Deutscher Gewerkschaftsbund

Ich mach, worauf ich Bock hab! Lenny Liebig zum Semesterstart

Gewerkschaft und Hochschule gehören auf jeden Fall zusammen. Lenny Liebig zum Semesterstart.

"Neues erleben und meine Stärken ausbauen...": Lenny Liebig (3. v. r.) und die junge GEW Münster

Für mich war eines ziemlich schnell klar: Ich möchte etwas Neues erleben und meine Stärken ausbauen. Also fing ich ein Lehramtsstudium in den Fächern Deutsch und Kunst in Münster an. Jetzt bin ich im neunten Semester, studiere zusätzlich Sozialwissenschaften und bereue meine Entscheidung nicht.

Studierende machen, worauf sie Lust haben? Nicht ganz! Selbstständig sein, Tun und lassen, worauf man Lust hat – so stellen sich viele ein Studi-Leben vor. In einigen Punkten kann ich dem Klischee zustimmen. Ich glaube, in keiner anderen Lebensphase werde ich meine Zeit so flexibel einteilen können wie jetzt.

Trotzdem stellen sich viele Herausforderungen, die gerade zu Beginn des Studiums überfordernd sein können. Etwa beim Wohnen: Der durchschnittliche Quadratmeterpreis in Münster liegt mit 11,14 Euro deutlich über dem Bundesdurchschnitt von knapp 9 Euro. Für ein kleines Zimmer im Studierendenwohnheim liegt man schnell bei 350 bis 400 Euro.

Dass viele Studierende deshalb Geldsorgen haben und jobben müssen, wundert mich nicht. Ich selbst würde lieber in Münster wohnen, kann die hohen Preise jedoch nicht bezahlen. Stattdessen lebe ich in der etwa 50 Kilometer entfernten Stadt Hamm zu einem deutlich günstigeren Preis.

Die Flexibilität, die man im Studium hat, kann auch eine Last sein. Viele Prüfungsordnungen schreiben eine hohe Dichte an Prüfungen vor – die Regelstudienzeit sorgt für zusätzlichen Stress. Glücklicherweise habe ich früh gelernt, meinen Alltag gut zu organisieren. Zahlreichen meiner Kommiliton_innen geht es jedoch anders. Gerade dann, wenn man wenig – finanzielle – Unterstützung erhält und auf sich allein gestellt ist, wird es schon mal eng.

Ein Studium besteht nicht nur aus Theorie. Projekte außerhalb des Studiums, Reisen oder politisches Engagement sind für mich auch wichtig.

Ein Studium besteht nicht nur aus Theorie. Projekte außerhalb des Studiums, Reisen oder politisches Engagement sind für mich auch wichtig. Ich brauche sie, weil sie auch für Spaß und Durchhaltevermögen sorgen. Zu Beginn meines Studiums wollte ich mir die neugegründete gewerkschaftliche Hochschulgruppe nur anschauen. Gewerkschaften und Uni – passt das zusammen? Schnell wurde mir klar: definitiv! Als Studentische Hilfskraft (SHK) an der Uni wurde ich von den gewerkschaftlichen SHK-Räten unterstützt. Neben dem fachlichen Austausch überzeugt mich jedoch am meisten die "familiäre" Situation. Schon damals war ich beeindruckt, wie groß der Zusammenhalt ist.

Kanada, Finnland, Schweden – Im Laufe meines Studiums durfte ich einige Auslandserfahrungen sammeln, die ich nicht missen möchte. Gleichzeitig habe ich hier, in Münster und NRW, viele Freund_innen, viele davon aus gewerkschaftlichen Strukturen.

Sich als junge GEW Münsterland zu treffen, gemeinsam auf Demos zu gehen und Aktionen zu machen, gehört zu meinem Leben dazu. Zusammen bewegen wir etwas! Nicht nur hochschulpolitisch, sondern auch über die Uni hinaus für junge Menschen generell: egal ob Azubi-Ticket, Aktionen gegen Studiengebühren oder "A13 für alle".

Anders als bei der Arbeit im Studierendenparlament oder im AStA kommen bei uns Neueinsteiger_innen und Aktive aus Hochschule, Schule und Betrieb gleichermaßen zusammen. Spaß, gute Ideen und nicht zu vergessen: Freundschaften sind so garantiert. Eine klare Bereicherung für meinen oftmals viel zu stressigen Studi-Alltag.


Lenny Liebig ist Mitarbeiter im Hochschulinformationsbüro an der Universität Münster.

(aus der Soli aktuell 11/2019, Autor: Lenny Liebig)