Deutscher Gewerkschaftsbund

Kein Wachstum ohne Wurzeln: Arbeiter_innenlieder

Empfehlungen zum traditionellen Arbeiter_innenlied von Rhett Skai.

Bruce Springsteen

© DGB-Jugend

Es gibt einen Longplayer, mit dem seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts Generationen von Ge werk schaf ter_in nen Arbeiter_innenlieder gelernt haben: Hannes Wader singt Arbeiterlieder. 1976 live aufgenommen, nur mit Gitarre, enthält das Album Klassiker wie "Bella Ciao", das "Solidaritätslied
", "Die Internationale" und "Die Moorsoldaten". Als CD ist das bis heute gut erhältlich.

Wader war gemeinsam auf Tour mit Reinhard Mey und Konstantin Wecker. Er gehörte zu den linken Liedermacher_innen, die – ähnlich dem Folk Revival auf den britischen Inseln –, etwas in Deutschland einleiteten: den Volksliedern nach dem Hitlerfaschismus ihren oft fortschrittlichen und sozialkritischen Charakter zurückzugeben. Und sie entwickelten neue Volks- und Arbei ter_innenlieder.

Mit diesem Hintergrund spielte auch die österreichische Folkrockgruppe Die Schmetterlinge. 1977 haben sie ihr Doppelalbum "Die Proletenpassion" veröffentlicht. In dem Tripple-Album (Vinyl) oder Doppel-Album (CD) werden die Klassenkämpfe des frühen 16. bis zum späten 20. Jahrhundert in der zeitlichen Abfolge angesprochen. Geschichte wird in der Abfolge Herrschaft – Unterdrückung – Revolution dargestellt. Zu den bekanntesten Stücken der Proletenpassion gehört das "Jalava-Lied", das von Willi Resetarits stammt – auch als "Ostbahn-Kurti" bekannt.

Zu den bekanntesten Erben des angelsächsischen Folk Revivals gehört der Rockpoet Billy Bragg. Er war einer der wütendsten Gegnern der wirtschaftsliberalen
Premierministerin Margret Thatcher, die es in Großbritannien übernommen hatte, die Macht der Gewerkschaften zu brechen – und dies zum Preis der Deindustrialisierung. Aus Protest aktualisierte er den Text des US-Arbeiter_innenliedes "Which Side Are You On". In Deutschland wurde er dem breiteren Publikum mit dem Hit "A New England" bekannt. In den achtziger Jahren organisierte er "Red Wedge": eine Kampagne für die Labour Party, gegen Thatcher und ihre Tories.

Wer alte und neue Arbeiter_innenlieder hören will, kann sich darüber hinaus an folgenden Namen orientieren: Ewan MacColl, Peggy Seeger, Pete Seeger, Joe Hill, Bruce Springsteen, Street Dogs, Dropkick Murphys, Modena City Ramblers, Leningrad 44, The Baboon Show, Matt McGinn, Christy Moore, Ernst Busch, Bert Brecht, Hannes Süverkrüp, Planxty, Mouss et Hakim, Ministère des affaires populaires, Inti-Illimani, Victor Jara, José Afonso, Jean Ferrat und Gilbert Bécaud.