Deutscher Gewerkschaftsbund

"Of Fathers and Sons": Mehr Courage im Umgang mit Jugendlichen gefragt

Regisseur Talal Derki hat den Jugendlichen Osama zwei Jahre mit der Kamera bei der Ausbildung in der syrischen al-Nusra-Front begleitet. Soli aktuell fragte nach seinen Erfahrungen.

Junge sitzt an Wand gelehnt

© Baslis Berlin

Gefangen im Krieg: Kinder in Syrien

Was war ihre Motivation, einen Film über junge Menschen im Krieg zu machen?
Ich wollte das Leben von Kindern einfangen, die einen radikal-islamischen Vater haben, und zeigen, wie diese Ideen von Generation zu Generation weitergegeben werden. Nachdem ich diesen Film gemacht habe, verstehe ich besser, wie Kinder und Jugendliche lernen; wie wichtig es ist, dass sie in einer friedlichen Umgebung aufwachsen und wie selbst einfache Dinge ihren Charakter beeinflussen können.

Welche Chancen haben junge Menschen in einem Konflikt wie dem in Syrien? Osama hat jedenfalls wenig Lust aufs Militär…Osama hat uns ermöglicht, die komplexe Tragödie in Syrien zu verstehen. Er ist sehr sensibel und ein echter Rebell. Wäre er in einer anderen Familie groß geworden, wäre er ein Künstler geworden. Da bin ich mir sicher.

Talal Derki ist Kameramann und Regisseur. Der Syrer lebt seit vier Jahren in Berlin. Sein Film "Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats" läuft ab 21. März 2019 in den Kinos.

Welches Fazit ziehen Sie aus Ihrer Arbeit?
Wenn die Gesellschaft mehr Courage hätte, wenn es keine Gewalt gegen Frauen und Kinder gäbe, wenn Frauen gleiche Rechte hätten, wenn es ein Gesetz gäbe, das vorschreibt, dass Kinder in die Schule gehen müssen – dann würden es die Dschihadisten nicht schaffen, so viel Macht zu gewinnen. Ungerechtigkeit und Mangel an Bildung sind die Basis für den ideologischen Fanatismus.

Was wünschen Sie sich für Ihren Film?
Er soll das Gespür für die Rechte von Kindern und Jugendlichen in muslimischen Ländern schärfen. Wenn ein Lehrer Kinder schlägt, soll er dafür vor Gericht kommen. Ich will, dass der Kreis der Gewalt durchbrochen wird. Denn wenn du mit Gewalt aufwächst, bist du bereit, sie weiterzugeben.

(aus der Soli aktuell 3/2019, Autorin: Soli aktuell)