dominierten Berufen schlechter gestellt. Pflege- und Gesundheitsberufe erfahren durch die Corona-Krise immerhin eine längst fällige Aufmerksamkeit. "Genau deswegen weisen wir jetzt erneut darauf hin, dass die Branche in Gänze aufgewertet werden muss und Geschlechterklischees für diese Berufe aufgebrochen werden müssen", sagt DGB-Bundesjugendsekretärin Ela Conte.

Die Corona-Krise zeigt, dass sich im Gesundheits- und Pflegebereich etwas ändern muss: Die Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen in weiblich dominierten Berufen und auch deren Vergütung müssen sich verbessern, damit diese Bereiche auch für junge Menschen attraktiver werden. Ein erster positiver Trend ist zu erkennen – seit dem ersten "Boys’ Day"“ im Jahr 2010, der vom Kompetenzzentrum gesteuert wird, sind die Zahlen der Neuabschlüsse von Männern in der Altenpflege kontinuierlich gestiegen.

Und es tut sich was: Im Schuljahr 2010/11 entschieden sich noch 4.760 junge Männer für eine schulische Ausbildung in der Altenpflege, 2018/19 waren es 6.474 – damit ist ihr Anteil von 21,8 auf 26,6 Prozent gestiegen. Das Schulgeld für eine schulische Ausbildung in diesem Bereich wurde Anfang des Jahres abgeschafft. Mädchen und Jungen, die ihre Ausbildung nach ihren Interessen wählen und sich dabei für einen Beruf entscheiden, in dem überwiegend Frauen oder Männer tätig sind, beurteilen ihre Ausbildungserfahrungen insgesamt positiver als ihre Mitauszubildenden.

Junge Frauen in Ausbildungen, die vorwiegend von jungen Männern gewählt werden, sind zu 78 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden. Junge Männer in diesem Ausbildungssegment zu 73 Prozent.

In weiblich dominierten Ausbildungen zeigt sich ein anderes Bild: Hier sind junge Männer zu 69 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden, junge Frauen aber nur zu 62 Prozent. Die Aussichten auf eine Übernahme nach der Ausbildung für junge Frauen und Männer zum Zeitpunkt der Befragung in männlich dominierten Ausbildungen sind annähernd gleich: 42 Prozent der Frauen und 41 Prozent der Männer haben in dieser Hinsicht bereits eine Zusicherung. Jungen Männern wird in weiblich dominierten Ausbildungsberufen aber noch häufiger als ihren weiblichen Mitauszubildenden eine Übernahme im Anschluss zugesichert (39 im Vergleich zu 30 Prozent).


Weitere Infos findet ihr hier: kompetenzz.de

(aus der Soli aktuell 6/2020, Autorin: Soli aktuell)