Deutscher Gewerkschaftsbund

Ein qualifizierter Abschluss

Welche Zeugnisse bekomme ich in und am Ende der Ausbildung? "Dr. Azubi" gibt einen Überblick.

Julia Kanzog

Azubi-Ratgeberin Julia Kanzog

Am Ende der Ausbildung steht dir ein Arbeitszeugnis zu. Du kannst zwischen einem einfachen und einem qualifizierten Zeugnis wählen. Dieses Dokument ist, neben deinem Prüfungszeugnis der Kammer und dem Berufsschulzeugnis, ein wichtiges Element für deine Bewerbungsunterlagen.

Das Prüfungszeugnis
Das Prüfungszeugnis der Kammer ist ein wichtiges Dokument für dein gesamtes weiteres Berufsleben. Es dokumentiert, dass du die Ausbildung offiziell bestanden und ausgelernt hast. Gratuliere! Diese Urkunde enthält deine Berufsbezeichnung, das Gesamtergebnis deines Abschlusses sowie der schriftlichen und mündlichen Prüfung. Auf deinen Antrag hin kann der Notendurchschnitt der Berufsschule mit in das Kammerzeugnis eingetragen werden.

Das Berufsschulzeugnis
Hier werden die letzten Noten, die dir während der Berufsschule für alle Unterrichtsfächer erteilt wurden, aufgelistet, sowie ein Vermerk, dass du die Berufsschule mit Erfolg besucht hast. Bei schlechten Noten kann es sein, dass du den Berufsschulabschluss nicht erreicht hast und lediglich ein Abgangszeugnis bekommst.

Gut zu wissen: Ein fehlender Berufsschulabschluss bedeutet nicht, dass du deine Ausbildung nicht erfolgreich beenden kannst. Dennoch kann dein Berufsschulzeugnis von zentraler Bedeutung sein: Mit einem erfolgreichen Berufsschulabschluss kannst du fehlende Schulabschlüsse nachholen.

Die genauen Voraussetzungen sind aber je nach Bundesland unterschiedlich. Grundsätzlich gilt, dass du mit der Berufsschule deinen Mittelschulabschluss wie auch deine Fachhochschulreife (bei guten Noten) erwerben kannst. Und für deine Bewerbungen ist ein gutes Berufsschulzeugnis natürlich auch sehr förderlich.

Das Arbeitszeugnis
Ein Arbeitszeugnis steht dir zu, wenn du mit deiner Ausbildung fertig bist (§ 16 Berufsbildungsgesetz). Auch wenn du vorzeitig deinen Ausbildungsplatz verlässt, steht dir – unabhängig von der Kündigungsform – ein Arbeitszeugnis zu. Solltest du im Anschluss an deine Ausbildung übernommen werden, ist es ratsam, dass du ein Arbeitszeugnis über deine Ausbildungszeit zeitnah einforderst.

Grundsätzlich muss dein Zeugnis auf Firmenpapier gedruckt werden und darf keine Rechtschreibfehler, Eselsohren und Flecken aufweisen. Es muss von deine_r Ausbilder_in und der Person, die mit deiner Ausbildung beauftragt wurde, unterschrieben werden. Du hast das Wahlrecht zwischen einem

  • einfachen und einem
  • qualifizierten Arbeitszeugnis.

Ein einfaches Zeugnis kommt einer Arbeitsbestätigung gleich. Es beinhaltet, wie lange du die Ausbildung gemacht hast, welche Ausbildungsinhalte du erlernt und wie du die Ausbildung beendet hast. Auf deinen Wunsch hin muss der Betrieb dir ein qualifiziertes Zeugnis ausstellen. Dieses enthält die Bewertung deiner Arbeitsleistung sowie deines Sozialverhaltens.

Am Ende eines Zeugnisses darf erwähnt werden, wie das Ausbildungsverhältnis beendet worden ist, also zum Beispiel durch eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung – oder im gegenseitigen Einvernehmen, wenn ihr einen Aufhebungsvertrag geschlossen habt, oder auf Wunsch des Arbeitgebers, wenn er dich gekündigt hat.

