Deutscher Gewerkschaftsbund

Klimaschutz und Schule: Die junge GEW und "Fridays for Future"

Die junge GEW positioniert sich zu den "Fridays for Future"-Demonstrationen. Ein Kommentar von Marcel Helwig und Lisa Lewien.

© Privat

Marcel Helwig und Lisa Lewien sind im Sprecher_innenteam des Bundesausschusses junge GEW

Seitdem die damals 15-jährige Greta Thunberg an einem Freitag ein Plakat "Skolstrejk för klimatet" gemalt und sich während der Unterrichtszeit vor das Parlament in Schweden gesetzt hat, geht es richtig rund. Mittlerweile gehen weltweit, jedoch überwiegend im globalen Norden, Schüler_innen, aber auch Student_innen auf die Straße.

Sie wollen ein klares Bekenntnis von der Politik zu den Klimazielen des Pariser Übereinkommens und ganz konkrete Zwischenschritte und Zusagen. Aber auch mitreden und entscheiden wollen sie, etwa durch eine Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre. Dafür streiken sie.

Kritiker_innen kommentieren die Proteste abschätzig, stellen die Authentizität der Streikenden in Frage und verbreiten sogar Fake News. So wurden zum Beispiel in den sozialen Medien angebliche Fotos von Plakaten bei den Protesten verbreitet, die Sprüche aber mit Photoshop verändert. Zudem verschärft sich die Debatte um die Schulpflicht, je länger die Streiks anhalten.

Wir als junge GEW und angehende Pädagog_innen unterstützen die Proteste der Schüler_innen ausdrücklich und erkennen ihre Aktionsform als zivilen Ungehorsam an.

Wir müssen endlich aufhören, über die Schulpflicht zu reden, sondern die Schüler_innen sowie ihre Anliegen ernst nehmen und anfangen, die Umsetzung der Klimaziele anzugehen. Deshalb können wir die Schulverwaltungen und Kolleg_innen nur dazu aufrufen, den Protesten wohlwollend zu begegnen. Das heißt, es sollten keine Prüfungen absichtlich auf diese Tage gelegt werden, um die Schüler_innen in ihrer Bildungsbiografie zu behindern und ein Fernbleiben von den Demos zu erzwingen.

Klimaschutz und gesellschaftspolitisches Engagement sollten produktiv in den Unterricht und das alltägliche Schulleben eingebunden werden. So gilt es, die Bildung für nachhaltige Entwicklung nicht nur als Querschnittsthema innerhalb der Schulfächer zu implementieren, sondern auch im gesamten schulischen Handeln.

Dazu gibt es Anlässe in verschiedenen Unterrichtsfächern, Arbeitsgemeinschaften und Projekten, aber auch darüber hinaus die Möglichkeit, den Schulalltag nachhaltiger zu gestalten. Die rein eurozentristische Sichtweise und Perspektiven des globalen Nordens dürfen nicht länger bestimmend sein: Welche Materialien verwenden wir? Sind sie sozial verträglich und nachhaltig produziert? Wie sieht das Mittagessen aus? Werden Fairtrade-Prinzipien und ressourcensparende Maßnahmen ernst genommen?

All das kann die Proteste aber nur ergänzen. Vorschläge, nur nach der Schulzeit zu streiken, sich in Umweltverbänden zu organisieren oder nach einer Einbindung in den Schulalltag zielen lediglich darauf ab, die Schüler_innen zu befrieden, damit die Proteste möglichst bald beendet werden. Uns aber geht es um mehr: Wir fordern, die Schüler_innen und ihre Interesse ernst zu nehmen – inklusive ihrer Proteste! Wenn Hamburg unter Wasser steht, ist’s egal, wer noch zur Schule geht!


(aus der Soli aktuell 6/2019, Autor_innen: Marcel Helwig und Lisa Lewien)