Deutscher Gewerkschaftsbund

Gesunde Ausbildung - Forderungen der JAVis im Sozial- und Gesundheitswesen

In bisher nicht gekannter Größenordnung setzen sich Jugendvertreter_innen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen für bessere Ausbildungsbedingungen ein.

ver.di Jugend Gesundheitsbranche

Die ver.di Jugend in Willingen, Juni 2016 © ver.di Jugend/Kay Herschelmann

"Wir, 200 Jugend-und Auszubildendenvertretungen im Gesundheits- und Sozialwesen, setzen uns erfolgreich für Verbesserungen der Pflegeausbildung in den Betrieben ein": So beginnt die Resolution, die die jungen Beschäftigten aus Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen im Juni 2016 in Willingen bei ihrer Konferenz "Level up! Gemeinsam Ausbildung aufwerten" beschlossen haben.

Eine solch große Kooperation hat es im Gesundheitswesen bisher nicht gegeben – aber sie ist durchaus angemessen: Es geht um nichts weniger als die Sicherung der betrieblichen Mitbestimmung bei der Pflegeausbildung. Denn die soll reformiert werden.

Den Delegierten war nicht wohl bei den Plänen: So ist vorgesehen, dass der Ausbildungsvertrag nicht mehr vom Ausbildungsbetrieb unterschrieben werden muss, sondern an die Schulen delegiert werden darf. Das würde die Mitbestimmung aushebeln und eine weitere Minderung der Ausbildungsqualität möglich machen. Der DGB hat schon vor einer Schmalspurausbildung im Gesundheitssektor gewarnt.

Die Kritik hat aber noch tiefere Ursachen: "Die Zufriedenheit in der Pflege ist geringer als in anderen Ausbildungsberufen, das kann die ver.di Jugend mit ihrem kürzlich veröffentlichten Ausbildungsreport Pflegeberufe belegen", sagt Mario Gembus, Jugendsekretär für das Gesundheitswesen beim Bundesvorstand der Gewerkschaft ver.di. So kompensieren 60 Prozent der Azubis kurzfristig Personalmangel anderswo – Stichwort Stations-Hopping: Du bist planmäßig auf der Inneren zur praktischen Ausbildung eingesetzt, doch dann kommt ein Anruf, du möchtest bitte auf der Chirurgie zum Waschen aushelfen kommen.

Gewerkschaftssekretär Gembus betont, dass es hier um die wichtigste Expertise überhaupt geht – die der Azubis: "Wer in der Pflege seine Ausbildung macht, will Patient_innen oder Bewohner_innen professionell versorgen können." Bei der derzeitigen Personallage in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ist allerdings keine geplante und strukturierte Ausbildung mehr möglich. Der Erhalt der betrieblichen Mitbestimmung ist daher extrem wichtig, um auf die Ausbildungsbedingungen überhaupt Einfluss zu nehmen.

ver.di setzt sich sowohl für betriebliche und tarifvertragliche Regelungen zur Verbesserung der Ausbildung ein, als auch für die Verbesserung des Gesetzesentwurfs zum Pflegeberufsgesetz. "Voraussetzung ist und bleibt jedoch genügend Personal, dass auch die Zeit für die Ausbildung erhält", sagt Gembus. "Deshalb ist eine gesetzliche Personalbemessung in den Betrieben zwingend erforderlich."

In Willingen haben die Teilnehmer_innen zu einer großen Einheit zusammengefunden. Motto: "Pflege ist mehr als Waschen." Gute Ausbildung für mehr Gesundheit: Sollte sich die Lage bessern, so ist das die Folge gelebter Mitbestimmung – und nicht das Geschenk der Arbeitgeber.


Weitere Infos: https://gesundheit-soziales.verdi.de

(aus der Soli aktuell 7/2016: Autorin: Soli aktuell)

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