Deutscher Gewerkschaftsbund

Das Fest der Freude: Du und das Weihnachtsgeschäft

Oder auch nicht: Das Weihnachtsgeschäft bedeutet oft Stress – "besinnliche Zeit" sieht anders aus. Und "Jingle Bells" kannst du schon mal gar nicht mehr hören. Kein Wunder, dass sich die Fragen im "Dr. Azubi"-Forum rund um das Thema Weihnachten häufen…

DGB-Jugend-Logo mit Weihnachtsmütze

© DGB-Jugend/Schrenkwerk

Ronald, 19 Jahre, im 1. Ausbildungsjahr zum Industriekaufmann, schreibt: "In meiner Schulklasse bekommen einige Azubis Weihnachtsgeld. Habe ich auch ein Recht darauf?"
"Dr. Azubi" antwortet:
Zum Thema Weihnachtsgeld wirst du vergeblich in Gesetzestexten blättern. Es gibt dazu kein Gesetz und somit auch keinen gesetzlichen Anspruch. Diese Sonderzahlung zum Ende des Jahres leitet sich meistens aus tarifvertraglichen Regelungen oder Betriebsvereinbarungen ab. Wenn dein Betrieb tarifgebunden ist, dann ist der gültige Tarifvertrag das richtige Nachschlagwerk für dich.

Ein Anspruch auf Weihnachtsgeld kann sich aber auch aus einem individuellen Arbeitsvertrag ableiten: Wenn dein Arbeitgeber drei Jahre Weihnachtsgeld hintereinander in gleicher Höhe gezahlt hat, dann ist ein Anspruch aufgrund einer sogenannten betrieblichen Übung entstanden. Daraus lässt sich ein sogenanntes Gewohnheitsrecht ableiten und dein Arbeitgeber muss diese Zahlung auch in Zukunft leisten.

Von dieser Pflicht kann er sich aber befreien, wenn er schriftlich darauf hinweist, dass es sich um eine freiwillige Zahlung handelt.

Gut zu wissen: Meist wird das Weihnachtsgeld mit dem Novembergehalt ausbezahlt.
Achtung: Gewerkschaft lohnt sich! Fast 80 Prozent der Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben erhalten eine Sonderzahlung vom Arbeitgeber. In Betrieben und Branchen ohne Tarifvertrag sind es nur knapp über 40 Prozent.

Melina, 17 Jahre, im 1. Ausbildungsjahr zur Restaurantfachfrau: "Ich bin in der Gastronomie tätig. Mein Betrieb verlangt von mir, dass ich am 24. Dezember und am 1. Januar arbeite. Darf er das?"
"Dr. Azubi" antwortet:
Nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) dürfen Minderjährige an Sonn- und Feiertagen nicht beschäftigt werden.

Hinweis: In der Gastronomie sowie in der Landwirtschaft gibt es Ausnahmen von diesem Arbeitsverbot.

Wirst du an einem Feiertag beschäftigt, der auf einen Werktag fällt, muss dir in derselben oder der folgenden Woche ein Ersatzruhetag gewährt werden. Laut JArbSchG darfst du an Weihnachten und Silvester nur bis 14 Uhr beschäftigt werden. Am 25. Dezember, am 1. Januar, am ersten Osterfeiertag und am 1. Mai gilt ein absolutes Beschäftigungsverbot – und Jugendliche dürfen unter keinen Umständen beschäftigt werden!

Hassan, 19 Jahre, im 2. Ausbildungsjahr zum Friseur: "Mein Urlaub an Weihnachten wird aufgrund von Personalmangel und Hochzeiten im Geschäft nicht genehmigt. Ist das in Ordnung?"
"Dr. Azubi" antwortet:
Es gilt der Grundsatz: Urlaub soll der Erholung dienen. Daher hast du als Auszubildender einen Anspruch darauf, deinen Jahresurlaub im laufenden Kalenderjahr zu nehmen. Zwei Wochen deines Jahresurlaubs darfst du dir am Stück – in der berufsschulfreien Zeit – nehmen. Zudem sollte dein Urlaub zusammenhängend gewährt werden. Er darf nur aufgeteilt werden, wenn du das wünschst oder wenn dringende betriebliche Gründe dafürsprechen. Und eine Übertragung deines Urlaubs in das nächste Jahr ist nur aus wichtigen Gründen möglich.

