Deutscher Gewerkschaftsbund

Mein erster Ausbildungsvertrag

Für viele Auszubildende beginnt im September mit der Ausbildung ein neuer Lebensabschnitt. Soli aktuell hat für euch die acht wichtigsten Fragen aus dem "Dr. Azubi"-Forum zusammengestellt, damit ihr mit allen wichtigen Informationen in eure Ausbildung starten könnt.

Julia Kanzog

Azubi-Ratgeberin Julia Kanzog

Ich habe bereits einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Jetzt habe ich die Zusage für meine Traumausbildungsstelle. Kann ich den ersten Vertrag noch kündigen?
"Dr. Azubi" antwortet:
Wenn du deine Ausbildung nicht antreten willst, kannst du gleich am ersten Arbeitstag kündigen. Da die Betriebe das wissen, reicht es in der Regel, wenn du schon vor Beginn der Ausbildung Bescheid gibst, dass du die Ausbildung nicht antreten wirst. Dann kann ein anderer Auszubildender deinen Platz einnehmen. Die Kündigung vor Ausbildungsbeginn ist im Berufsbildungsgesetz nicht gesetzlich geregelt. In der Rechtsprechung ist es aber anerkannt, dass du auch vor Ausbildungsbeginn kündigen kannst. Dies solltest du auf jeden Fall schriftlich machen.

Vor einer Woche habe ich meine Ausbildung angefangen. Ich habe immer noch keinen Vertrag. Ist das normal?
"Dr. Azubi" antwortet:
Der Ausbildungsvertrag wird in der Regel vor Ausbildungsbeginn schriftlich vereinbart. In deinem Fall ist auch ein mündlicher Vertrag gültig. Dennoch solltest du darauf achten, dass dein Vertrag so schnell wie möglich schriftlich vereinbart wird, damit du auf der sicheren Seite bist. Er wird von dir und – wenn du noch minderjährig bist – deinen Erziehungsberechtigten sowie von deinem Betrieb unterschrieben.

Das Schriftstück wird dann zur Eintragung und Überprüfung noch an die Kammer oder Innung geschickt. Erst dann ist dein Vertrag gültig und du kannst an den Prüfungen teilnehmen. Sollte dein Betrieb keine Ausbilderlizenz haben, dann kann dein Vertrag nicht eingetragen werden und du kannst deine Ausbildung nicht in dem Betrieb fortsetzen. In diesem Fall hast du Anspruch auf Schadensersatz.

 Ich bin im ersten Ausbildungsjahr und mein Betrieb möchte mir an Weihnachten keinen Urlaub geben. Geht das überhaupt?
"Dr. Azubi" antwortet:
Ja, das ist gesetzlich in Ordnung. Für jeden Monat, den du im Betrieb arbeitest, erwirbst du anteilig Urlaubsanspruch. In deinem Ausbildungsvertrag kannst du nachschauen, wie viele Urlaubstage dir im ersten Lehrjahr zustehen. Gesetzlich hast du erst nach sechs Monaten Ausbildungszeit Anspruch darauf, zum ersten Mal in den Urlaub zu gehen. Dein Urlaub sollte dir dann zusammenhängend gewährt werden – und du hast auch einen Rechtsanspruch darauf, zwei Wochen deines Jahresurlaubs am Stück und in einer berufsschulfreien Zeit zu nehmen.

Meine Ausbildung macht mir viel Spaß. Nach zwei Wochen im Betrieb hatte ich einen Unfall und bin krank. Mein Arbeitgeber hat mir nur die Hälfte von meinem Gehalt gezahlt. Was kann ich tun?
"Dr. Azubi" antwortet:
Wenn du innerhalb der ersten vier Wochen deiner Probezeit krank wirst, bekommst du Krankengeld von deiner Krankenkasse. Dafür brauchst du ein ärztliches Attest des Arztes, und du musst deine Arbeitsunfähigkeit zeitnah der Krankenkasse melden.

