Deutscher Gewerkschaftsbund

Dual in der Fläche: Der Flächentarif bei Holz und Kunststoff

Super Sache: Im Tarifgebiet Niedersachsen ist es der IG Metall erstmals gelungen, einen Flächentarifvertrag für dual Studierende in der holz- und kunststoffverarbeitenden Industrie abzuschließen.

David Rösler IG Metall

© D. Rösler

Sorgt für duale Tarife: David Rösler von der IG Metall

Erstmals garantiert ein Flächentarifvertrag allen dual Studierenden in der holz- und kunststoffverarbeitenden Industrie in Niedersachsen branchenübergreifend faire, transparente und einheitliche Ausbildungsbedingungen. Das Vertragswerk gilt seit dem 1. Juni 2017. Die wesentlichen Eckpunkte des Tarifvertrags sind:

  • Einheitliche und existenzsichernde Ausbildungsvergütungen: Dual Studierende erhalten während der Ausbildung die in den Tariftabellen für sie festgelegten Vergütungen. Nach bestandener Berufsausbildung und abschließender Kammerprüfung wird die Vergütung des vierten Ausbildungsjahres gezahlt.
  • Entlastung bei den Ausbildungskosten: Studienbeiträge und -gebühren werden vom Betrieb übernommen – und zwar in voller Höhe. In begründeten Fällen werden auf Antrag außerdem außerordentliche Fahrt- und Ausbildungskosten bezuschusst.
  • Sichere und planbare Zukunftsperspektive: Bei erfolgreichem Studienabschluss innerhalb der Regelstudienzeit bekommen dual Studierende in der Regel einen unbefristeten, mindestens aber einen auf 24 Monate befristeten Arbeitsvertrag angeboten – und zwar spätestens drei Monate vor Ende ihres Studienvertrags.
  • Einheitlicher Urlaubsanspruch: Dual Studierenden stehen für jeden Kalendermonat der Anwesenheit im Betrieb während der Praxisphasen 2,5 Urlaubstage zu.

"Die individuellen Verträge regeln Punkte wie Vergütungshöhe, Urlaubstage, Sonderzahlungen oder Studiengebühren sehr unterschiedlich oder gar nicht", sagt David Rösler von der IG Metall-Jugend in Braunschweig, der den Vertrag mit ausgehandelt hat.

Bisher gab es lediglich im metallverarbeitenden Handwerk sowie im KFZ-Handwerk in Niedersachsen und im Bereich Feinwerktechnik und Metallbau in Baden-Württemberg flächentarifvertragliche Regelungen. Darüber hinaus hat die IG Metall mit einer ganzen Reihe von Betrieben Haustarifverträge und Tarifvereinbarungen für dual Studierende abgeschlossen – zuletzt beim Technologiekonzern Continental. Rösler: "Unser Ziel ist es aber, verlässliche und transparente Arbeitsbedingungen für alle dual Studierenden zu sichern – nicht nur in einzelnen Betrieben, sondern flächendeckend, so wie es uns nun in der Holz- und Kunststoffindustrie in Niedersachsen gelungen ist."

Noch einfacher wäre es, wenn der Gesetzgeber endlich die wachsende Bedeutung des dualen Studiums anerkennen und dual Studierende mit ins Berufsbildungsgesetz aufnehmen würde. Dann wäre nicht nur ihr arbeitsrechtlicher Status geklärt, sondern dual Studierende würden – wie auch die dual Auszubildenden – unter den Geltungsbereich bestehender Tarifverträge fallen. Die DGB-Jugend will, dass das Bundesbildungsgesetz für alle Praxisphasen dualer Studiengänge gilt – und macht dies im Rahmen ihrer "Plan B"-Kampagne auch zu einer Forderung für die Bundestagswahl. Eine Reform lehnt das Bundesministerium für Bildung und Forschung aber bislang ab.


(aus der Soli aktuell 6/2017, Autorin: Soli aktuell)

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