Deutscher Gewerkschaftsbund

Wir lieben Engagement!

Die Gewerkschafterinnen Maja Cole und Paulina Gora bilden den neuen Vorstand der DGB-Jugend Köln. Omer Semmo sprach mit ihnen über ihr ehrenamtliches Engagement.

© DGB-Jugend Köln

Ehrenamt und Gewerkschaftsarbeit – gern in der Kombi: Maja Cole (l.) und Paulina Gora.

Maja, wie kommt es, dass du dich in der Gewerkschaft engagierst?
Maja: Ich bin in Frechen geboren und in Köln aufgewachsen. Mein Abitur habe ich auf einem Gymnasium in Köln-Klettenberg gemacht. Die Schulzeit war nicht immer einfach für mich, denn Mobbing war für mich und andere leider Alltag. Dadurch habe ich aber den Mut und die Kraft gewonnen, mich für andere Menschen einzusetzen, die gegen ähnliche Probleme kämpfen.

Anschließend habe ich ein Chemie-Studium in Bonn begonnen, wo ich positive soziale Erlebnisse sammeln durfte. Wir Studierende haben uns untereinander bei Herausforderungen aller Art unterstützt.

Dann bist du aber in die Industrie gegangen…
Maja: Auf der Suche nach Praxisorientierung habe ich eine Ausbildung bei der Bayer AG in Leverkusen als Chemielaborantin begonnen und Mitte 2019 erfolgreich abgeschlossen. Direkt zu Beginn der Ausbildung habe ich mich gewerkschaftlich engagiert und wurde als Jugend- und Auszubildendenvertreterin gewählt.

Auf dem jährlichen Grillfest der IG BCE Jugend Leverkusen für die neuen Auszubildenden im Chempark hatte ich den ersten Kontakt mit der Gewerkschaft, wo uns ihre Aufgaben und die der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) erläutert wurden. Danach habe ich mich entschieden, mich zur nächsten JAV-Wahl als Kandidatin aufstellen zu lassen. Bei dem Erstgespräch mit den aktuellen JAV-Mitgliedern wurde ich zur Mitarbeit im IG BCE-Bezirksjugendausschuss Leverkusen (BJA) eingeladen. Seitdem brenne ich für die Gewerkschaftsarbeit!

Paulina, wie ist es bei dir gelaufen?
Paulina: Ich bin in Tarnowitz in Polen geboren und in Köln aufgewachsen. Auf einem Mädchengymnasium habe ich meine Leidenschaft für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – die MINT-Fächer – entdeckt. Deshalb habe ich mich nach dem Abitur für eine Ausbildung als Fachinformatikerin bei der Deutz AG entschieden. Seit meinem zehnten Lebensjahr bin ich ehrenamtlich bei der Kölner Jugendfeuerwehr aktiv, dort seit ungefähr einem Jahr Jugendleiterin und befinde mich derzeit in der Ausbildung zur Feuerwehrfrau. Ich liebe meine ehrenamtliche Arbeit bei der Feuerwehr!

Du bist in die Mitbestimmung gegangen…
Paulina: Am Anfang meiner Ausbildung hat die IG Metall eine überbetriebliche Jugendversammlung organisiert, zu der viele Auszubildende aus unterschiedlichsten Betrieben (z. B. Ford, Deutz AG, Siemens etc.) eingeladen waren. Wir haben uns über Themen wie Industrie 4.0, Digitalisierung und Rassismus im Betrieb und im Alltag informiert und diskutiert. Im Anschluss kam ich mit Mitgliedern der JAV ins Gespräch, das mich für die vielfältigen Themen der Gewerkschaftsarbeit begeistert hat. 2018 haben mich die Auszubildenden in meinem Betrieb dann in die JAV gewählt. Um mich besser zu vernetzen, begann ich, mich im Ortsjugendausschuss der IG Metall Köln-Leverkusen zu engagieren. Dadurch delegierte mich dieses Gremium in den Arbeitskreis Medien der IG Metall Jugend NRW.

Die DGB-Jugend Köln
Auf der Jahresklausur der DGB-Jugend Köln Ende letzten Jahres wählte die Gewerkschaftsjugend Maja Cole von der IG BCE Jugend als neue ehrenamtliche Vorsitzende und Paulina Gora von der IG Metall Jugend als ihre Stellvertreterin. Die DGB-Jugend vertritt die Interessen der Auszubildenden, Studierenden und jungen Erwerbstätigen. Diese große Vielfalt bildet sich in Köln im DGB-Stadtjugendausschuss ab. Er koordiniert die acht Gewerkschaftsjugenden, um die Interessen der lernenden und arbeitenden Jugend mit einer gemeinsamen Stimme zu vertreten.

Und jetzt weiter zum DGB.
Paulina: Meinen ersten Kontakt mit dem DGB hatte ich auf der 1. Mai-Demonstration 2019. Dabei ist mir besonders die gute Zusammenarbeit der Mitgliedsgewerkschaften unter dem Dach des DGB aufgefallen. Gesellschaftspolitische Fragen haben mich schon immer interessiert und deswegen fand ich mit dem Stadtjugendausschuss (SJA) der DGB-Jugend das passende Gremium, um meinen Interessen Worte und Taten zu verleihen.

Maja, wie kamst du zum DGB?
Maja: Ich schaue gerne mal über den Tellerrand, in diesem Fall hieß das: über die Grenzen der betriebspolitischen Themen hinauszuschauen und zu entdecken, was die anderen Gewerkschaften und auch den Dachverband DGB beschäftigt. So kam ich dazu, im DGB-SJA Köln mitzuarbeiten. Es war sehr interessant zu erfahren, wie es in anderen Betrieben und Branchen läuft – und zu meiner Überraschung habe ich auch Gewerkschaftsthemen und Probleme im Studierendenbereich näher kennenlernen können.

Was gefällt dir besonders?
Maja: Dass sich der DGB – und damit auch der SJA – sehr mit allgemeinpolitischen Themen befasst. Das Engagement beim DGB, in Kombination mit der Arbeit im Betrieb und im BJA Leverkusen, kommt meinen Wunsch entgegen, mich gleichzeitig für die Interessen von Einzelnen und die wichtigen Themen in Politik und Gesellschaft einzusetzen.

Was werdet ihr dieses Jahr noch angehen?
Maja: Auch in diesem Jahr wird sich der DGB-SJA Köln (voraussichtlich, d. Red.) wieder aktiv am Christopher Street Day beteiligen. Dieser Tag setzt ein großes Zeichen gegen Diskriminierung jeglicher Art. Ein Thema, das auch in den Mitgliedsgewerkschaften wichtig ist. Durch rege Teilnahmen am CSD wollen wir die Zusammenarbeit und Vernetzung mit ihnen stärken. Wir wollen außerdem den Austausch mit anderen Gremien und Jugendverbänden – Parteijugenden, Kölner Jugendring, DGB-Stadtverband – beibehalten und stärken.

Paulina: Wir werden uns mit der Kommunalwahl auseinandersetzen. Wir werden unsere Ziele und Forderungen formulieren und an die regionalen Politiker_innen kommunizieren. Dabei geht es uns vor allem um Themen wie günstigen Wohnraum für Auszubildende und Studierende, Chancengleichheit im Bildungssystem oder die Verbesserung der ÖPNV-Taktung (siehe auch Seite 6).


Omer Semmo ist Jugendbildungsreferent des DGB Köln-Bonn.

koeln-bonn.dgb.de/uber-uns/jugend/mitmachen

(aus der Soli aktuell 5/2020, Autor: Omer Semmo)