Deutscher Gewerkschaftsbund

Ein großer bunter Block: Kai Reinartz ist Vorsitzender der ver.di Jugend

Kai Reinartz ist der neue Vorsitzende der ver.di Jugend. In der Soli aktuell spricht er über Engagement in der Gewerkschaft, Mitgliederwerbung und seine politischen Ziele.

Kai Reinartz

© Privat

Kai Reinartz, 27, arbeitet als Sozialversicherungsfachangestellter bei der DRV Rheinland und ist der neue Vorsitzende der ver.di Jugend

Kai, erst mal besten Glückwunsch zum neuen Ehrenamt als Vorsitzender der ver.di Jugend! Warum wird man das?
Gute Frage! Zum einen, weil ich durch die Bundesjugendkonferenz gewählt wurde. Und zum anderen: Wahrscheinlich, weil ich mich in den letzten Jahren stark eingebracht habe in die Gewerkschaft.

Wir haben viele verschiedene Gremien, vom Bezirksjugendvorstand bis zum Fachbereich Sozialversicherungen, über den ich organisiert bin. Ich war in der Tarifkommission für die Rentenversicherung und habe vor allem viele Projekte bei uns in der Region unterstützt, zum Beispiel den Streik an den Unikliniken in Düsseldorf.

Ich habe Konzepte zum Thema Verbesserung der Jugendansprache in meinem Fachbereich erarbeitet. Wenn junge Leute in den Beruf eintreten, möchte ich sie für die Gewerkschaft interessieren. Sie ansprechen, informieren und auch eben als Mitglied zu binden.

Der Abschluss in den Unikliniken gilt als ein Meilenstein: Wer in einer schulischen Ausbildung ist, erhält jetzt eine Vergütung. Früher musste man sogar draufzahlen. Welche Folgen hat das?
Ich glaube, dass der Abschluss eine weitere Aufwertung der Gesundheitsberufe darstellt. Die Diskussion wird allgemein dazu führen, dass die Bevölkerung positiver über die Menschen denkt, die dort arbeiten.

Wie bist du zur Gewerkschaft gekommen?
Als ich mit meiner Ausbildung bei der Deutschen Rentenversicherung begonnen habe, standen die Wahlen zur Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) an. Ich war zuvor Klassen- und Schülersprecher, ich hatte immer schon den Wunsch, mich politisch einzubringen.

Ich bin gleich Gewerkschaftsmitglied geworden und habe mit der Arbeit in der JAV angefangen.

Bringst du selber Leute in die Gewerkschaft?
Ja, und zwar ganz schön viele. Seinerzeit ist mal eine Auswertung gemacht worden – ich habe weit über 100 Mitglieder geworben, meist im Zusammenhang mit dem Berufsstart. Ich habe die neuen Leute einfach angesprochen: "Warum engagierst du dich nicht auch?"

Welche Ziele hast du dir für deine Amtszeit gesetzt?
Die ver.di Jugend macht eine tolle Arbeit, für sich betrachtet und innerhalb der DGB-Gewerkschaften. Wir müssen die jungen Leute auch weiter politisieren. Du siehst ja gerade, wie es z. B. mit "Fridays for Future" läuft: Dort gibt es die Schüler_innen, die auf die Straße gehen und für eine andere Klimapolitik eintreten. Das ist ein globales Thema und eine starke Bewegung.

Erstmals müsst ihr in der Geschäftsführung zusammenarbeiten, wie wird das sein?
Ich denke, das wird sehr gut laufen. Wir haben alle drei verschiedene Schwerpunkte und jeweils wertvolle Erfahrungen auf unterschiedlichen Gebieten, sodass wir uns bestens ergänzen. Wir haben uns schon im Vorfeld über unsere Ansichten abgestimmt. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit.

Was wir dein Hauptthema sein?
Berufliche Bildung, betriebliche Mitbestimmung, Sozialpolitik und die Pflege der Partnerschaften innerhalb des DGB. Daneben haben wir auch Themen, die wir gemeinsam betreuen, beispielsweise politische Netzwerkarbeit und unseren Gewerkschaftsrat.

Was war für dich der wichtigste Beschluss bei eurer Bundesjugendkonferenz? "Jugend im Fokus 2.0" war ein richtiger und wegweisender Antrag, um die Jugend innerhalb unserer Gewerkschaft noch stärker zu etablieren.

Ich finde auch, dass wir sehr gute Beschlüsse zu Antirassismus und Antidiskriminierung gefasst haben. Wir haben aber sehr viele gute Beschlüsse gefasst, sodass es schwierig ist, einzelne herauszugreifen.

Wo willst du in vier Jahren stehen?
Ich möchte dann sehen, dass wir größer und stärker geworden sind, in Form von mehr Mitgliedern, mehr Aktiven, mehr Bewegung.

Ich möchte zurückblicken auf Tarifrunden, in denen wir Jugendforderungen umsetzen konnten, auch von jungen Beschäftigten, nicht nur von Auszubildenden und Studierenden. Ich möchte sagen können, dass wir noch mehr zu einem großen bunten Block innerhalb unserer Gewerkschaft geworden sind. Dass die Fachbereichsfusion, die uns bevorsteht, auch innerhalb der Jugend dazu geführt hat, dass wir noch besser und enger zusammenarbeiten.

Die DGB-Jugend wird dieses Jahr 70. Soll ich Grüße bestellen?
Auf jeden Fall. Ich finde es toll, dass es den DGB gibt. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Ich glaube, dass der DGB eine der wichtigsten Organisationen in unserem Land ist. Zur Zeit des Nationalsozialismus haben sich Gewerkschafter_innen nicht kleinkriegen lassen.

Es erfüllt mich immer wieder mit Ehrfurcht, dass es Leute gab, die die gewerkschaftlichen Strukturen im Geist der Solidarität wieder aufgebaut haben, nachdem alles zerschlagen war.

Ich möchte außerdem alle Menschen dazu einladen, sich zu beteiligen. Jeder hat sein "Herzthema", für das er sich begeistern kann, wie mein Kollege in der Geschäftsführung, Abdullah Şevik, sagt. Und ihr könnt nicht nur bei uns, sondern auch bei den Schwestergewerkschaften im DGB mitmachen und sie nach vorne bringen.

Also: Aufstehen und was machen – statt rumzusitzen und sich zu ärgern.


(aus der Soli aktuell 7/2019, Autorin: Soli aktuell)