"Dr. Azubi" empfiehlt: Beantrage ein qualifiziertes Arbeitszeugnis, es ist üblich bei den Bewerbungsunterlagen.

Wichtig: Gründe für eine Kündigung dürfen im Zeugnis nicht genannt werden. Ebenso haben Krankheitszeiten, Abmahnungen, Straftaten (wenn sie sich nicht auf die Ausbildung ausgewirkt haben) sowie Parteizugehörigkeiten nichts in einem Zeugnis verloren.

Allgemeines
Grundsätzlich muss ein Zeugnis immer korrekt und wohlwollend sein, d. h. persönliche Meinungen deine_r Ausbilder_in haben hier nichts verloren: Grundlage ist eine objektive, korrekte, der Wahrheit entsprechende Bewertung deiner Leistung. Als Basis für die Bewertung deines Zeugnisses muss die gesamte Ausbildungszeit in deinem Betrieb gelten.

Zeugnissprache
Sicherlich hast du schon einmal von Geheimcodes in einem Zeugnis gehört. Die Zeugnissprache ist eine Wissenschaft für sich – und auch schlechte Bewertungen können sich noch gut anhören. Sie lässt sich nach Schulnoten von Note 1 bis 6 aufschlüsseln. Daher ist es wichtig, dass du dein Zeugnis von Profis anschauen lässt. Wende dich am besten an deine zuständige Gewerkschaft.

Nach Entscheidungen des Bundesarbeitsgerichts steht dir ein Zeugnis mit einer durchschnittlichen Bewertung, also einer Note 3 zu. Bist du der Meinung, dir steht eine bessere Note zu und es kommt zum Streit mit deinem Arbeitgeber, bist du in der Pflicht, deine guten Leistungen zu beweisen. Möchte dein Arbeitgeber dir eine schlechtere Beurteilung geben, ist er in der Beweispflicht.

Wenn die Bewertung deines Zeugnisses nicht deinen Leistungen entspricht, dann ist es sinnvoll, wenn du im ersten Schritt das Gespräch mit deine_r Ausbilder_in suchst. Begründe genau, warum du dich in den einzelnen Bereichen besser einschätzt, und nenne Beispiele aus deiner Ausbildungszeit. Sinnvoll kann ein Blick in deine Personalakte sein, in der deine Beurteilungen gesammelt werden. Der Einblick in deine Akte muss dir gewährt werden.

Zeugnis – eine Pflichtleistung
Dir steht dein Zeugnis bei Beendigung des Ausbildungsverhältnisses zu. Wenn das Ende absehbar und klar ist, dass du von deinem Betrieb zum Beispiel nicht übernommen wirst, dann kannst du auch schon vorab ein Zwischenzeugnis anfordern, mit dem du dich bewerben kannst.

Sollte dein Betrieb seiner Pflicht der Zeugniserstellung nicht nachkommen, dann ist es hilfreich, den Betrieb im ersten Schritt schriftlich darauf hinzuweisen und ihm eine Frist – sinnvoll sind zwei Wochen – zu setzen.

Zusätzlich solltest du gegenüber dem Betrieb weitere rechtliche Schritte androhen, wenn er deiner Aufforderung nicht nachkommt. Denn du hast sogar die Möglichkeit, dein Zeugnis vor dem Arbeitsgericht einzuklagen. Es gibt kein Zurückbehaltungsrecht deines Arbeitgebers. Er kann die Herausgabe deines Zeugnisses beispielsweise nicht verweigern, weil du noch Arbeitskleidung zurückgeben musst.

Sehr wichtig: Wenn du dein Zeugnis nicht einforderst, hast du sechs Wochen nach Beendigung deines Ausbildungsverhältnisses keinen Anspruch mehr darauf.

Dran denken: Der Inhalt dieses Beitrags stellt keine Rechtsberatung dar und kann die rechtliche Beratung im Einzelfall nicht ersetzen! Melde dich bei Problemen bei deiner Gewerkschaft vor Ort! Sie kann dir helfen und dich unterstützen.


(aus der Soli aktuell 5/2020, Autorin: Julia Kanzog)

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