Deutscher Gewerkschaftsbund

Ich bekomme ein Kind - und jetzt? Schwangerschaft und Ausbildung

Auch während der Ausbildung stehen Schwangere unter einem besonderen Schutz. Mit den richtigen Informationen lassen sich Kind und Beruf gut unter einen Hut bringen.

Julia Kanzog

Azubi-Ratgeberin Julia Kanzog

Martina, angehende Einzelhandelskauffrau, schreibt in das "Dr. Azubi"-Forum: "Was passiert, wenn ich schwanger werde? Kann mein Betrieb mich kündigen? Bitte helft mir weiter!"
"Dr. Azubi" antwortet: Wichtig ist, dass du im Fall einer Schwangerschaft erst einmal Ruhe bewahrst und dir vor allem keine Sorgen machst. Dein Ausbildungsplatz ist während einer Schwangerschaft nicht gefährdet.

Im Gegenteil, du genießt ab sofort einen besonderen Kündigungsschutz: Eine Kündigung während der Schwangerschaft und vier Monate nach der Geburt ist unzulässig. Nur bei "besonders schweren Pflichtverletzungen", die nicht mit der Schwangerschaft in Verbindung stehen, ist eine Kündigung möglich, z. B. bei nachgewiesenem Diebstahl.

Bei der Kündigung einer schwangeren Auszubildenden muss auch die oberste Landesbehörde zustimmen und der Betriebsrat angehört werden. Auch während der Probezeit genießt du diesen besonderen Kündigungsschutz.

Florentine schreibt: "Ich bin im 3. Lehrjahr. Am Donnerstag, den 15.12., habe ich erfahren, dass ich schwanger bin. Ich wurde vor ca. 1 Woche gekündigt, jetzt habe ich gelesen, dass der Betrieb das zurückziehen muss, wenn man ihm 2 Wochen nachher von der Schwangerschaft erzählt?? Stimmt das?"
"Dr. Azubi" antwortet:
Da hast du dich bereits gut informiert. Eine Kündigung wäre auch dann unwirksam, wenn du deinem Arbeitgeber innerhalb von zwei Wochen nach der Kündigung die Schwangerschaft mitteilst und Widerspruch einlegst. Zur Sicherheit kannst du auch noch innerhalb von drei Wochen nach der Kündigung Widerspruch einlegen. Tipp: Hol dir auf jeden Fall Hilfe von deiner Gewerkschaft, damit du keine Fristen verpasst.

Wichtig: Die Frage nach einer Schwangerschaft im Bewerbungsgespräch ist grundsätzlich verboten. Du bist auch nicht verpflichtet, deinen potenziellen Arbeitgeber über eine Schwangerschaft zu informieren. Das Gesetz erlaubt, hier die Unwahrheit zu sagen. Du kannst die Frage verneinen, ohne dass dir ein Nachteil entsteht. Dein Arbeitgeber kann den Arbeitsvertrag nicht anfechten.

Achtung: Das gilt nicht, wenn der Ausbildungsberuf für eine Schwangere verboten ist (zum Beispiel Röntgenassistentin).

Mireille interessiert, welche Rechte sie als Schwangere hat.
"Dr. Azubi" antwortet: Sobald dein Arbeitgeber von deiner Schwangerschaft erfahren hat, muss er bestimmte Bestimmungen einhalten, die im Mutterschutzgesetz geregelt sind. Für die vorgeschriebenen Vorsorgeuntersuchungen bei deinem Frauenarzt muss dein Arbeitgeber dich freistellen. Daraus entstehende Fehlzeiten musst du nicht reinarbeiten. In der Regel finden die Untersuchungen einmal im Monat statt. Weitere Regeln sind:

