Deutscher Gewerkschaftsbund

Jugendverbände: In Vielfalt vereint

Wichtige jugendpolitische Beschlüsse bei der ersten digitalen DBJR-Vollversammlung.

Konstruktiv super: Yassine (o. l.) und Nicole (r. M.) in der DBJR-Videokonferenz. Weitere gewerkschaftliche Delegierte waren Anna Bruckner (o. M.), Kai Reinartz (u. M.), Sahra Stock-
Schroer und Adrian Weiß (u. r.). O. r. Matthias Schröder.

Die Versammlung war konstruktiv, das digitale Format gut, der Technik-Support super": Wenn Nicole Witek von der DGB-Jugend ein Fazit zur 93. Vollversammlung des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR) zieht, die am letzten Oktoberwochenende im Internet stattfand, ist es positiv.

Die DGB-Jugend war als großer Jugendverband mit sechs von rund 80 Delegierten dabei. Jugendverbandsarbeit in Corona-Zeiten kann mit Zoom und anderen Tools gut funktionieren; aber sich wirklich zu treffen, "bleibt immer noch das Maß aller Dinge", sagt Witek.

Inhaltlich gingen die Delegierten äußerst fleißig und politikbewusst an ihre Aufgabe – auch, weil der ehrenamtliche Kollege der DGB-Jugend im DBJR-Vorstand, Matthias Schröder, sie so toll unterstützte.

Neben der Aussprache zur Arbeit des Vorstands und der Haushaltsdebatte gab es weitreichende jugendpolitische Beschlüsse: Jugendverbände sind Orte politischer Bildung und müssen als solche anerkannt werden. Die Mobilitätswende ist wichtig, entsprechende Positionen wie der Ausbau des ÖPNV wurden beschlossen. Wählen mit 16? Auf jeden Fall! Freiwilligendienste und internationale Jugendarbeit müssen gestärkt werden. Im Kampf gegen Rechts wurde die Position "Nach rechten und rechtsradikalen Strukturen fahnden, rechten Terror bekämpfen!" beschlossen, das DGB-Jugend-Engagement für die Camps von Geflüchteten in Griechenland ("#leavenoonebehind") in die Arbeit des DBJR übernommen: Die Delegierten verurteilten die skandalösen Zustände in den Lagern für Geflüchtete an den Außengrenzen der EU und forderten, alle flüchtenden Menschen dort sollten evakuiert werden.

"Da waren wir als Antragsteller dabei, wir hatten ja bereits im April einen offenen Brief an die zuständigen Bundesminister formuliert", sagt IG BAU-Jugendbildungsreferent Yassine Chaikhoun, der ebenfalls für die DGB-Jugend bei der VV war.

Dass die Corona-Maßnahmen nicht nur für Jugendkonferenzen, sondern auch für die Jugendverbandsarbeit insgesamt ein großes Problem sind, wurde auch klar. "Wir sind ein großer Anbieter außerschulischer Bildung", sagt Chaikhoun, der auch Vorsitzender des Frankfurter Jugendrings ist. "Kitas und Schulen bleiben auf, Jugendclubs nicht. Da fragen wir uns schon: Wo wird da die Grenze gezogen?"

Man könne nirgendwo hinreisen, aber auch vor Ort nichts machen. Chaikhoun: "Wir verstehen die Maßnahmen. Aber wir fragen uns, wie wir das auffangen können. Nicht jedes Kind hat einen Computer oder ein Smartphone."

Fazit der beiden Delegierten: Die VV war supererfolgreich, wir haben gute Positionen formuliert, die Jugendverbände teilen die gleichen Werte. Jugendverbandsarbeit macht Spaß!


Die Beschlüsse gibt es auf www.dbjr.de

(aus der Soli aktuell 12/2020, Autorin: Soli aktuell)