Deutscher Gewerkschaftsbund

Antirassismus: Mit Wissen und Werten gegen Ausgrenzung. Von Christoph Alt

Gegen Rechts: Christoph Alt ist für die DGB-Jugend im Vorstand des Informations- und Dokumentationszentrums für Antirassismusarbeit e.V. (IDA). In der Soli aktuell erklärt er zum IDA-Fachtag am 29. Juni 2017 den Hintergrund seiner Arbeit.

Christoph Alt

© C. Alt

Seit Beginn ist die DGB-Jugend im IDA-Vorstand vertreten – wir waren eine der treibenden Kräfte bei der Gründung. IDA ist ein wichtiges Projekt für uns, um zusammen mit vielen Jugendverbänden zu den Themen Rassismus, Ausgrenzung, extreme Rechte und Diversität zu arbeiten. Als ich Ehrenamtlicher war, habe ich IDA-Broschüren verschlungen und viel für meine eigene Bildungsarbeit und meine eigene Sensibilisierung mitnehmen können. Jetzt selbst bei IDA für die Gewerkschaftsjugend dabei zu sein, ist gerade momentan sehr spannend: IDA als Fachstelle für die Jugendverbände hilft uns enorm dabei, Rassismus und andere Diskriminierungsformen angehen und für eine sozial gerechte Gesellschaft streiten zu können.

Zentrales Thema auf unserem Fachtag am 29. Juni wird deshalb sein: Wie gehen wir mit Rechtspopulismus um – als politischer Kraft im Parlament oder bei rechtspopulistischen Einstellungen in unserem eigenen Verband?

Das beschäftigt derzeit alle Jugendverbände. Im Jahresverlauf bearbeitet IDA Fragen zu interkultureller Öffnung und Diversität, Flucht und Asyl.

Vielerorts wird nun überlegt, wie Integration, Anerkennung von Abschlüssen und der Umgang mit Geflüchteten im eigenen Verband funktionieren kann. Mit IDA haben wir den idealen Raum für einen Austausch mit großem Fachwissen zu diesen Fragen.

Seit ich Bildungsarbeit zu Rassismus und sozialer Gerechtigkeit mache, zeigt sich eines immer wieder: Wir können sehr viel bewegen, um die Gesellschaft solidarischer und gerechter zu machen. Wenn mir ein Jugendlicher nach einem Seminar sagt: "Das hat mir die Augen geöffnet" oder "Ich bin jetzt richtig motiviert, das nicht alles hinzunehmen und aktiv zu werden", dann wird deutlich, dass es sich lohnt.

Die Erfolge rechtspopulistischer Kräfte in Europa und auch in Deutschland verdeutlichen, wie viel wir noch zu tun haben. Dafür brauchen wir Zeit und Raum. Wir müssen dieser Arbeit die Wichtigkeit zugestehen, die sie verdient. Häufig erschöpfen wir uns in dem, was ich gerne "post-präventive Arbeit" nenne: Das Kind ist in den Brunnen gefallen und wir decken ein Netz darüber. Wir dürfen aber nicht warten, bis sich rassistische Sprüche häufen, sondern müssen präventiv tätig werden.

In Deutschland scheint der Höhenflug der AfD gestoppt, aber die Partei hat sich stabilisiert. Auch wenn gerade in einigen Ländern rechtspopulistische Regierungen verhindert wurden, bleibt es dabei: Wir werden uns weiter mit dem Thema beschäftigen und müssen genau hinsehen. Rechtspopulistische Kräfte führen einen Kampf um die gesellschaftliche Deutungshoheit – einen Kulturkampf von Rechts um die Verschiebung von gesellschaftlichen Werten. Die Gewerkschaftsjugend leistet hier Gegenwehr – für eine solidarische und sozial gerechte Gesellschaft.

Auch über IDA hinaus sind in meiner Arbeit Fragen zum Umgang mit rechten Parolen und Ausgrenzung gerade wichtig. Viele Teilnehmende von Workshops und Seminaren berichten davon, dass rechte Parolen oder rassistische Abwertungen auch in ihrem direkten Umfeld auftauchen – im Betrieb, an der Uni oder im Freundeskreis. Die meisten sind dann empört oder betroffen. Sie hätten nie damit gerechnet und wissen erst mal nicht, was sie tun können.

Mit Argumentationstrainings gegen rechte Parolen versuchen wir als DGB-Jugend, Hilfe und Orientierung zu geben: eben nicht wegzusehen, sondern den Mund aufzumachen und für unsere Werte zu streiten.

Dazu kommt auch eine grundlegende Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit, für die die Unterstützung von IDA unschätzbar ist. Nicht nur in der AfD gibt es Ansichten, die rassistisch oder anderweitig abwertend sind. Die gibt es eben auch in anderen Parteien – und leider auch in Gewerkschaften.

Wichtig ist, deutlich zu machen, dass es in der aktuellen Debatte rund um Rechtspopulismus um eine Kernfrage geht: In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Für uns ist die Antwort klar: Solidarität, Gerechtigkeit und Freiheit sind unsere Kernwerte. Die stehen einer Politik der Ausgrenzung, des Nationalismus und der neoliberalen Grundüberzeugungen – wie sie auch in der AfD breit vorhanden sind – diametral gegenüber.

Auf Fragen nach sozialer Gerechtigkeit, guter Arbeit und Umverteilung müssen endlich Antworten gegeben werden. Denn bestehende soziale Ungerechtigkeiten werden immer wieder von rechtspopulistischen Kräften instrumentalisiert werden, um Menschen gegeneinander aufzubringen. Um das zu verhindern, muss endlich mehr für Umverteilung und soziale Gerechtigkeit getan werden.


Christoph Alt ist pädagogischer Leiter der DGB-Jugend NRW im DGB-Jugendbildungszentrum Hattingen.

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IDA: Rat und Tat gegen Rassismus
Das Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e. V. (IDA) wurde 1990 auf Initiative von demokratischen Jugendverbänden in Deutschland gegründet, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Derzeit sind 29 Verbände Mitglied: andere Mitgliedsorganisationen des Deutschen Bundesjugendrings oder auch der Verein "Mach' meinen Kumpel nicht an!"

Seit 1994 versteht sich IDA als Motor und Unterstützer der Jugendverbände und Multiplikator_innen der Jugendarbeit. Der Verein fungiert als Dienstleistungszentrum, das in den Themenfeldern (Anti-)Rassismus, Rechtsextremismus, Antisemitismus, Interkulturelle Öffnung, Diversität, (Anti-)Diskriminierung und Migration informiert, dokumentiert, berät und qualifiziert. Wichtiger Teil ist die "Vielfalt-Mediathek": Dieses "Gedächtnis der Bundesprogramme gegen Rechtsextremismus" wird von IDA gemeinsam mit dem DGB-Bildungswerk angeboten. Hier fließen alle relevanten Projekte, Handreichungen und Ansätze ein, die bundesweit erarbeitet wurden.


www.vielfalt-mediathek.de, www.idaev.de

(aus der Soli aktuell 6/2017, Autor: Christoph Alt)

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