Deutscher Gewerkschaftsbund

Schlechte Netzabdeckung: Die Ergebnisse des DGB-Ausbildungsreports 2019

Der 14. Ausbildungsreport der DGB-Jugend richtet den Blick auf die Digitalisierung. Viele Auszubildende fühlen sich nicht gut vorbereitet.

© DGB-Jugend

Ingo berichtet im "Dr. Azubi"-Forum der DGB-Jugend aus der Berufsschule: "Heute hat der Lehrer gesagt, ich muss mein Handy im Sekretariat abgeben. In der Schule sei das Gerät verboten. Darf der das?"

Auch Silvia hat Informationsbedarf in Sachen Digitalisierung: "Ich bin zur Zeit im ersten Ausbildungsjahr zur Elektronikerin in einer Firma mit 500 Mitarbeitern und 50 Azubis. Ich muss ständig erreichbar sein. Alle anderen haben ein Diensthandy, nur mein Antrag wurde abgelehnt. Ich muss ständig mit meinem privaten Handy telefonieren. Was ist, wenn es während der Arbeit auf der Baustelle kaputt geht?"

Deutschland und digitale Ausbildung? Datenschutz? Da häufen sich die technischen Störungen – oops, ein Fehler ist aufgetreten!

Ingo und Silvia könnten sich gut im aktuellen Ausbildungsreport wiederfinden. Sage und schreibe 16.181 Auszubildende aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen im dualen System haben an der Befragung teilgenommen. Sie wurden im letzten Jahr während der Berufsschultour der DGB-Jugend auch zur Digitalisierung in der Ausbildung befragt. Denn neben den vielen Bereichen wie Überstunden, Zufriedenheit und Ausbildungsqualität bildete diesmal die "Ausbildung 4.0" das Schwerpunktthema.

Das Ergebnis: Digitale Kommunikation per Smartphone oder Laptop sind längst fester Bestandteil des Alltags. Nur in der Ausbildung nicht: Gerade einmal 54 Prozent der Jugendlichen sehen sich während ihrer Ausbildung gezielt darauf vorbereitet, digitale Technologien auch zu nutzen.

"Diese Zahlen machen uns Sorge", sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. "Berufsschulen und Betriebe müssen gleichermaßen besser werden. Die Mittel aus dem Digital-Pakt von Bund und Ländern müssen auch an den beruflichen Schulen ankommen."

Bisher tut sich da aber wenig: Gerade mal 34,9 Prozent der Auszubildenden beurteilen die digitale Ausstattung ihrer Berufsschule als "sehr gut" oder "gut". Und 32,7 Prozent sehen sich durch den Berufsschulunterricht nur "ausreichend" oder "mangelhaft" auf den Umgang mit digitalen Medien und Technologien gerüstet.

Insgesamt hängt die Ausbildungsqualität weiter stark ab von Branche und Größe des Ausbildungsbetriebs. Die besten Bewertungen unter den Ausbildungsberufen vergaben in diesem Jahr die Industriemechaniker_innen. Es folgen die Verwaltungsfachangestellten und Industriekaufleute. Am unteren Ende der Skala finden sich, wie in den letzten Jahren, Berufe aus dem Handwerk und aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe: Lebensmittel-Fachverkäufer_innen, Hotelfachleute und Friseur_innen.

Was besonders auffällt an den diesjährigen Zahlen: Die Zufriedenheit der Auszubildenden liegt erstmals unter 70 Prozent. Insgesamt waren nur 69,9 Prozent der befragten Auszubildenden mit ihrer Ausbildung "sehr zufrieden" oder "zufrieden" (2009: 75,5 Prozent).

"Überstunden, Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz und das Berufsbildungsgesetz sind nicht selten", sagt DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte. Dazu kommen eine nicht ausreichende Betreuung durch Ausbilderin und Ausbilder, ausbildungsfremde Tätigkeiten und Berufsschulzeiten, die im Betrieb nachgeholt werden müssen. Die Mängelliste ist lang. Conte: "Das entspricht nicht unseren Vorstellungen von einer Ausbildung 4.0."

Die DGB-Jugend setzt sich mit ihren Forderungen für eine moderne Ausbildung ein – damit Ingo und Silvia in der Gegenwart eine Perspektive für die Zukunft bekommen.


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Ausbildungsreport 2019: Wichtige Ergebnisse

  • Zukunft: Nur die Hälfte (54,1 Prozent) der befragten Auszubildenden werden gezielt für die Nutzung digitaler Technologien qualifiziert.
  • Berufsschulen: Nur 34,9 Prozent der Auszubildenden beurteilen die digitale Ausstattung ihrer Berufsschule als "sehr gut" oder "gut". 32,7 Prozent sehen sich durch den Berufsschulunterricht nur "ausreichend" oder "mangelhaft" für den Umgang mit digitalen Medien und Technologien gerüstet.
  • Arbeitsmittel: Nur 22,6 Prozent der Auszubildenden nutzen ausbildungsbezogene Apps, z. B. für digitales Lernen, Zeiterfassung oder Ausbildungsnachweis. Nur 26,4 Prozent der Befragten bekommen mobile Endgeräte (Smartphone, Tablet, Laptop etc.) vom Ausbildungsbetrieb.
  • Datenschutz: 17 Prozent der Auszubildenden haben keine Infos zum digitalen Datenschutz.

Digitalisierung der Ausbildung: Wir brauchen Modernisierung
Die DGB-Jugend fordert:

  • Ausbildungsinhalte müssen schnellstens modernisiert werden. Daten- und Medienkompetenz müssen fester Bestandteil jeder Ausbildung werden.
  • Die digitale Umgestaltung von Berufen muss gewerkschaftlich mitbestimmt sein und sich an den Interessen der jungen Beschäftigten orientieren.
  • Die Gleichwertigkeit der beiden Lernorte – Berufsschule und Ausbildungsbetrieb – muss auch vor dem Hintergrund der Digitalisierung erhalten bleiben. Hierzu bedarf es massiver Investitionen in die
  • Ausstattung und ausreichend Fachpersonal, um dort neue Ausbildungsinhalte abbilden zu können. Der "Digitalpakt Schule" der Bundesregierung muss deshalb konsequent für den digitalen Ausbau an beruflichen Schulen eingesetzt werden und auch für Personalstellen und Maßnahmen der Weiterqualifizierung offen sein.
  • Alle Kosten, die im Rahmen der Berufsausbildung entstehen – etwa für mobile Endgeräte –, sind vom Ausbildungsbetrieb zu tragen. Auch Ausbildung 4.0 muss kostenfrei sein.
  • Digitales Lernen ist Ausbildungszeit. Alle Maßnahmen im Bereich des E-Learning müssen in der Ausbildungs- und Arbeitszeit stattfinden bzw. auf diese angerechnet werden.
  • Das Berufsbildungsgesetz muss modernisiert werden, um Ausbildung fit für die Zukunft zu machen.