  • Während Schwangerschaft und Stillzeit sind Mehrarbeit, Nachtarbeit zwischen 20 und 6.00 Uhr und Arbeit an Sonn- und Feiertagen nicht erlaubt. Bist du minderjährig, darfst du nicht mehr als acht Stunden täglich oder 80 Stunden in einer Doppelwoche beschäftigt werden.
  • Bei volljährigen Schwangeren liegt die Höchstgrenze bei 8,5 Stunden pro Tag oder 90 Stunden in einer Doppelwoche.
  • Eine Reihe von Tätigkeiten sind für Schwangere jetzt tabu. Schweres Heben von Gegenständen über fünf Kilo ist nicht erlaubt – und nach dem fünften Schwangerschaftsmonat darfst du nicht mehr als vier Stunden im Stehen beschäftigt werden. Dasselbe gilt für Tätigkeiten, bei denen du dich häufig strecken, beugen oder bücken musst.
  • Auch Akkordarbeit und Fließbandarbeit mit vorgeschriebenem Tempo, extremer Lärm oder der Kontakt mit Gefahrstoffen (Lacke, Chemikalien etc.) sind verboten.

Bei Franziska steht die Entbindung in drei Monaten an. Ihre Abschlussprüfung fällt in den Zeitraum des Mutterschutzes. Sie will auf alle Fälle teilnehmen.
"Dr. Azubi" antwortet: Vor und nach der Geburt gelten spezielle Mutterschutzfristen. Sechs Wochen vor der Geburt kannst du in Mutterschutz gehen, du hast aber auch die Möglichkeit, bis zum Geburtstermin zu arbeiten. Nach der Geburt gilt ein achtwöchiges absolutes Beschäftigungsverbot.

Falls deine Abschlussprüfung in den Mutterschutz fällt, ist eine Teilnahme an der Prüfung möglich, da die Abschlussprüfung nicht als arbeitsrechtliche Beschäftigung gilt. Du solltest dich aber unbedingt mit der zuständigen Stelle (Industrie- und Handels- bzw. Handwerkskammer) und mit dem Arbeitgeber absprechen.

Du benötigst auch eine Bescheinigung vom Arzt, dass du aus gesundheitlicher Sicht fit bist.

Während der Mutterschutzfristen bekommst du weiterhin dieselbe Netto-Vergütung wie vorher. Die Krankenkasse zahlt dabei bis zu 13 Euro am Tag, und dein Arbeitgeber ist verpflichtet, so viel dazuzuzahlen, dass du wieder genauso viel in der Tasche hast wie vorher.

Sebastian ist angehender Koch und wird in einem Monat Vater. Er möchte seine Frau unterstützen und auch in Elternzeit gehen. Er ist sich unsicher, ob das geht und wie er dabei vorgehen soll.
"Dr. Azubi" antwortet: Nach der Mutterschutzzeit haben Mütter und Väter, die sich in einem Arbeitsverhältnis befinden, einen Anspruch auf Elternzeit, eine Auszeit von bis zu drei Jahren zur Erziehung ihres Kindes.

Es sind viele unterschiedliche Konstellationen möglich: Während dieser Zeit "ruht" das Ausbildungsverhältnis und du hast im Anschluss an die Elternzeit das Recht, wieder an deinen Ausbildungsplatz zurückzukehren und die Ausbildung fortzusetzen.

Dieses Recht ist in einem eigenen Gesetz, dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz, BEEG, verankert, das auch für Auszubildende gilt.

Achtung, Terminplanung: Elternzeitwünsche muss man sieben Wochen vor Antritt beim Betrieb beantragen. Ab diesem Zeitpunkt genießt dann auch Sebastian einen besonderen Kündigungsschutz. D

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Du steckst mitten in einer Berufsausbildung. Da erfährst du, dass du schwanger bist. Jetzt gehen dir eine Menge Fragen durch den Kopf: Möchte ich wirklich ein Kind bekommen? Was geschieht mit meiner Ausbildung, kann ich sie mit einem Kind vereinbaren? Und wie soll ich das finanziell schaffen? Antworten findest du in der DGB-Jugend-Broschüre "Ausbildung, schwanger – und jetzt".


(aus der Soli aktuell 7-2019, Autorin: Julia Kanzog)

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