Deutscher Gewerkschaftsbund

Ich bin neu gewählt. Auf geht's!

Beste Glückwünsche! Jetzt wird's konkret: Was nach den JAV-Wahlen auf euch zukommt.

Die Wahlen zur Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) sind erfolgreich beendet worden. Wie geht es nun für die neu gewählten JAVis weiter?

Kontakt zum Betriebsrat
Als Hilfsorgan des Betriebsrats setzt die JAV die Interessen ihrer Wähler_innen mit Unterstützung des Betriebsrats gegenüber dem Arbeitgeber durch.

Sofern nicht schon bei der Kandidatenaufstellung und den Wahlen Kontakt zum Betriebsrat bestand, werden sich die Vertreter_innen der beiden Gremien spätestens bei der sogenannten konstituierenden Sitzung kennenlernen.

Hier wählt die mehrköpfige JAV den Vorsitzende_n und die Stellvertreter_in. Nehmen Betriebsräte ihre Verpflichtung, mit der JAV zusammenzuarbeiten, ernst, wird der Betriebsratsvorsitzende oder ein beauftragtes Betriebsratsmitglied teilnehmen und erste Informationen bereithalten.

Hinweis: JAV und Betriebsrat tauschen die Kommunikationsdaten aus. Vor allem in größeren Betrieben ist es sehr wichtig zu wissen, welches Betriebsratsmitglied als Ansprechpartner_in zur Verfügung steht.

Wichtig: Die JAV hat ein Teilnahmerecht an allen Sitzungen des Betriebsrats und seiner Ausschüsse. Klärt, wer zu den Sitzungen hingeht!

Wenn es um Angelegenheiten geht, die besonders die Wähler_innen der JAV betreffen, nimmt das komplette Jugendgremium teil.
Tipp: Fordert eine Liste aller Betriebsratsausschüsse und ihrer Vorsitzenden vom Betriebsrat an!

Das JAV-Equipment Große Betriebe stellen der JAV einen eigenen Raum zur Verfügung – und die Büro-/Hilfskräfte des Betriebsrats arbeiten auch für die JAV. In kleineren Betrieben muss geklärt werden, ob und wie Räumlichkeiten des Betriebsrats mitgenutzt werden können. Hinweis: Die JAV erhält von ihrer Wählerschaft vertrauliche Informationen und Unterlagen. Lasst euch einen abschließbaren Schrank zur Verfügung stellen.

Mit der alten JAV sollte eine Übergabe für sämtliche Protokolle und dem Schriftverkehr mit Betriebsratsausschüssen, der Gewerkschaft und anderen Institutionen vereinbart werden.

Wichtig I: Ehemalige Gremienmitglieder dürfen keinen Zugriff mehr auf Unterlagen der JAV haben.

Wichtig II: Klärt, ob die alte JAV sämtliche Beschwerden, Anregungen oder Aufträge des Betriebsrats abgearbeitet hat. Da lässt sich dann natürlich nahtlos an die Vorarbeit der Kolleg_innen anknüpfen.

Tipp: Übergabeprotokoll erstellen.

Literatur
Die JAV benötigt Fachliteratur, etwa die Erläuterungen des Berufsbildungs- und des Jugendarbeitsschutzgesetzes. Darüber hinaus empfiehlt sich auch das Standardwerk "Die Praxis der JAV von A bis Z" (Bund-Verlag, 49,90 Euro). Achtet auf Aktualität: Die meisten juristischen Bücher sind bereits nach drei Jahren ein Fall fürs Antiquariat, da nicht nur der Gesetzgeber tätig wird, sondern auch die Arbeitsgerichte immer neue interessante Entscheidungen treffen.

Eine der Hauptpflichten der JAV besteht darin, darauf zu achten, dass die im Betrieb geltenden Gesetze, Verordnungen, Unfallverhütungsvorschriften, Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen von der Arbeitgeberseite auch eingehalten werden. Von daher sollte man sich vom Betriebsrat als Erstes sämtliche Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen geben lassen, die ausschließlich für die Wähler_innen der JAV gelten.

