Deutscher Gewerkschaftsbund

Ein Schritt nach vorn: Marcel Thoma zur BBiG-Reform

Marcel Thoma, JAV-Vorsitzender bei Volkswagen Automobile GmbH in Hannover, über sein Engagement für eine gute Reform des Berufsbildungsgesetzes.

Junger Mann im Blaumann

© Privat

Setzt sich für ein gutes BBiG ein: Marcel Thoma

Marcel, die Gewerkschaftsjugend ist überall in Sachen Berufsbildungsgesetz (BBiG) aktiv. Wie kamt ihr darauf, die Bundestagsabgeordnete Yasmin Fahimi (SPD) zur BBiG-Diskussion einzuladen?
Das Thema BBiG haben wir öfters im Ortsjugendausschuss (OJA). Da soll ja viel passieren, aber leider relativ wenig von dem, was wir uns wünschen. Seit Dezember 2018 geht der BBiG-Referentenentwurf aus dem Bundesbildungsministerium herum. Björn Kallensee, der Jugendsekretär unserer Gewerkschaft IG Metall, kam auf die Idee, Yasmin Fahimi einfach mal einzuladen, die sitzt ja quasi bei uns vor Ort – und für die SPD auch im Bundestag. Und als Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium ist sie an der BBiG-Novellierung beteiligt.

Wart ihr zufrieden mit ihren Aussagen?
Naja. Sie hat gesagt, was die SPD möchte und wie schlimm es ist, was die CDU will. So lief der Abend im Grunde ab. Wir haben gesagt, was uns wichtig ist. Ja, das könne man alles verstehen, fand sie. Das sehe die SPD genauso, aber die CDU nicht. Sie lieferte viele Backgroundinfos, wie der politische Prozess abläuft.

Ihr wünscht euch aber doch was anderes…
Ja, grundsätzlich mal einen Schritt nach vorn. Ich nenne mal die Mindestausbildungsvergütung. Die soll sich laut Bildungsministerium am Schüler-BAföG-Satz orientieren. Nach Steuerabzug würde sie aber unter das BAföG-Niveau fallen, und das ist nicht akzeptabel.

Welche Folgen hätte dieses Konzept?
Damit könnte die Attraktivität der Ausbildung rapide sinken. Viele Vorgesetzte werden es sich nicht nehmen lassen, weniger zu bezahlen, als sie eigentlich müssten, sofern sie nicht tarifgebunden sind.

Was plant ihr sonst zum BBiG?
Das wird ein Thema auf der nächsten Delegiertenversammlung der IG Metall in Hannover sein, mit Redepart der Jugend und Präsentation. Wir wollen den Kollegen vermitteln, wie wichtig uns das BBiG ist. Es gibt auch noch Anträge für die diesjährige Jugendkonferenz, also eine ganze Menge. Wir möchten da jetzt auch nicht die Füße still halten, sodass wir dieses Jahr was bewegen und die Menschen mitreißen können.

Ist es schwierig, die Auszubildenden für das Thema zu gewinnen?
Ich fürchte, die haben absolut nicht auf dem Schirm, dass gerade was passiert, was sie betrifft. Ich komme aus einem Handwerksbetrieb, und Handwerker sind grundsätzlich etwas lethargischer, was Engagement angeht. Die kloppen ihren Acht-Stunden-Tag und haben noch lange An- und Abreisewege. Das Interesse entwickelt sich oft erst gegen Ende der Ausbildung. Dann haben alle verstanden, was hier doch nicht so gut läuft.

Wie schafft ihr es trotzdem?
Mit Beharrlichkeit. In jeder Jugendversammlung werden Themen angesprochen, die innerbetrieblich wie gesellschaftspolitisch wichtig sind. BBiG und Rechtsruck zum Beispiel sind da Dauerbrenner. Seminare und Versammlungen sind zusammen mit dem OJA gute Gelegenheiten, die Leute zur Beteiligung zu animieren. Aber es ist und bleibt ein langwieriger Prozess, den Leuten die Augen zu öffnen.

Du hast ja selbst auch zu deinem Ehrenamt gefunden, wie ist denn das gelaufen?
Unser damaliger Jugendsekretär sagte: "Besuch doch mal dieses Seminar, das ist ganz cool." Ich bin dahin gefahren, danach habe ich das Ganze sacken lassen: Was ist da passiert? Wie betrifft mich das? Dann habe ich die OJAs besucht – und jetzt komme ich nicht mehr raus! Ich kann von der Mitbestimmung nicht mehr lassen.

Warum tut sich die Politik so schwer mit unseren Forderungen?
Ich habe das Gefühl, dort spricht man nicht miteinander, und wenn, dann zankt man sich nur. Das ist auch das, was aus der Politik bei der Jugend ankommt. Im speziellen Fall BBiG ist es auch so, dass das zuständige Bildungsministerium in der Sache vorher nicht mit den Sozialpartnern geredet hat, also weder mit Arbeitnehmer- noch mit Arbeitgeberverbänden. Das erschwert die ganze Sache.


(aus der Soli aktuell 4/2019, Autorin: Soli aktuell)

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