Deutscher Gewerkschaftsbund

Arbeit und kein Ende: Dr. Azubi über Ausbildungszeiten

Arbeitszeiten spielen im "Dr. Azubi"-Forum der DGB-Jugend eine große Rolle. Denn Schichtarbeit und Überstunden ohne Ausgleich sind für Auszubildende belastend.

Julia Kanzog

Azubi-Ratgeberin Julia Kanzog

Arbeit und kein Ende. Der Ausbildungsreport der DGB-Jugend hat sich 2018 in seiner Befragung dem Schwerpunktthema Arbeitszeit in der Ausbildung gewidmet und erneut festgestellt: Zwei Drittel der befragten Auszubildenden leisten regelmäßig Überstunden. Und seit vielen Jahren gibt es eine beachtliche Menge an Gesetzesverstößen, die die Arbeitszeit betreffen. Doch was ist erlaubt und "normal" in der Ausbildung?

Arbeitszeit und Freizeitvergnügen
Alle Zeiten, die du im Betrieb und in der Berufsschule verbringst, sowie Fahrtzeiten von der Berufsschule in den Betrieb sind Arbeitszeit – inklusive Prüfungszeiten, Lehrgangsunterweisungen, Schreiben des Berichtshefts sowie das Umziehen am Arbeitsplatz, sofern Dienstkleidung vorgeschrieben ist. Auch Auszubildenden-Meetings und betrieblich vorgegebene Lernabende gehören zur Arbeitszeit. Achtung: Pausenzeiten zählen nicht zu deiner Arbeitszeit.

Wie lange muss ich arbeiten?
Die Arbeitszeit wird durch die geltenden Grenzen im Jugendarbeitsschutz- und Arbeitszeitgesetz reguliert. Jugendliche dürfen nicht mehr als acht Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich arbeiten. Bei volljährigen Auszubildenden ist grundsätzlich eine Sechs-Tage-Woche mit 48 Stunden möglich.

Die tägliche Arbeitszeit kann in Ausnahmefällen auf zehn Stunden erhöht werden, wenn innerhalb von sechs Monaten ein Ausgleich stattfindet. Gibt es einen bindenden Tarifvertrag, hast du häufig eine geringere Wochenarbeitszeit als die gesetzlich vorgeschriebene, zum Beispiel 37 oder 38 Wochenstunden. Um herauszufinden, wie es mit deiner Arbeitszeit ist, lohnt sich ein Blick in deinen Ausbildungsvertrag. Hier ist die tägliche und wöchentliche Arbeitszeit angegeben.

Wann ist endlich Pause?
Für deine Arbeitszeit gibt es vorgeschriebene Pausenzeiten. Sie dienen der Erholung. Daher gilt auch erst eine Unterbrechung ab 15 Minuten als Pause. Bereitschaftszeiten oder schnell etwas am Schreibtisch essen und nebenbei noch das Telefon bedienen, gelten nicht als Pausenzeiten.

Die Pausenzeiten richten sich nach deinem Alter und der Länge deiner Arbeitszeit. Minderjährigen steht bei einer viereinhalb- bis sechsstündigen Arbeitszeit eine Pause von 30 Minuten zu; und 60 Minuten, wenn du mehr als sechs Stunden arbeitest.

Bist du bereits volljährig, gilt: Du hast 30 Minuten Pause, wenn du sechs bis neun Stunden arbeitest. Und 45 Minuten Pause, wenn du mehr als neun Stunden arbeitest.

Schichtzeit und Nachtarbeit
Ein Viertel der befragten Auszubildenden im Ausbildungsreport 2018 der DGB-Jugend gaben an, im Schichtdienst zu arbeiten, hauptsächlich im Verkaufsbereich und im Hotel- und Gaststättengewerbe. "Schichtzeit" ist deine Arbeitszeit plus die Pausenzeiten, die nicht willkürlich ausgedehnt werden darf. Bist du volljährig, ist nach Ende der Arbeit eine Ruhezeit von mindestens elf Stunden einzuhalten. Bei Minderjährigen beträgt die Ruhezeit zwölf Stunden.

