Deutscher Gewerkschaftsbund

Um Haaresbreite am Streik vorbei!

IG BAU-Bundesjugendsekretär Moritz Greil über den Tarifkampf in der Baubranche.

Moritz Greil

© IG BAU

Eine Tarifrunde vorbei, die nächste steht beinahe schon an: IG BAU-Bundesjugendsekretär Moritz Greil.

Harte Verhandlungen, erhitzte Gemüter und das alles in der Corona-Ausnahmesituation – so lässt sich die Tarifrunde im Bauhauptgewerbe 2020, so lässt sich Gewerkschaftsarbeit 2020 beschreiben. Die organisierten Kolleg_innen kämpfen für die Branche – kleine medienwirksame Aktionen auf der Straße, große Empörungs- aber auch Solidaritätswellen online. Absolut konträre Ansichten der Verhandlungsparteien – geht's dem Bau immer noch gut oder ist er gebeutelt von der Pandemie?

Vor diesem Hintergrund endete im September die Tarifrunde. Nach drei gescheiterten Verhandlungen und zwei Schlichtungsrunden liegt nun eine Einigung vor. Die Ergebnisse:

  • 2,2 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten im Osten (2,1 Prozent im Westen)
  • 500 Euro steuerfreie Corona-Prämie (250 Euro für Auszubildende)
  • 0,5 Prozent vom Lohn als Zuschlag für Fahrzeiten (ab Oktober)
  • 40 Euro mehr für Auszubildende im ersten, 30 im zweiten und 20 Euro im dritten Ausbildungsjahr
  • 14 Monate Laufzeit (inkrafttretend zum 1. Mai 2020).

Damit hat es die IG BAU geschafft, das beste Flächenergebnis aller Gewerkschaften im Jahr 2020 hinzulegen! Trotzdem ist die Enttäuschung bei vielen spürbar. Die Forderungen waren hoch (6,8 Prozent, mindestens 230 Euro mehr Einkommen – 100 Euro für Auszubildende, Wegezeitentschädigung), die Haltung der Arbeitgeber in der Verhandlung alles andere als wertschätzend.
Viele Kolleg_innen, die auch in der Pandemie jeden Tag auf der Baustelle standen, teilweise noch mehr Gas gegeben haben als sonst, fühlen sich nicht gesehen, nicht ernst genommen, übervorteilt. Dieses Gefühl war gerade in den Sozialen Medien präsent.

Es gab aber auch viele Stimmen, gerade bei den Mitgliederversammlungen, die das Ergebnis guthießen und für dessen Annahme stimmten. Und da Gewerkschaft so funktioniert, wurde das Ergebnis auch angenommen.

Ein geschickter Schachzug kam allerdings vom Schlichter Rainer Schlegel: Bis zum 30. Juni 2021 wird es verpflichtend von ihm moderierte Spitzengespräche zur Wegezeit geben, um endlich eine wirksame Umsetzung in diesem hart umkämpften Feld zu bekommen. Gerade in diesem Punkt war der Verhandlungsführer der Arbeitgeber nämlich unnachgiebig. Mit ihm werde es keine Wegezeitentschädigung geben, machte er ein ums andere Mal deutlich.

Nun sieht die Sache anders aus, und das ist nur fair: Das Thema Wegezeit brennt den Kolleg_innen, die täglich viele Kilometer zu weit entfernten und wechselnden Baustellen fahren müssen, unter den Nägeln. Daher ist es nun umso wichtiger, dass das Bauhauptgewerbe zusammensteht und sich weiter organisiert für die nächste Tarifrunde. Juni 2021 ist gefühlt übermorgen. Wir werden die wenigen Monate nutzen, um Druck aufzubauen, Aktionen zu bringen und geschlossen die nächsten Verhandlungen zu begleiten. Glück auf!


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(aus der Soli aktuell 11/2020, Autor: Moritz Greil)