Deutscher Gewerkschaftsbund

100 Jahre Internationale Arbeitsorganisation

Die Internationale Arbeitsorganisation wird 100 Jahre alt. Anlass zum Feiern - und zur Kritik.

Globus und Hand

© Cydonna/Photocase

Die International Labour Organisation (ILO) begann ihre Tätigkeit am 11. April 1919 auf der Friedenskonferenz in Versailles. Sie war ursprünglich eine ständige Einrichtung des Völkerbundes mit dem Ziel der Sicherung des Weltfriedens auf der Grundlage sozialer Gerechtigkeit. Entstanden war sie aus einer Forderung der sozialdemokratischen Amsterdamer Gewerkschaftsinternationalen.

Seit ihrem Umzug nach Genf im Jahr 1946 ist die ILO eine UN-Sonderorganisation und damit die erste Einrichtung dieser Art. 1969 wurde der Organisation der Friedensnobelpreis und 1994 der Hans-Böckler-Preis zuerkannt.

Die ILO hat 187 Mitgliedstaaten. Ihr Generalsekretär ist der britische Gewerkschafter Guy Rider. Sie formuliert internationale Arbeitsstandards und entwickelt sie weiter. Sie erarbeitet Konventionen und Empfehlungen an die Mitgliedstaaten, so zum Beispiel für den Mutterschutz, den Schutz von temporären Angestellten und definiert Altersgrenzen für bestimmte Arbeiten.

Die Lage der jungen Generation weltweit ist ein Spezialthema der ILO. In einer Studie über Ansichten junger Menschen zur Zukunft der Arbeit fragte die Organisation, wie sich Jugendliche ihr Leben in den nächsten zehn bis 15 Jahren vorstellen. Viele der Befragten verbinden die Zukunft entweder mit Angst oder mit Unsicherheit, dies besonders häufig in Industrieländern.

Das hat seine Gründe: Fast 64 Millionen junge Menschen sind arbeitslos, das sind rund 13 Prozent der Jugendlichen weltweit. Am höchsten ist die Quote in arabischen Ländern mit 30 Prozent.

Und 145 Millionen weitere, die hauptsächlich von Arbeit in der informellen Wirtschaft leben, gelten als arm. Einer von vier Jugendlichen hat weder einen Arbeitsplatz, noch befindet er sich im Bildungs- oder Ausbildungssystem.

Das Thema Jugendarbeitslosigkeit geht über die Frage von Beschäftigung hinaus, denn es beeinflusst entscheidend die Lebensqualität junger Menschen. "Die andauernden Herausforderungen am Arbeitsmarkt und in sozialer Hinsicht, denen junge Frauen und Männer ausgesetzt sind, haben nicht nur Auswirkungen auf die Umsetzung von nachhaltigem und inklusivem Wachstum sondern betreffen die Zukunft der Arbeit und den sozialen Zusammenhalt von Gesellschaften insgesamt", sagt ILO-Mitarbeiterin Deborah Greenfield.

Dabei gleichen sich die Ziele junger Menschen in den verschiedenen Weltregionen: Sie wollen einen Arbeitsplatz mit menschenwürdiger Bezahlung und Aufstiegschancen. Dazu gehören eine gute Ausbildung, soziale Sicherheit und Mitbestimmung.

Die ILO hat darauf reagiert: Eine globale Initiative für die Jugend – eine besondere Partnerschaft zwischen Regierungen, den Organisationen der Vereinten Nationen, Geschäftswelt, wissenschaftlichen Institutionen, Jugendorganisationen und weiteren Gruppen – soll neue Chancen und Wege für hochwertige Beschäftigung in der globalen Wirtschaft aufzeigen und "junge Menschen darin unterstützen, ihre Fähigkeiten auszubilden, um auf dem globalen Arbeitsmarkt zu bestehen". Dabei kritisieren Gewerkschafter_innen aber die allzu große Nähe der ILO-Programme zu gewerkschaftsfeindlichen Unternehmen.

Anlässlich einer Feierstunde am 12. März 2019 in Berlin diskutierte die Gewerkschaftsjugend u.a. mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und dem DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann auch solche Fragen.


www.ilo.org

(aus der Soli aktuell 4/2019, Autorin: Soli aktuell)