Deutscher Gewerkschaftsbund

Gegen Freizeitverkürzung: Interview mit Jen von Großstadtgeflüster

Mit ihrem Song "Feierabend" engagieren sich Großstadtgeflüster aktiv in Sachen Arbeitszeitverkürzung. Soli aktuell sprach mit Sängerin Jen.

Großstadtgeflüster: Drei Musiker_innen

© GSGF

Arbeiten soll man nicht übertreiben: Sängerin Jen (M.) mit den Bandkollegen Riffsn (r.) und Chriz

Jen, ihr seid mit eurem Lied über sofortigen Arbeitsstopp berühmt geworden. Ihr singt: "Jetzt ist Feierabend…/Ich werde jede Forderung sofort im Keim erschlagen". Verdient ihr euer Geld jetzt im Schlaf?
Nein, wir sind ja keine professionellen Matratzen-Tester_innen. Und ich halte es für eine extreme Herausforderung, mit Synchron-Schnarchen über eine Konzert- oder Albumlänge den Spannungsbogen und den Unterhaltungswert aufrechtzuerhalten.

Ihr flüstert gar nicht in dem Lied. Es klingt eher nach 1. Mai-Ansprache, mit Forderungen und so. Warum?
Stell dir vor, am 1. Mai würden alle flüstern, da versteht bzw. hört ja dann keiner, was gefordert wird – und die Party wär zu dem ziemlich lame. Dann lieber durcheinanderschreien, da stimmt wenigstens die Energie.

Hast du eigentlich eine Ausbildung?
Ich habe Kommunikationsdesign studiert und erfolgreich abgebrochen!

Seit langem kritisiert die DGB-Jugend, dass junge Beschäftigte und Auszubildende zu viele Überstunden machen müssen. Mögt ihr Überstunden?
In unserem Fall ist Feierabend, wenn etwas fertig ist oder nichts mehr geht. Das ist der fließende Übergang zwischen Beruf und Berufung. Innerhalb eines Unternehmens halte ich Überstunden allerdings nicht nur für ausbeuterisch, vor allem im Hinblick auf gering- bis praktisch nichts verdienende Praktikant_innen und Azubis, sondern langfristig auch für kontraproduktiv für das Unternehmen.

Effizienz und Produktivität…
…haben sehr viel mit der Motivation der Arbeitnehmer_innen zu tun – und diese gehört gepflegt. Je motivierter ein_e Arbeitnehmer_in ist, desto produktiver wird sie in der ihr zur Verfügung stehenden Zeit. Überstunden – sprich die Reduzierung von Freizeit – bewirken langfristig eher das Gegenteil.

Die DGB-Jugend will, dass pünktlich Schluss gemacht wird und die Menschen zufrieden in den Feierabend kommen. Mögt ihr die DGB-Jugend?
Das geht aber schnell, wir kennen uns doch noch gar nicht richtig… Aber dass sich junge Leutis weiterhin zusammen tun, um sich gemeinschaftlich für ihre Rechte und Gerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt einzusetzen, und den Widerstand nicht mit ihren Eltern und/oder Großeltern in Rente schicken, finde ich super! Weiter so!


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