Deutscher Gewerkschaftsbund

Freie Tage in der Ausbildung

"Dr. Azubi" klärt auf, welche Rechte Auszubildende beim Urlaub haben.

Julia Kanzog

Azubi-Ratgeberin Julia Kanzog

Wie viel Urlaub steht mir zu?
Der gesetzliche Mindesturlaub bezieht sich auf Kalenderjahre und ist nach Alter geordnet. Für Minderjährige ist der Urlaub im Jugendarbeitsschutzgesetz (JarbSchG) und für Volljährige im Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) geregelt.

In deinem Ausbildungsvertrag findest du die Anzahl der Urlaubstage. Der Urlaub kann in Werk- oder in Arbeitstagen eingetragen sein. Ist dein Urlaub in Werktagen (Montag bis Samstag) angegeben, dann musst du dir für eine Woche Urlaub sechs Tage freinehmen – auch wenn du nur fünf Tage die Woche arbeitest. Ist dein Urlaub in Arbeitstagen (Montag bis Freitag) angegeben, dann gilt für dich, dass du fünf Tage für eine Woche freinehmen musst.

Konkret heißt das:

  • 30 Werktage/25 Arbeitstage, wenn du zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 16 Jahre alt bist
  • 27 Werktage/23 Arbeitstage, wenn du zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 17 Jahre alt bist
  • 25 Werktage/21 Arbeitstage, wenn du zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 18 Jahre alt bist
  • 24 Werktage/20 Arbeitstage für Volljährige.

Gilt ein Tarifvertrag in deinem Betrieb, kann es gut sein, dass hier mehr Urlaubstage für dich ausgehandelt wurden. Frage am besten bei deiner zuständigen Gewerkschaft nach.

Wann gehe ich in den Urlaub?
Der Urlaub ist im laufenden Kalenderjahr zu nehmen und auch zu gewähren. Er sollte dir zusammenhängend und in der berufsschulfreien Zeit genehmigt werden. Du hast ein Recht darauf, in der berufsschulfreien Zeit zwei Wochen am Stück frei zu nehmen. Dein Urlaub darf nur aufgeteilt werden, wenn dringende betriebliche Gründe dagegensprechen oder du es wünschst (§ 7 BUrlG).

Wann kann mein Betrieb mir den Urlaub verweigern?
Nur wenn extrem wichtige Gründe vorliegen (z. B. wenn du krank bist) oder du die Wartezeit noch nicht erfüllt hast, weil du noch in der Probezeit bist. In diesem Fall kannst du deinen Urlaub mit in das neue Kalenderjahr nehmen. Dieser Resturlaub muss bis zum 31. März des Folgejahres gewährt werden.

Es gibt einige Ausnahmen, in denen der Urlaub vom Arbeitgeber verweigert werden kann. Der Urlaubsanspruch entsteht erst nach einer Wartezeit von sechs Monaten nach Ausbildungsbeginn. In diesen ersten Monaten kann dir dein Urlaub versagt werden, dennoch erwirbst du anteiligen Urlaubsanspruch. Nach den sechs Monaten besteht ein Anspruch auf den vollen Jahresurlaub.

Wenn es in deinem Ausbildungsbetrieb feste Betriebsferien gibt, in denen der Betrieb stillliegt, musst du auch in dieser Zeit Urlaub nehmen.

In der Praxis wird Auszubildenden häufig der Urlaub nicht gewährt, weil gerade "viel los" ist und wenig Personal zur Verfügung steht. Personalmangel ist aber kein legitimer Grund, um dir deinen Urlaub zu verweigern. Du bist ja schließlich noch in der Ausbildung, hier sollte der Betriebsablauf nicht von deinem Urlaub abhängig sein.

Dein Ausbilder darf dir den Urlaub also nur verweigern, wenn wichtige soziale Gründe (etwa bei Vorrang von Mitarbeiter_innen mit Kindern) oder betriebliche Gründe (z. B. feststehende Betriebsschließungen) ausschlaggebend sind. Er muss aber dann mit dir vereinbaren, wann du deinen Urlaub stattdessen nehmen kannst.

