Deutscher Gewerkschaftsbund

Rettet das Studium!

Die Corona-Krise stört weiterhin den regulären Hochschulbetrieb – Zeit für grundlegende Verbesserungen. Susanne Braun zum Semesterstart.

© Kay Herschelmann

Um studieren zu können, müssen erst mal die finanziellen Rahmenmöglichkeiten geschaffen werden: Nathalie Schäfer von den GEW-Studierenden. Die DGB-Jugend berät euch auf ['ju:njen], eurem Netzwerk fürs Studium: jugend.dgb.de/studium/beratung

Das Hybridmodell, das die meisten Hochschulen derzeit fahren, soll zumindest ermöglichen, dass zwischen 10 bis 25 Prozent der Lehre analog stattfinden kann und vor allem Erstsemester die Chance bekommen, ihre Hochschule einmal von innen zu sehen.

So gut Digitalisierung klingt – für Studierende und Beschäftigte an den Hochschulen ist sie eine riesige Herausforderung: Nicht jede_r Studierende hat die passende Technik. "Die Hochschulen können einen ruhigen Arbeitsplatz, ein Endgerät und eine stabile Verbindung nicht voraussetzen und zur Ausgangsbedingung des Studiums machen", sagt Nathalie Schäfer, Bundessprecherin der Studierenden in der GEW: "Lehre, die nicht ordnungsgemäß erfolgen kann, darf nicht zu Nachteilen der Studierenden gehen."

Denn das Lehrangebot ist eingeschränkter, die Bedingungen für gutes Lernen und eine gute Studienbetreuung sind schlechter. Schon im Sommer kam es vermehrt zu Studienabbrüchen, weil Menschen mit einem improvisierten Selbststudium komplett überfordert waren und auch noch Geldsorgen hinzukamen.

Dass hiervon vor allem Studierende betroffen waren und sind, deren Weg an die Hochschule eh schon kein selbstverständlicher ist, verschärft die soziale Auslese der Hochschulen noch einmal. Viele Studierende hatten schon vor Corona finanzielle Nöte. Deshalb greifen die Corona-Hilfen auch nicht. Die Öffnung des BAföG und die schnelle Anhebung der Freibeträge wären hier wichtige Schritte.

"Außerdem brauchen wir jetzt mehr individuelle Beratung und Betreuung", sagt Nathalie. "Gerade für die Erstsemester ist die Situation schwierig, da man ja erst im Studium eigenverantwortliches Lernen lernt." Ein Wissensgefälle könnte hier noch verstärkt werden.

Die Corona-Krise offenbart bestehende Schwachstellen im Hochschulsystem, da sind sich Gewerkschaften und Studierendenvertretungen einig. Für eine gute digitale Lehre fehlt es an ausreichend Fachkräften und der nötigen IT-Infrastruktur. Online-Lehre kann nicht einfach Face-to-Face-Veranstaltungen ersetzen, aber Blended Learning – die Verzahnung digitaler Angebote mit Präsenzlehre – könnte einen echten Mehrwert für Studierende bringen.

Dieses Potenzial kann sich allerdings nur mit einer sicheren Studienfinanzierung im Rücken entfalten, mit guten Arbeits- und Lernbedingungen an den Hochschulen.

Corona hat die Hochschulen aus ihrem Dornröschenschlaf gerissen. Jetzt müssen die Hochschulen und auch Bund und Länder für den digitalen Ausbau und für die Studierendenhilfe mehr Gelder in die Hand nehmen, damit die nächsten Semester für Studierende eine runde Sache werden können.


Susanne Braun ist politische Referentin für Studierendenarbeit bei der DGB-Jugend.

(aus der Soli aktuell 11/2020, Autorin: Susanne Braun)