Deutscher Gewerkschaftsbund

Das sind die aktuellen Baustellen der dualen Berufsausbildung

Der Ausbildungsreport der DGB-Jugend gibt jungen Menschen eine Stimme und beleuchtet die Schwachstellen im dualen Ausbildungssystem. Schwerpunkt in diesem Jahr: Mobilität und Wohnen.

© DGB-Jugend/AdobeStock/Dusan Petcovic

Den Report gibt es hier.

Fast ein Viertel der Auszubildenden kann sich nach der Ausbildung nicht richtig erholen, Betriebe und Berufsschulen sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln oft nur schwer erreichbar, viele Auszubildende können sich kein eigenständiges Leben in den eigenen vier Wänden leisten, die Qualität der Berufsschulen macht viele Auszubildende unzufrieden: Das sind einige der Mängel, die der neue Ausbildungsreport der DGB-Jugend offenlegt. Das Thema Mobilität und Wohnen bildet dabei den Schwerpunkt der diesjährigen Studie.

Gerade in der dualen Ausbildung sind junge Menschen darauf angewiesen, die Lernorte Berufsschule, Hochschule und Betrieb gut und kostengünstig zu erreichen. Doch mit öffentlichen Verkehrsmitteln können 35 Prozent der befragten Auszubildenden nur schlecht ihren Betrieb und fast 20 Prozent kaum die Berufsschule erreichen.

Der Personennahverkehr muss daher gerade in ländlichen Regionen massiv ausgebaut werden. Zudem braucht es ein kostengünstiges Azubi-Ticket in allen Bundesländern, fordert die Gewerkschaftsjugend. Dies macht nicht nur die duale Ausbildung attraktiver, sondern fördert auch die Mobilität der Auszubildenden.

Zum Thema Wohnen liefert der Ausbildungsreport 2020 folgende Daten: Die meisten Auszubildenden wohnen noch zu Hause (72 Prozent), dabei würden zwei Drittel der Befragten gern in einer eigenen Wohnung leben, können sich dies aber wegen der hohen Mieten und der oft zu geringen Ausbildungsvergütung nicht leisten. Die DGB-Jugend fordert deshalb bezahlbare und attraktive Wohnheime, die flächendeckend als öffentlich geförderte Azubi-Apartments eingerichtet werden.

In diesem Jahr zeigt auch die Corona-Pandemie ihre Auswirkungen auf dem Ausbildungsmarkt: Die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze ist stark rückläufig. Dazu sagte DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte auf der Pressekonferenz am 27. August in Berlin: "Wer jetzt an der Ausbildung spart, wird spätestens nach Corona über den Fachkräftemangel klagen. Zurückhaltung ist hier nicht angebracht." Betroffen sind vor allem Jugendliche mit Hauptschulabschluss.

Es brauche dringend eine gesetzliche Ausbildungsgarantie und eine faire Umlagefinanzierung. Jede und jeder Jugendliche muss eine qualifizierte Ausbildung erhalten. Conte: "Wer eine Ausbildung macht, braucht auch eine Perspektive für die Zeit danach. Wir wollen die unbefristete Übernahme."

DGB-Jugend-Ausbildungsreport 2020: Wichtige Ergebnisse und Forderungen

DGB-Jugend-Ausbildungsreport 2020: Wichtige Ergebnisse und Forderungen
Betrieblicher Ausbildungsplan: Mehr als ein Drittel der Auszubildenden (34,4 Prozent) hat keinen betrieblichen Ausbildungsplan, obwohl dieser gesetzlich vorgeschrieben ist. Somit wissen diese Auszubildenden nicht, wie ihre Ausbildung ablaufen soll und was die Lerninhalte sind. Das muss besser werden!

Qualität in der Berufsschule: Nur etwas mehr als die Hälfte der Auszubildenden (56,6 Prozent) findet die fachliche Qualität des Berufsschulunterrichts "sehr gut" oder "gut". Das ist zu wenig!

Weiterempfehlen der Ausbildung: Fast jede_r sechste Auszubildende (16,2 Prozent) würde die Ausbildung in ihrem_seinen Ausbildungsbetrieb nicht weiterempfehlen. Während im ersten Ausbildungsjahr noch ein Großteil der Azubis – 70,6 Prozent – ihre Ausbildung weiterempfehlen würden, sind es im letzten Ausbildungsjahr nur knapp über die Hälfte (51,9 Prozent). Kein gutes Ergebnis!

Wohnsituation: Zwei Drittel der Befragten (65,4 Prozent) würden gern in einer eigenen Wohnung leben. Doch nur ein kleiner Teil der Auszubildenden – 26,6 Prozent – kann sich diesen Wunsch erfüllen. Wir sagen: Mehr bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende ist notwendig!

Azubi-Ticket: 74,1 Prozent der Befragten haben grundsätzliches Interesse an einem kostenlosen bzw. kostengünstigen Azubi-Ticket für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), wenn sie damit ihren Betrieb und ihre Berufsschule erreichen und in ihrer Freizeit unterwegs sein könnten. Also: Das Azubi-Ticket muss her!

Erreichbarkeit der Lernorte: Über ein Drittel der Auszubildenden (34,6 Prozent) kann den Betrieb "weniger gut" oder "gar nicht" mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Beim Weg zur Berufsschule sieht das fast jede_r Fünfte der befragten Auszubildenden so (18,8 Prozent). Wir sagen: Der ÖPNV muss gerade in ländlichen Regionen schnellstens massiv ausgebaut werden!

Unbefristete Übernahme – der Dauerbrenner bei der Gewerkschaftsjugend: In den letzten Jahren hat die Zahl der jungen Menschen, die prekär beschäftigt in die Arbeitswelt starten, dramatisch zugenommen. Viele Auszubildende im dritten Ausbildungsjahr erhalten keine Übernahmezusagen mehr oder werden nur noch befristet angestellt. Die Corona-Krise droht diese Situation noch zu verschlimmern, oft genug denken die Betriebe nicht an den Fachkräftebedarf von morgen und lassen ihre Nachwuchskräfte im Stich. Es braucht echte Perspektive und Sicherheit beim Übergang in den Beruf!


(aus der Soli aktuell 11/2020, Autorin: Soli aktuell)