Deutscher Gewerkschaftsbund

Die Mindestausbildungsvergütung stabilisiert Tarife, sagt die HBS

Vergütungen schwanken nach Branche und Region – mit Tarif gibt es auf jeden Fall mehr. Aber vor allem zahlen die nicht-tarifgebundenen Unternehmen zu wenig.

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Große Bandbreite
Die in Tarifverträgen vereinbarten Ausbildungsvergütungen unterscheiden sich je nach Branche und Ausbildungsjahr sehr stark. Die Spannbreite reicht von 325 Euro im Friseurhandwerk in Brandenburg im ersten Ausbildungsjahr bis zu 1.580 Euro im westdeutschen Bauhauptgewerbe im vierten Ausbildungsjahr. Zudem gibt es in vielen Branchen auch eine erhebliche regionale Differenzierung. Dies geht aus einer aktuellen Auswertung von 20 ausgewählten Tarifbranchen durch das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hervor.

"In der großen Mehrzahl der Tarifbranchen liegen die Vergütungen für Auszubildende bereits heute deutlich oberhalb der geplanten Mindestausbildungsvergütung (MiAV), die nach dem Willen der Bundesregierung ab 2020 bei 515 Euro liegen soll", sagt der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Thorsten Schulten. "Das Problem sind jedoch viele nicht-tarifgebundene Unternehmen, die mitunter ihre Auszubildenden immer noch deutlich schlechter bezahlen." Die Einführung einer Mindestausbildungsvergütung sei deshalb nicht zuletzt auch für die Stabilisierung des Tarifvertragssystems wichtig. "Hierzu hätte sie durchaus auch noch etwas höher ausfallen können, ohne die Tarifverträge in der Breite zu tangieren", sagt Schulten.

Branchen
Für das erste Ausbildungsjahr lassen sich vier Gruppen unterscheiden: Die höchsten Ausbildungsvergütungen zwischen 900 und knapp über 1.000 Euro finden sich im Bank- und Versicherungsgewerbe, im öffentlichen Dienst, in der chemischen Industrie, in der Druckindustrie, bei der Deutschen Bahn AG und in der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg.

Eine zweite Gruppe mit Vergütungen zwischen 700 und 900 Euro umfasst Branchen wie die ostdeutsche Textilindustrie, das Bauhauptgewerbe, den Einzelhandel, die Textilindustrie und das KFZ-Handwerk.

In der dritten Gruppe zwischen 600 und 700 Euro finden sich vor allem ostdeutsche Tarifbereiche wie das Kfz-Gewerbe und die Landwirtschaft.

Schließlich gibt es eine kleine vierte Gruppe mit Ausbildungsvergütungen von unter 600 Euro. Hierzu gehören das Bäcker- und Friseurhandwerk sowie die Floristik in Ostdeutschland. Das Schlusslicht in den hier untersuchten Branchen bildet mit einer Vergütung von 325 Euro das Friseurhandwerk in Brandenburg.

Bundesweit zu wenig
Ähnliche Unterschiede zeigen sich in den weiteren Ausbildungsjahren. Im dritten Ausbildungsjahr variieren die Vergütungen zwischen 1.475 Euro im westdeutschen Bauhauptgewerbe und 470 Euro im Friseurhandwerk in Brandenburg. Bundeseinheitliche Tarifregelungen zu den Vergütungen gibt es nur in wenigen Branchen, wie z. B. bei Banken und Versicherungen, dem öffentlichen Dienst, der Druckindustrie, der Deutschen Bahn AG oder dem Bäckerhandwerk. Alle anderen Tarifbereiche weisen zum Teil beträchtliche regionale Unterschiede auf, wobei neben einem West-Ost- mitunter auch ein Süd-Nord-Gefälle zu beobachten ist.

Die DGB-Jugend fordert im Rahmen ihrer Kampagne zur Novellierung des Berufsbildungsgesetzes eine Mindestausbildungsvergütung, die sich am Durchschnitt der tariflichen Ausbildungsvergütungen orientiert, als untere Haltelinie.


Weitere Infos: boeckler.de/14_121078.htm

(aus der Soli aktuell 11/2019, Autorin: Soli aktuell)