Tipp: Lasst euch vom Betriebsrat Ausbildungs- und Prüfungsordnungen, Ausbildungsrahmenpläne und die Ausbildungspläne des Betriebs geben.

Hinweis: Kosten für Fachliteratur und Büromaterial trägt der Arbeitgeber.

Unternehmen/Konzern
Viele Betriebe sind nicht eigenständig, sondern gehören einem Unternehmen oder gar einem Konzern an. Dabei ist davon auszugehen, dass es auf Unternehmensebene nicht nur einen Gesamtbetriebsrat (GBR) gibt, sondern unter Umständen auch eine Gesamtjugend- und Auszubildendenvertretung (GJAV).

Die GJAV ist dann ein Muss, wenn es einen GBR gibt und mindestens zwei örtliche JAVen im Unternehmen bestehen. Ist dies der Fall, so muss die JAV auch eines ihrer Mitglieder in die GJAV entsenden.

Tipp: Kontaktdaten vom Betriebsrat besorgen und bei der genannten Ansprechpartner_in melden, damit die Interessenvertretung auch auf Unternehmensebene möglichst kontinuierlich weiterläuft. Fehlt es an der Unternehmensebene, kann – sofern ein Konzernbetriebsrat existiert – auch eine Konzern-JAV existieren. Auch hier ist die JAV verpflichtet, eines ihrer Mitglieder dorthin zu entsenden. Besorgt euch die entsprechenden Kontakte beim Betriebsrat.

Auch aus einem anderen Grund ist es wichtig zu wissen, ob der Betrieb einem Unternehmen oder Konzern angehört. Zumeist werden auch auf Unternehmens- bzw. Konzernebene Betriebsvereinbarungen abgeschlossen, viele davon auch ganz konkret für Auszubildende (z. B. zum Thema Übernahme) – oder sie enthalten Sonderregelungen wie etwa zum Essensgeldzuschuss. Lasst euch auch diese Regelungen geben. Sie betreffen auch die JAV-Wähler_innen vor Ort.

Kontakt zu den Wähler_innen
Die Kontaktdaten der JAV gehören ans Schwarze Brett und ins Intranet. Schreibt auch, wann die JAV-Mitglieder für die Wähler_innen zur Verfügung stehen. Wenn es geht, bietet gleich eine eigene Sprechstunde an und weist auf die Sprechstunden des Betriebsrats hin, an denen ihr teilnehmen werdet.

Fordert eine aktuelle Liste von sämtlichen jungen Beschäftigten bzw. Auszubildenden beim Betriebsrat an. Sie sollte auch die Daten zu den jeweiligen Einsatzorten bzw. Ausbildungs- und Einsatzabschnitten außerhalb des Betriebs enthalten.

Eure Gewerkschaft
Nehmt Kontakt mit eurer Gewerkschaft auf. Sie hat vor Ort Jugendsekretär_innen. Sie unterstützen die JAVen in ihrer Arbeit, kommen auch gerne als Gast zu den JAV-Sitzungen und können bei der Vorbereitung einer Jugend- und Auszubildendenversammlung eine große Stütze sein.

Der Gesetzgeber hat der JAV einen Schulungsanspruch zugestanden und davon sollte auch möglichst zeitnah Gebrauch gemacht werden. Also schnell den Betriebsrat informieren, dass die gesamte JAV oder einzelne Mitglieder entsprechende Grundlagenschulungen bei den Gewerkschaften besuchen wollen, um sich fit zu machen.

Der Betriebsrat wird den Arbeitgeber darüber per Entsendungsbeschluss informieren. Ihr werdet dann unter Fortzahlung der Ausbildungsvergütung und Übernahme der Schulungskosten durch den Betrieb freigestellt.


(aus der Soli aktuell 11/2018, Autor: Wolf-Dieter Rudolph)