Achtung: Für Jugendliche herrscht zwischen 20 und 6 Uhr Beschäftigungsverbot. Aber gerade in den Bereichen Gastronomie, Hotelgewerbe, in Bäckereien und Konditoreien sowie in Betrieben mit dauerhaften Schichtdiensten gibt es Ausnahmen.

Anrechnung von Berufsschulzeit
Die Berufsschule ist kein Freizeitvergnügen und muss auf deine Arbeitszeit angerechnet werden. Dabei gibt es aber Unterschiede: Bei Minderjährigen wird der erste Berufsschultag mit mehr als fünf Unterrichtstunden (inklusive Pausen) mit acht Stunden auf die Arbeitszeit angerechnet.

Gibt es einen zweiten Berufsschultag in der Woche, wird hier die tatsächliche Zeit in der Berufsschule angerechnet, und es kann passieren, dass du dann noch im Betrieb arbeiten musst. Dann gilt aber auch: Die Fahrtzeit in den Betrieb ist Arbeitszeit.

Bei Volljährigen wird die Berufsschulzeit nur angerechnet, wenn sich Berufsschule und reguläre Arbeitszeit überschneiden. Unterrichtsfreie Zeiten, Pausen und Wegezeiten in den Betrieb werden ebenso angerechnet.

Was sind Überstunden?
Wenn du über deine vertraglich festgelegte Arbeitszeit hinaus arbeitest, sind das Überstunden. Die tägliche Ausbildungszeit sollte ausreichen, um dir alle wichtigen Ausbildungsinhalte zu vermitteln, daher bist du nicht dazu verpflichtet, Überstunden zu leisten. Nur in absoluten Ausnahmefällen kann dein Betrieb dich verpflichten, länger im Betrieb zu bleiben. Dann muss aber schon die Hütte brennen!

Und was passiert dann?
Geleistete Überstunden müssen in Freizeit oder mit zusätzlicher Vergütung ausgeglichen werden (§ 17 Berufsbildungsgesetz, BBiG). Wenn bei euch ein Tarifvertrag gilt, kann es gut sein, dass ihr einen Zuschlag erhaltet. Ansonsten ist der Freizeitausgleich meist lukrativer.

Und wenn das nicht klappt?
13 Prozent der Befragten im DGB-Jugend-Ausbildungsreport 2018 erhielten keinen Ausgleich für ihre Überstunden. So geht’s nicht! Dein Betrieb muss deine Arbeitszeit inklusive der geleisteten Überstunden erfassen. Von der Stempeluhr bis hin zur handschriftlichen Dokumentation ist alles möglich. Wenn sie nicht oder nicht korrekt erfasst wird, dann schreibe deine Arbeitszeit am besten in dein Berichtsheft und fordere deine Überstunden bei deinem Betrieb ein – aber natürlich erst nach der Probezeit.

Befindest du dich bereits am Ende deiner Ausbildung, kannst du deine Überstunden auch noch im Nachhinein einfordern. Hierfür brauchst du aber sehr gute Nachweise. Unterstützung bekommst du in der Sache von deinem Betriebsrat und oder deiner Jugend- und Auszubildendenvertretung.

"Du musst Minusstunden reinarbeiten!"
In der Regel ist eine Berechnung von Minusstunden nicht rechtens. Denn die Ausbildungsvergütung muss weitergezahlt werden, wenn deine Ausbildung aus Gründen, für die du nichts kannst, ausfällt, obwohl du bereitstehen würdest (§ 19 BBiG). Klassisches Beispiel: Dein Ausbilder schickt dich heim, weil nichts mehr zu tun ist. Oder du bekommst einen Anruf, dass du gar nicht erst kommen sollst.

In diesen Fällen bist du bezahlt freigestellt und sammelst keine Minusstunden an. Denn du hast ein Recht darauf, die festgelegte tägliche Arbeitszeit auch zu arbeiten – und zu lernen, und wenn es nichts zu tun gibt, kann sich dein Betrieb ja Lernaufgaben für dich ausdenken: Du bist schließlich in der Ausbildung!


Stress mit Ausbildung? Wie geht es den anderen? Das kannst du im Ausbildungsreport der DGB-Jugend nachlesen: https://jugend.dgb.de/ ausbildungsreport-2018

(aus der Soli aktuell 5/2019, Autorin: Julia Kanzog)

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