Deutscher Gewerkschaftsbund

50 Jahre BBiG

Macht es jetzt! Richtig und für alle!

© Simone M. Neumann

Herzlichen Glückwunsch, BBiG. Es wird Zeit für ein Upgrade!

Während der Ausbildungszeit muss jedem Jugendlichen eine materielle Sicherheit gewährt werden, die es ihm ermöglicht, seinen Lebensunterhalt unabhängig von Dritten bestreiten zu können": Was sich anhört, wie eine moderne Forderung der DGB-Jugend nach einer Mindestausbildungsvergütung, ist tatsächlich ein Zitat aus der Soli aktuell-Vorläuferin "Solidarität" von 1971.

Zum 1. September 1969 war das Berufsbildungsgesetz (BBiG) auf viel Druck der Gewerkschaften in Kraft getreten, das erstmals den Rahmen der dualen Ausbildung regelte. Aber das Gesetz blieb weit hinter gewerkschaftlichen Erwartungen zurück. Noch Jahre nach der Einführung des BBiG mussten sich Auszubildende mancherorts als Leibeigentum vorkommen. Überliefert ist der Ausspruch jenes gerichtsaktenkundigen Ausbilders, der seinen Schützling so heftig am Ohr zog, dass es einriss: "Dann muss ich das andere Ohr nehmen."

Die Auszubildenden jener Tage hatten es satt, sich so behandeln zu lassen – und wesentliche Bereiche wie etwa die schulische Berufsbildung waren weiterhin nicht gesetzlich geregelt.

Die letzte größere Novellierung des BBiG fand im Jahr 2005 unter der rot-grünen Bundesregierung statt. Aber Themen, die für die Gewerkschaftsjugend zentral waren, wurden weiterhin nicht berücksichtigt. Ein Recht auf Ausbildung oder die Weiterbildung blieben auch hier außen vor. Die Lernortkooperation von Berufsschule und Ausbildungsbetrieb wurde so wenig verbessert wie die Mitbestimmungsstrukturen angepasst. Die positiven Veränderungen blieben überschaubar.

Auch jetzt steht wieder eine Reform der Berufsbildung an. Durch unseren jahrelangen Einsatz als Gewerkschaftsjugend werden unsere Themen heute gesellschaftlich debattiert und unsere Forderungen in der Politik gesetzt, denn wir sind die Expert_innen in der beruflichen Bildung. Jetzt ist die Chance da auf ein echtes Upgrade für die Ausbildung: Es geht uns um die Stärkung der Qualität, der Attraktivität und der Zukunftsfähigkeit der Berufsbildung.

Wir haben es geschafft, dass sich die Bundesregierung selbst darauf verpflichtet hat, die Berufsausbildung zu modernisieren und dafür das BBiG zu novellieren. Aber wie bei den früheren Anläufen bleibt der Gesetzentwurf aus dem Bundesbildungsministerium weit hinter den Forderungen der Gewerkschaftsjugend zurück.

Das ist unakzeptabel. Ziel muss es sein, die Ausbildungsbedingungen für Auszubildende und dual Studierende tatsächlich zu verbessern. Unsere Hauptforderungen nach der Ausweitung des BBiG auf dual Studierende und betrieblich-schulische Ausbildungsberufe, nach einer Mindestausbildungsvergütung, die sich am Durchschnitt der tariflichen Ausbildungsvergütungen orientiert, guten Freistellungsregelungen für Berufsschule und Prüfer_innen, nach Lehr- und Lernmittelfreiheit sowie Durchlässigkeit und Stärkung der vollwertigen Berufsausbildung müssen sich im Gesetz wiederfinden.


Ladet euch das neue Fact Sheet mit den BBiG-Geburtstagsgrüßen der DGB-Jugend herunter: jugend.dgb.de/-/aRR

(aus der Soli aktuell 9-10/2019, Autorin: Soli aktuell)