Deutscher Gewerkschaftsbund

Sieht wenig zielstrebig aus: Die Effektivität von Praktika

Was bringen eigentlich Praktika? Finanziell nicht allzu viel, besagt eine neue Studie.

Unter Studierenden ist die Ansicht weit verbreitet, dass man ohne Praxiserfahrung schlechte Karten am Arbeitsmarkt hat: 83 Prozent der deutschen Hochschulabsolvent_innen haben mindestens ein Praktikum abgeleistet, sagen Bernd Frick und Michael Maihaus.

Die Wirtschaftswissenschaftler_innen von der Universität Paderborn haben untersucht, ob sich die Abstecher ins Berufsleben später wirklich auszahlen. Den Ergebnissen nach scheint das äußerst zweifelhaft: Allenfalls Praktika bei besonders renommierten Konzernen erhöhten die Chance auf gut bezahlte Jobs. Andere könnten sogar kontraproduktiv sein.

Praktikum

© HBS

Für ihre Studie haben sie knapp 74.000 Studierende und gut 11.000 Berufseinsteiger_innen mit Hochschulabschluss befragt. Um festzustellen, wie sich Praktika auf das erwartete Einstiegsgehalt der Studierenden beziehungsweise das tatsächliche Einstiegsgehalt der Absolvent_innen auswirken, rechneten sie andere Faktoren wie das Geschlecht, das Studienfach oder die Abschlussnote heraus.

Generell gibt es demnach keinen signifikanten Zusammenhang. Positive Effekte von 4 bis 13 Prozent ergeben sich nur dann, wenn man ausschließlich sogenannte Top-Praktika betrachtet – bei einem DAX-Unternehmen, einer der zehn größten Banken oder einem der laut Umfragen 25 "besten Arbeitgeber".

Wenn man die Analyse dagegen auf Tätigkeiten bei anderen Betrieben beschränkt, ändert sich das Vorzeichen: Je mehr "Standard-Praktika" Studierende absolvieren, desto weniger verdienen sie beim Berufseinstieg im Vergleich zu Kommiliton_innen mit ansonsten identischen Voraussetzungen.

Die Erklärung: Wer sich reihenweise als Praktikant bei beliebigen Unternehmen verdinge statt sich aufs Studium zu konzentrieren, mache auf Arbeitgeber einen wenig zielstrebigen Eindruck.


www.boeckler.de/Impuls_2017_04_6a.pdf

(aus der Soli aktuell 4/2017, Autorin: Soli aktuell)

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