Wie gehe ich vor, um an meinen Urlaub zu kommen?
Damit es nicht zu Missverständnissen kommt, ist es wichtig, dass du immer einen schriftlichen Urlaubsantrag stellst – und zwar frühzeitig. Die Kopie des Urlaubsantrages und die schriftliche Bestätigung, dass der Antrag im Betrieb eingegangen ist, stellen einen wertvollen Nachweis dar.

Wenn der Urlaubsantrag eingereicht ist und der Arbeitgeber sich nicht innerhalb eines Monats zurückmeldet, dann gilt dein Urlaub als genehmigt.

Und wenn es keinen schriftlichen Nachweis über den Urlaub gibt? Dann kommt es häufig zu Problemen im Hinblick auf den Zeitpunkt des Urlaubs. Achtung: Der eigenmächtige Urlaubsantritt durch den Auszubildenden kann für den Arbeitgeber ein Kündigungsgrund sein (§ 15 Berufsbildungsgesetz). Da ein stornierter Urlaub teuer werden kann – vom Ärger ganz zu schweigen –, ist es gut, sich im Vorfeld abzusichern.

"Dr. Azubi" rät: Wende dich bei Problemen mit deinem Urlaubsanspruch an deine Gewerkschaft und setze deinen Anspruch mit legitimen Mitteln durch. Ein einmal genehmigter Urlaub kann dir von deinem Betrieb auch nicht mehr kurzfristig gestrichen werden. Und aus dem Urlaub zurückgerufen werden geht auch nicht. Wer allerdings freiwillig auf seinen Urlaub verzichtet, hat die hiermit verbundenen Kosten selbst zu tragen (z. B. die Stornierungskosten der gebuchten Reise).

Im Urlaub krank – was tun?
Der Urlaub dient der Erholung. Daher gilt im Krankheitsfall: Gib deinem Arbeitgeber unverzüglich Bescheid und melde dich krank.

Auch wenn du im Ausland bist, ist es wichtig, dass du dir vor Ort eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung holst (§ 9 BUrlG). Der Urlaub verfällt dann nicht. Den Urlaub kannst du, wieder in Absprache mit dem Arbeitgeber, zu einem späteren Zeitpunkt nehmen.

Kann ich mir meinen Urlaub auch ausbezahlen lassen?
Urlaub soll der Erholung dienen – und das geht natürlich nur, wenn du ihn auch in Freizeit genießen kannst. Die "Abgeltung" der freien Zeit in Form von Geld ist grundsätzlich nicht möglich. Die einzige Ausnahme: wenn du das Ausbildungsverhältnis im laufenden Jahr vorzeitig beendet hast, etwa durch eine Kündigung oder die bestandene Abschlussprüfung.

Sollte es in diesem Fall nicht mehr möglich sein, den Urlaub anzutreten, muss er durch den Arbeitgeber ausbezahlt werden (§ 7 BUrlG), wobei die Höhe der Zahlung anhand der Ausbildungsvergütung bemessen wird.

"Dr. Azubi" rät: Stelle deinen Urlaubsantrag frühzeitig in schriftlicher Form. Urlaub darf dir nur verweigert werden, wenn dringende betriebliche oder soziale Gründe dagegensprechen.


(aus der Soli aktuell 1/2019, Autorin: Julia Kanzog)

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Achtung, Arbeitsrecht
Ein Arbeitnehmer verliert seine Ansprüche auf bezahlten Jahresurlaub nicht, wenn er den Urlaub nicht beantragt hat. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg entschieden. Damit der Urlaub verfällt, muss der Arbeitgeber nachweisen, dass der Mitarbeiter aus freien Stücken verzichtet hat.

Soli aktuell meint: Das ist eine wichtige Grundsatzentscheidung zum Schutz der Rechte von Arbeitnehmer_innen!

EuGH, Az.: C-619/16 und C-684/16