Bist du nach den ersten vier Wochen deiner Ausbildung krank, wird deine Ausbildungsvergütung weiterbezahlt. Erst wenn du länger als sechs Wochen krank bist, bekommst du Krankengeld von deiner Krankenkasse. Voraussetzung ist, dass du dich telefonisch krankmeldest und deinem Betrieb nach drei Krankheitstagen ein ärztliches Attest vorlegst.

Danke für die Antwort! Jetzt habe ich noch eine Frage: Mein Betrieb macht jetzt Stress und möchte mich kündigen. Ich kann doch nichts für meinen Unfall!
"Dr. Azubi" antwortet:
Die Probezeit darf in der Ausbildung maximal vier Monate betragen. Während dieser Zeit kann dich dein Betrieb ohne Angaben von Gründen von einem auf den anderen Tag kündigen. Die Kündigung muss schriftlich erfolgen und von deinem Ausbilder unterschrieben sein, eine mündliche Kündigung oder per WhatsApp ist nicht gültig.

Vorsicht: Entgegen vieler Annahmen ist auch eine Kündigung möglich, während du krank bist. Wenn dein Betrieb allerdings deine Krankheit als Begründung für die Kündigung nennt, dann ist das nicht in Ordnung und du kannst dagegen vorgehen. Dennoch ist es in der Probezeit schwierig.

Wieviel Geld steht mir im ersten Ausbildungsjahr zu? Auszubildende in anderen Betrieben bekommen viel mehr Vergütung!
"Dr. Azubi" antwortet:
Die Ausbildungsvergütung kann zwischen zwei Betrieben sehr unterschiedlich sein. Das Gesetz besagt: Die Ausbildungsvergütung muss angemessen sein und mit den Ausbildungsjahren ansteigen. Und häufig sind die Ausbildungsvergütungen in einem Tarifvertrag festgelegt.

Wichtig: Bei deiner Gewerkschaft kannst du erfragen, ob es für deinen Ausbildungsberuf einen bindenden Tarifvertrag gibt. Aber auch, wenn für deinen Ausbildungsbetrieb kein Tarifvertrag gilt, muss deine Ausbildungsvergütung mindestens 80 Prozent der in deiner Branche üblichen tariflichen Vergütung betragen.

Wenn du Mitglied in einer Gewerkschaft bist, klagt sie die Ausbildungsvergütung für dich ein.

Mein Gehalt reicht nicht zum Überleben. Ich wohne nicht mehr zu Hause. Was kann ich machen?
"Dr. Azubi" antwortet:
Unter bestimmten Umständen kannst du eine finanzielle Förderung des Staates in Form der Berufsausbildungsbeihilfe beantragen. Die Agentur für Arbeit gewährt diese Beihilfe, wenn du während deiner dualen Erstausbildung nicht mehr in deinem Elternhaus wohnst, aber deinen Lebensunterhalt nicht selber finanzieren kannst. Das Kindergeld muss dir in diesem Fall ausbezahlt werden.

Ich habe da ein Problem. Ich bin nun seit gut sieben Wochen in der Ausbildung (also noch in der Probezeit) und bin unglücklich. Ich bin allein auf der Baustelle und habe keine Ansprechperson.
"Dr. Azubi" antwortet:
Die Ausbildung kann nur stattfinden, wenn du einen Ausbilder an deiner Seite hast, der dir Fragen beantwortet und dich unterstützt. Daher gilt der Grundsatz, dass du während der Ausbildungszeit nicht alleine sein darfst. Suche am besten das Gespräch mit deinem Ausbilder und bitte ihn um Unterstützung. Für jeden Beruf gibt es einen Ausbildungsrahmenplan. Darin steht genau, was du wann lernen musst. Sollte sich die Situation nicht ändern, kann ein Ausbildungsplatzwechsel das richtige für dich sein. Auch dabei hilft dir deine zuständige Gewerkschaft.


(aus der Soli aktuell 9-10/2019, Autorin: Julia Kanzog)

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