Deutscher Gewerkschaftsbund

Soziale Unterschiede

Die 18. Shell-Jugendstudie: Die Generation der 15- bis 25-Jährigen und ihre Einstellungen.

© Shell

Hier geht's zur Website der Studie.

Jugend 2019 – das ist eine trotz gesellschaftlicher Umbrüche optimistische Generation. Das Vertrauen in die persönliche und gesellschaftliche Zukunft ist da. Auch wenn Klimawandel und Umweltverschmutzung als gesellschaftsbezogene Ängste vorne liegen, ist das Vertrauen in die Politik ungebrochen. Toleranz ist ein Markenzeichen der Jugend und die Akzeptanz verschiedener gesellschaftlicher Gruppen ist sehr hoch. So lassen sich die zentralen Resultate der neuesten Shell-Jugendstudie zusammenfassen, die im Oktober 2019 in Berlin vorgestellt wurde. 2.572 Jugendliche im Alter von 12 bis 25 Jahren wurden befragt, mit 20 von ihnen auch mehrstündige Interviews geführt.

"Das Thema der Jugend 2019 ist eine bunte, weltoffene und solidarische Gemeinschaft", sagt DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte. "Die Jugendlichen leben Demokratie. Sie sind vernetzt, international und selbstbewusst. Das ist ein Engagement, das von der Politik gefördert werden muss."

77 Prozent der Befragten geben an, mit der Demokratie zufrieden zu sein, eine erhebliche Steigerung zu 2006 (59 Prozent). Kommunikationsmittel Nummer 1 ist das Internet, sozusagen der "Dorfplatz des 21. Jahrhunderts". Es wird von 96 Prozent der Jugendlichen genutzt. Digital ist aber beileibe nicht alles: Bei der Ansprache zum Thema Arbeit und Beruf etwa bleibt der persönliche Kontakt in den Betrieben die Grundlage.

Insgesamt bezeichnen sich 41 Prozent der Jugendlichen als politisch interessiert. 2019 liegt der Anteil der Jugendlichen, die es wichtig finden, sich persönlich zu engagieren, bei 34 Prozent (2010: 23 Prozent).

Im Gesamtergebnis: Junge Menschen bringen ihre Interessen, Ansprüche und Erwartungen zum Ausdruck gegenüber Politik, Gesellschaft und auch (zukünftigen) Arbeitgebern. Eine leidliche Konstante über Jahre hinweg ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Perspektive. Der Trend zu höheren Bildungsabschlüssen hält an, doch bei Jugendlichen aus bildungsfernen Elternhäusern ist es nur halb so wahrscheinlich, dass sie das Abitur erreichen wie bei Jugendlichen aus gebildeten Elternhäusern. Aufs Gymnasium gehen 13 Prozent der unteren Schicht, aber 71 Prozent der oberen. Nach wie vor wird Bildung "vererbt".

Die Wirkung unterschiedlicher sozialer Herkunft zeigt sich oft in der Studie: "Auch wenn es im Vergleich zum Jahr 2002 (41 Prozent) heute (47 Prozent) mehr Jugendliche aufs Gymnasium schaffen, kommt dieser Anstieg nicht durch eine überproportionale Öffnung für junge Menschen aus unteren sozialen Schichten zustande", heißt es zum Thema Bildung.

"Der Unterschied zwischen den Jugendlichen heute läuft entlang der Frage, wer Zugang zu Ressourcen hat und wer nicht. Bildung und die Chance auf ein gutes Leben, dürfen aber nicht länger vom Elternhaus abhängen", sagt Conte.


Mathias Albert, Klaus Hurrelmann u. a.: 18. Shell-Jugendstudie 2019, Beltz-Verlag, Weinheim 2019, 384 S., 24,95 Euro


(aus der Soli aktuell 12/2019, Autorin: Soli aktuell)