Probleme mit dem Zeitpunkt des Urlaubs, wie bei dir, gibt es leider häufiger. Das Bundesurlaubsgesetz besagt, dass du dich mit deinem Ausbildungsbetrieb über den Urlaubszeitpunkt einigen musst. Das heißt in der Praxis: Du stellst einen Urlaubsantrag und dein Betrieb darf dir den Urlaub nur verweigern, wenn wichtige soziale – zum Beispiel Vorrang von Mitarbeiter_innen mit Kindern – oder betriebliche Gründe, etwa feststehender Betriebsurlaub, dagegensprechen.

Julia Kanzog

Azubi-Ratgeberin Julia Kanzog

Personalmangel ist nur in Ausnahmefällen als Begründung rechtens, denn der reibungslose Ablauf sollte nicht davon abhängen, ob du als Auszubildende da bist oder nicht.

Ob dein Urlaub genehmigt werden muss, hängt also davon ab, ob du dir dieses Jahr schon zwei Wochen Urlaub am Stück nehmen konntest und es wichtige soziale oder betriebliche Gründe gibt, die dagegen sprechen.

Du solltest auf jeden Fall einen Urlaubsantrag zu stellen. Dein Betrieb muss dann innerhalb von einem Monat reagieren. Tut er dies nicht, kannst du deinen Urlaub als genehmigt sehen. Wende dich in diesem Fall an deine Gewerkschaft, um auf Nummer sicher zu gehen.

Kai, 20 Jahre, im 3. Ausbildungsjahr als Bodenleger: "Von mir wird erwartet, dass ich Überstunden reinarbeite, für den Geschäftsurlaub zu Weihnachten. So entstehen immer wieder Minusstunden. Alle aus meiner Klasse schütteln darüber nur den Kopf. Kann ich mich dagegen wehren? Muss ich damit rechnen, etwaige Minusstunden zurückzuzahlen?"
"Dr. Azubi" antwortet:
Wenn es in deinem Betrieb einen feststehenden Betriebsurlaub gibt, dann gilt er auch für dich. In dieser Zeit gibt es ja keine Möglichkeit, dich auszubilden. Du musst dir in diesem Zeitraum auch Urlaub nehmen.

Wenn dein Jahresurlaub aber schon aufgebraucht ist, kann dein Betrieb dich nicht dazu verpflichten, Überstunden zu machen (diese sind immer freiwillig). Und eine Berechnung von Minusstunden ist in der Regel nicht rechtens, denn die Ausbildungsvergütung muss weitergezahlt werden, wenn die Ausbildung aus Gründen, für die du nichts kannst, ausfällt, obwohl du bereitstehen würdest (§ 19 Berufsbildungsgesetz).

Alle: Und wenn ihr "Jingle Bells" als Auszubildende im Einzelhandel nicht mehr hören könnt, gibt es gute Nachrichten für euch: Das Bundesministerium für Arbeit schreibt für die Arbeitsstätten Maßnahmen vor, um zum Beispiel gestresste Verkäufer_innen vor lauter Dauerbeschallung gerade und auch im Weihnachtsgeschäft zu schützen. So darf der Lärm in den Einzelhandelsgeschäften 70 Dezibel (dbA) nicht überschreiten.

Wird Musik gespielt und gibt es Durchsagen, müssen bis zu sechs Dezibel abgezogen werden, sodass das Maximum bei 64 Dezibel liegt. Das ist etwa die Beschallung durch einen Fernseher in Zimmerlautstärke.

Die Gewerkschaft ver.di weist darauf hin, dass der Radau krank machen kann. "Stundenlange Dauerbeschallung mit zu lauter Weihnachtsmusik hat gesundheitliche Folgen, von Bluthochdruck über negativen Stress bis zur Erhöhung der Herzfrequenz. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nimmt dadurch um 20 Prozent zu", erklärt ver.di-Einzelhandelsexpertin Stefanie Nutzenberger.

Sie rät, die Arbeitgeber zur Einhaltung der Schutzverordnung aufzufordern. Damit man von Endlosschleifen mit "Jingle Bells", "O du fröhliche" oder auch "Last Christmas" keinen ernsten Dachschaden davonträgt!


(aus der Soli aktuell 11/2019, Autorin: Julia Kanzog)