Deutscher Gewerkschaftsbund

Jugend gestaltet den Wandel beim IG Metall-Gewerkschaftstag

Im Oktober 2019 trafen sich die Delegierten der IG Metall zum Gewerkschaftstag. Robin Grunenberg über die Erfolge der IG Metall Jugend und wie die Transformation die Gewerkschaftsarbeit beeinflusst.

© Thomas Range

Robin Grunenberg ist Betriebsrat von Demag Cranes und Components in Wetter/NRW und bei der IG Metall Jugend aktiv.

Hallo Robin, wie viele junge Delegierte wart ihr auf dem Gewerkschaftstag der IG Metall?
Das müssten so rund 50 junge Delegierte gewesen sein aus allen Bezirken, sowohl ordentlich über die Geschäftsstelle als auch mit Gastmandaten.

Da hattet ihr sicher eine Menge Anträge. Welches waren eure wichtigsten?
Es gab 28 Anträge, die die Jugend und unsere Themen direkt betroffen haben. Davon wurden sechs Anträge vom Jugendausschuss gestellt. Die wichtigsten Themen für uns waren dabei der Leitantrag Junge IG Metall, die Intensivierung der Erinnerungs- und Gedenkarbeit, die Aufnahme dual Studierender in den Geltungsbereich unserer Tarifverträge, die Verbesserung des Tarifvertrags zur Qualifizierung, die Förderung ehrenamtlichen Engagements und die Reformierung der Handwerksordnung.

Wurden sie vom Plenum angenommen?
Ja! Unsere Anträge wurden zunächst in unserem Sinne von der Antragsberatungskommission empfohlen – und diesen Empfehlungen ist das Plenum auch gefolgt. Dementsprechend konnten wir unsere Themen gut platzieren und haben mit diversen Redebeiträgen unseren Standpunkt noch untermauert. Das kam super an!

Gab es auch Widerstände?
Direkten oder vehementen Widerspruch gab es nicht. Wir sind in unserer Jugendvorbesprechung zum Gewerkschaftstag die für uns relevanten Anträge nochmal durchgegangen und haben im Vorfeld das Gespräch mit den Antragstellern gesucht, wenn es Differenzen gab. Ich glaube aber, das war nur in ein, zwei Fällen notwendig und wir konnten alles in unserem Sinne regeln.

Ihr hattet auch eine Jugendaktion, welchen Inhalt hatte sie und wie kam sie an?
Die Jugendaktion war super! Wir hatten eine Lasershow vorbereitet, in der Bereiche unserer Industrie dargestellt wurden. Das Ganze wurde im Plenum über die gesamte Bühne projiziert und entsprechend mit Nebel und Musik untermalt. Inhaltlich ging es um die Transformation und den Wandel, den wir gerade durchleben, gemeinsam als Jugend mit der gesamten Organisation und unseren Industrien.

Der Klimawandel spielte als Thema eine große Rolle. Die Industrie befindet sich im Umbau, weg von fossilen Brennstoffen hin zu regenerativer Energie. Wie steht die IG Metall Jugend zum Thema Transformation? Ihr hattet Schilder mit dem Satz: "Wir sind der Wandel, auf den wir gewartet haben." Was stellt ihr euch darunter vor?
Wir als IG Metall Jugend wollen die Transformation und den Wandel mitgestalten. Unserer Meinung nach muss dieser Wandel ökologisch, sozial und demokratisch stattfinden. Das heißt: gemeinsam mit den Menschen und nicht getrieben von Profiten. Denn nur wenn wir unsere Kolleg_innen mitnehmen und einbinden – mit all ihren Erfahrungen – und somit Ängste abbauen, kann der Wandel erfolgreich durchgezogen werden. Die Expert_innen befinden sich schließlich in den Betrieben. Sie und wir sind diejenigen, die tagtäglich dafür sorgen, dass die Betriebe am Laufen gehalten werden, mit viel Einsatz und innovativen Ideen, die wahrgenommen werden müssen.

Und genau dafür steht auch der Satz "Wir sind der Wandel, auf den wir gewartet haben": Der Erfolg der Transformation unserer Arbeitswelt liegt in unseren Händen und dafür setzen wir uns ein.

© Christian Polentz

"Unglaubliche Erfahrung": die IG Metall Jugend auf dem Gewerkschaftstag.

Wie sieht die IG Metall Jugend das: Wurden entscheidende Trends von der deutschen Industrie verschlafen?
Der Transformationsatlas der IG Metall zeigt, dass viele Betriebe immer noch unzureichend auf die Herausforderungen der Transformation vorbereitet sind. Gerade hinsichtlich Personalplanung und Qualifizierungsmöglichkeiten für Beschäftigte müssen die Unternehmen endlich ihre Hausaufgaben machen.

Stichwort Ängste um die Arbeit bei euren Mitgliedern: Gibt es zum Thema Transformation große Differenzen zwischen älteren und jüngeren IG Metall-Mitgliedern?
Diese Ängste gibt es definitiv, und dabei ist es egal, ob es jüngere oder ältere Kolleg_innen sind. Am Ende betrifft uns die Transformation schließlich alle. Wichtig ist nur, dass wir zusammenstehen und uns von den Ängsten nicht lähmen lassen. Denn die Transformation ist nicht nur von Risiken geprägt, sondern bringt auch viele Chancen mit. Genau diese Chancen müssen wir ergreifen, um die Ängste abzubauen. Und am Ende für uns alle, egal ob alt oder jung, unsere Zukunft in der Arbeitswelt zu sichern.

Was glaubst du: Wo wird die Metall- und Elektroindustrie in vier Jahren bei eurem nächsten Gewerkschaftstag stehen?
Ich glaube, wenn wir es richtig angehen, können wir in den nächsten vier Jahren viel bewegen. Die Industrie wird sich stark verändern – durch neue Technologien und neue, andere Wege. Aber im besten Fall mit denselben Menschen wie heute. Es wird sicher nicht leicht werden, aber ich bin sicher, als starke Gemeinschaft bekommen wir das hin.

Was hast du mitgenommen vom Gewerkschaftstag?
Der war für mich eine unglaubliche Erfahrung und ich war wirklich froh, das erleben zu dürfen. Ich konnte die IG Metall als starke Gewerkschaft erleben, die sich sicherlich nicht immer einig ist, aber am Ende zusammensteht – und sich für ein gutes Leben und gute Arbeit einsetzt!

Die Gewerkschaft IG Metall
Im Oktober 2019 fand der Gewerkschaftstag der IG Metall in Nürnberg statt. Die 500 Delegierten repräsentierten insgesamt 2,3 Millionen Mitglieder. Rund 800 Anträge wurden beraten. Im Mittelpunkt stand das Thema Transformation angesichts der Digitalisierung und der ökologischen Herausforderungen durch den Klimawandel. Hier geht es zur Kongress-Homepage.


(aus der Soli aktuell 12/2019, Autorin: Soli aktuell)