Deutscher Gewerkschaftsbund

Der DGB-Index Junge Beschäftigte 2019

Die neuen Arbeitsformen bedeuten oft genug nur Arbeitsverdichtung. Die Sonderauswertung Junge Beschäftigte zum DGB-Index Gute Arbeit.

Nicht nur gute Nachrichten: der 7. Index Junge Beschäftigte der DGB-Jugend

Wie nehmen junge Menschen die Veränderungen im Zuge der Digitalisierung bisher wahr? Führt der digitale Wandel, wie von vielen Arbeitgebern versprochen, zu einer Verbesserung der Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben? Oder sind junge Beschäftigte durch die Digitalisierung mehr Stress ausgesetzt? Welche Belastungen erfahren junge Menschen besonders häufig und welche Erwartungen haben sie an die Arbeitgeber? Diese und weitere Fragen beantwortet die 7. Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit im Auftrag der DGB-Jugend.

Wenn Arbeitgeber von der Digitalisierung der Arbeitswelt sprechen, meinen sie meist eine Entgrenzung der Arbeitszeiten und die ständige Verfügbarkeit von Mitarbeiter_innen. Für die Beschäftigten bedeutet dies aber Stress: Psychische Belastungen, fehlende Erholungszeiträume und eine Erhöhung des Anforderungsprofils vieler Berufe sind das Resultat einer solchen Flexibilisierung. Aufgrund dieser Risiken und Herausforderungen ist es nötig, dass der digitale Wandel durch die Gewerkschaften und Gewerkschaftsjugend besonders begleitet und kritisch mitgestaltet wird.

Bei allen Herausforderungen kann die Digitalisierung auch Vorteile für Beschäftigte bringen: Eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Privat- und Arbeitsleben durch eine größere Souveränität über die Arbeitszeit oder die Vermeidung von anstrengenden, gefährlichen und monotonen Aufgaben mittels Robotern sowie eine Verkürzung der generellen Arbeitszeit.

Die Studie der DGB-Jugend macht deutlich, dass die bisherigen Erfahrungen mit der Digitalisierung für junge Menschen eher negativ sind. Denn aktuell bedeutet die Digitalisierung vor allem eine Verdichtung der Arbeitszeit. Fast die Hälfte der jungen Beschäftigten (45 Prozent) gibt an, dass die Digitalisierung zu einer Erhöhung der Arbeitsmenge geführt hat. Über drei Viertel der Befragten (76 Prozent) fühlen sich dabei der Technik ausgeliefert: Die Software gibt den Takt vor, nach dem gearbeitet werden muss. Von selbstbestimmten Arbeitszeiten durch die Digitalisierung ist bisher in der Realität nichts zu sehen.

Eine von Arbeitgebern ebenfalls oft beschworene Verbesserung im Zusammenspiel von Privat- und Berufsleben können die meisten jungen Beschäftigten ebenfalls nicht erkennen: Von den in hohem und sehr hohem Maß von Digitalisierung betroffenen Beschäftigten sehen 66 Prozent keine Verbesserung dieser Vereinbarkeit, zwölf Prozent nehmen sogar eine Verschlechterung wahr. Von den Vorteilen profitieren bisher also vor allem die Arbeitgeber.

"Es ist Zeit, dass junge Beschäftigte von den Veränderungen der Arbeitswelt profitieren und vor den Risiken geschützt werden."
Manuela Conte

Ein zu geringes Einkommen, Sorgen um die spätere Rente und Vorsorge sowie mangelnde Arbeitsplatzsicherheit bedrücken mehr als die Hälfte der Befragten. Die Zukunftsängste von jungen Arbeitnehmer_innen lassen sich dabei auch auf ihre Beschäftigungsverhältnisse zurückführen. Auch weiterhin sind sie im Vergleich zu älteren Beschäftigten besonders häufig von atypischer Beschäftigung betroffen – fast die Hälfte der unter 25-Jährigen (48 Prozent) befindet sich in nicht-regulären Beschäftigungsverhältnissen. Leider besteht auch hier weiterhin dringender Handlungsbedarf.

Erfreulich ist, dass sich die Bewertung der Arbeitsqualität in den vergangenen Jahren insgesamt ein wenig verbessert hat. Dies ist auch auf die erfolgreiche Tarifpolitik der Gewerkschaften und Maßnahmen wie die Einführung des Mindestlohns zurückzuführen. DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte: "Der digitale Wandel bietet gute Chancen für eine generelle Verbesserung der Arbeitsqualität vieler Menschen. Hierfür braucht es aber eine Mitgestaltung und Mitbestimmung durch die betriebliche Interessenvertretung und Gewerkschaften und klare Regelungen durch den Gesetzgeber. Es ist Zeit, dass junge Beschäftigte von den Veränderungen der Arbeitswelt profitieren und vor den Risiken geschützt werden."


(aus der Soli aktuell 4/2019, Autorin: Soli aktuell)

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DGB-Jugend: Das muss sich schleunigst ändern
Wie steht es mit dem Klima am Arbeitsplatz unter den Vorzeichen der Digitalisierung? Der DGB-Report "Arbeitsqualität aus der Sicht von jungen Beschäftigten" verzeichnet die wichtigsten Probleme: Planung und Absicherung für die Zukunft sind mit Befristung und Zeitarbeit nicht möglich. Vor allem junge Menschen sind von atypischen Beschäftigungsverhältnissen betroffen. Sie tragen zu erheblicher Belastung bei und sind eine der Hauptursachen für eine pessimistische Zukunftserwartung.

Die Gewerkschaftsjugend fordert deshalb eine Eindämmung dieser Zustände: Als Sofortmaßnahme müssen sachgrundlose Befristungen und Kettenbefristungen abgeschafft werden. Langfristig müssen Arbeitsmodelle wie die Leiharbeit überwunden werden, bis dahin sollen Leiharbeitnehmer_innen nicht nur die gleiche Entlohnung und Rechte wie regulär Beschäftigte erhalten, sondern zusätzlich Flexibilitätszuschläge.

Die soziale Absicherung muss ein gutes Leben gewährleisten. Deshalb fordert die Gewerkschaftsjugend die volle Sozialversicherungspflicht auch für geringfügig Beschäftigte und eine Abschaffung der Ausnahmen beim gesetzlichen Mindestlohn.

Die Gewerkschaftsjugend verlangt eine stärkere Beteiligung der Arbeitgeber an den Kosten der sozialen Sicherung. Diese Forderung findet auch eine breite Unterstützung bei den befragten Beschäftigten: 57 Prozent wünschen sich eine finanzielle Hilfe durch den Arbeitgeber bei der Pflege von Angehörigen.

Die Hauptforderungen der DGB-Jugend:

  • Abschaffung der sachgrundlosen Befristung und Kettenbefristung
  • Leiharbeit erst einschränken, dann überwinden
  • Volle Sozialversicherungspflicht auch bei geringfügiger Beschäftigung
  • Keine Ausnahmen vom Mindestlohn
  • Stärkere Beteiligung der Arbeitgeber bei der sozialen Sicherung
  • Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit aufgrund der Mehrbelastung durch Arbeit
  • Frühzeitige Beteiligung der Beschäftigten bei Digitalisierungsprozessen
  • Ausweitung der Mitbestimmung der betrieblichen Interessenvertretungen auf alle Bereiche der Gestaltung des digitalen Wandels.

Der Index 2019 zum Download

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