Deutscher Gewerkschaftsbund

Befristet und ausgeliehen: Junge migrantische Beschäftigte

Junge, ausländische Frauen sind besonders oft atypisch beschäftigt.

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Ein Fünftel aller Kernbeschäftigten in Deutschland arbeitet in Teilzeit, einem Minijob oder ist befristet angestellt. Die Zahl dieser atypischen Beschäftigten rangiert weiterhin auf einem hohen Niveau, teilt das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung mit.

Als Kernbeschäftigte gelten Arbeitnehmer_innen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren.

Teilzeit, Befristung und Leiharbeit waren von Anfang der 1990er-Jahre bis zur Finanzkrise auf dem Vormarsch, erst kürzlich ist ihre Zahl wieder etwas gesunken. Diese Beschäftigungsverhältnisse sind weiblich dominiert: Fast jede dritte Frau steckt in einem atypischen Beschäftigungsverhältnis. Bei den Männern trifft dies hingegen nur auf knapp jeden Zehnten zu.

Flexible Beschäftigungsformen wie Minijobs sind aus Sicht der Arbeitgeber eine angenehme Erscheinung: Sie erleichtern den Einstieg in Arbeit und bieten neue Beschäftigungsperspektiven für Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose, wie dies etwa die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände – BdA sieht.

Ein schön angemaltes Prekariat, kritisiert DGB-Arbeitsmarktexperte Johannes Jakob: "Der Arbeitgeber holt sich den Arbeitnehmer ran, wenn er ihn braucht. Und wenn er ihn nicht mehr braucht, wird er wieder entlassen."

Minijobs führten zu einer Entwertung der eigenen Qualifikation. "Die meisten sind nicht qualifikationsgerecht beschäftigt, der Fachkräftemangel wird verschärft", sagt Jakob. Dieser Trend trifft die junge Generation in besonderem Maße. Berufsanfänger_innen erhalten oft nur einen befristeten Vertrag und sind damit atypisch beschäftigt – unter den 15- bis 24-Jährigen betrifft das fast ein Drittel.

Außerdem sind Herkunft und Bildungs- oder Berufsabschluss der Arbeitnehmer_innen entscheidend. Während 36,6 Prozent der Arbeitnehmer_innen ohne anerkannte Berufsausbildung befristet, in Teilzeit oder Leiharbeit tätig sind, liegt die Quote bei Beschäftigten mit abgeschlossener Ausbildung oder Berufsfachschule bei 20,7 Prozent, bei denen mit Hochschulabschluss bei 14,3 Prozent.

Besonders die Zahl der atypisch beschäftigten Ausländer_innen nahm über die Jahre zu. Während sie in den vergangenen Jahren um knapp 500.000 stieg, ging sie unter deutschen Frauen (-447.000) und Männern (-183.000) um insgesamt 630.000 zurück. D


Mehr Infos: www.boeckler.de/117819_120630.htm

(aus der Soli aktuell 9-10/2019, Autorin: Soli aktuell)