Deutscher Gewerkschaftsbund

Filmtipp: Der marktgerechte Mensch

Filmtipp: Leslie Franke und Herdolor Lorenz setzen sich mit modernen Formen der Arbeit auseinander.

Gewerkschaft im Film: ver.di legt sich mit der Marktlogik an (Filmszene aus "Der marktgerechte Mensch")

Spätestens seit der großen Finanzkrise ist der Arbeitsmarkt radikal im Umbruch. Die soziale Marktwirtschaft und die über Jahrzehnte erstrittenen Solidarsysteme werden mehr und mehr ausgehebelt. Der Wettbewerb bringt das gesamte gesellschaftliche Gefüge in Gefahr. Die Folge: Das soziale Bindegewebe droht durch Verarmung, Vereinzelung und Entsolidarisierung zu zerfasern.

Nachdem Leslie Franke und Herdolor Lorenz sich in "Der marktgerechte Patient" (2018) kritisch mit dem akuten Zustand unseres Gesundheitssystems auseinandergesetzt haben, erzählt ihr neuer Film "Der marktgerechte Mensch", der u. a. vom DGB Ruhr-Mark und ver.di unterstützt wird, von den verheerenden Veränderungen unseres Arbeitsmarkts. Unsichere und prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Algorithmus-gesteuerte Arbeitsprozesse und Crowdworking haben das Leben in den letzten Jahren rasant verändert – und nicht selten zu psychischen Erkrankungen und anderem Elend geführt.

Der Film zeigt aber auch Solidarität zwischen jungen Menschen, die für einen Systemwandel eintreten; zeigt, welche gewerkschaftlichen Handlungsmöglichkeiten es gibt und stellt Betriebe vor, die nach dem Prinzip des Gemeinwohls wirtschaften. Überhaupt: Dieser Dokumentarfilm soll Mut machen und dazu motivieren, sich zusammenzuschließen und einzumischen. Motto: Ein anderes, gerechteres Leben ist möglich!

"Der marktgerechte Mensch" ist aber auch ein Film von unten. Deshalb, so die Absicht seiner Macher, sollten ihn auch möglichst viele Leute an möglichst vielen Orten sehen können. Man kann sogar eine eigene Filmveranstaltung durchführen. Das Konzept möglichst vieler dezentraler Filmvorführungen als Hilfsmittel zur politischen Information und Mobilisierung hat sich bereits bei den letzten Filmen der Regisseure bewährt. Viele engagierte Menschen, Betroffene, NGOs, Verbände und Bürgerinitiativen hatten Netzwerke geknüpft, lokale Bezüge hergestellt und Diskussionen angeregt.

Sollte eine Vorführung im Kino vor Ort nicht möglich sein oder die Thematik des Films andernorts ein größeres Publikum erreichen, sind Screenings alternativ auch in anderen Räumen, zum Beispiel in Gewerkschaftshäusern möglich.


Infos und Kontakt: marketable-people.org

(aus der Soli aktuell 2/2020, Autorin: Soli aktuell)