Deutscher Gewerkschaftsbund

Heraus zum 8. März!

Gern! Frauenkampftag ist aber das ganze Jahr, sagen die engagierten Gewerkschafterinnen Elisa Knitsch und Hannah Schittenhelm.

© Privat

Elisa Knitsch (l.), 26, ist Lehramtsstudentin, arbeitet im Hochschulinformationsbüro der jungen GEW in Siegen und ist im DGB-KJA aktiv. Hannah Schittenhelm, 28, arbeitet im Gleichstellungsbüro der Universität Siegen und ist ebenfalls im DGB-KJA aktiv.

Elisa und Hannah, welche Forderungen werdet ihr am 8. März formulieren, und wie werdet ihr rund um den Tag aktiv werden?
Elisa:
Bei den Veranstaltungen unseres Aktionsbündnisses geht es weniger um konkrete Forderungen als vielmehr um Sensibilisierung, Aufklärung und Austausch. Inhaltlich stehen wir jedoch alle gemeinsam für ein solidarisches, geschlechtergerechtes und diskriminierungsfreies Miteinander. Am 10. März zeigt das Aktionsbündnis den Film "Die Berufung" über die US-Richterin Ruth Bader Ginsburg mit anschließender Diskussionsrunde.

Hannah, du arbeitest im Gleichstellungsbüro an einer Universität. Wie sieht deine tägliche Arbeit aus?
Hannah:
Ich bin dort zuständig für Projekte und Kooperationen. Ich plane den "Girls' Day" und den "Boys' Day" an der Universität, stelle das Programm zusammen und vernetze mich mit Kooperationspartner_innen wie etwa der GEW Siegen-Wittgenstein.

Der Wissenschaftsbetrieb ist mitunter hochprekär. Wirkt sich das in besonderem Maße auf die Gleichstellung aus?
Hannah:
Ja. In der Wissenschaft gibt es häufig nur Kurzzeitverträge. In vielen Fällen ist man außerdem – Stichwort Drittmittel – selbst für die Finanzierung der eigenen Forschung verantwortlich. Für Menschen mit Familienverantwortung ist es oftmals besonders schwierig, Arbeit und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Das Gleichstellungs- und Familienservicebüro sorgt für eine familiengerechte Infrastruktur an der Universität, zum Beispiel Familienparkplätze oder Eltern-Kind-Räume, sowie für Betreuungsangebote der Kinder, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern.

Du bist im DGB-Kreisjugendausschuss (KJA) aktiv. Inwiefern spielt deine Arbeit bei deinem Engagement eine Rolle bzw. umgekehrt?
Hannah:
Mein Engagement dort und meine Arbeit lassen sich gut miteinander vereinbaren, da das Gleichstellungsbüro bei Veranstaltungen häufig mit den Gewerkschaften kooperiert. Für das Gleichstellungsbüro sitze ich auch im Aktionsbündnis Frauen im Siegerland, das von gewerkschaftsaktiven Frauen initiiert wurde. Jedes Jahr werden dort in Kooperation Veranstaltungen zum Internationalen Frauenkampftag sowie zum "Equal Pay Day" geplant. Außerdem überschneiden sich viele politische Inhalte, zum Beispiel die Forderungen nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit, nach mehr Frauen in Führungspositionen und nach der Schaffung von besseren Strukturen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Elisa, du arbeitest für die GEW im Hochschulinformationsbüro. Du hast mal gesagt, du seist jeden Tag mit strukturellem Alltagssexismus konfrontiert. Welche besonders krassen Fälle gab es in den letzten zwölf Monaten?
Elisa:
Der "besonders krasse Fall" ist der strukturelle Alltagssexismus an sich! Ich kann zum Beispiel davon berichten, dass ich als Lehramtsstudentin in der Schule das Gefühl habe, ich müsse mich mehr beweisen als meine männlichen Kollegen, weil mir nicht so viel natürliche Autorität zugesprochen wird. Aber dann würde ich Diskriminierungserfahrungen gegeneinander aufwägen und das finde ich falsch. Deshalb müssen wir ein gesellschaftliches Bewusstsein für gendersensiblen Umgang und eine solidarische Gesellschaft schaffen, Aufklärungsarbeit leisten. Gegen die Diskriminierung jeglicher Art muss mehr getan werden – nicht nur am Internationalen Frauenkampftag.

Wie hilft dir das Gleichstellungsbüro?
Elisa:
Es bietet Veranstaltungen zu Themen rund um Feminismus und Geschlecht an – hier wird also auch Aufklärungsarbeit geleistet. Und ein Raum für Diskussionen und zum Austausch geschaffen, den ich gerne nutze, um mich selbst weiterzubilden.


(aus der Soli aktuell 3/2020, Autorin: Soli aktuell)

Mehr zum Thema