Deutscher Gewerkschaftsbund

IG Metall: Wir für mehr! Der neue Tarifabschluss

David Lüdtke über den Tarif-Abschluss der Metall- und Elektroindustrie in NRW, der als wegweisend für das übrige Bundesgebiet gilt.

Junge Mann

© Privat

David Lüdtke, Vorsitzender der JAV bei Ford

"Wir für mehr": Unter diesem Motto steht die diesjährige Tarifrunde in der Metall und Elektroindustrie. Und dieses Wir kann man deutlich spüren, wenn es wieder einmal heißt: Raus zum Warnstreik!

Dann stehen einfach alle zusammen, egal ob Arbeiter, Angestellte oder Auszubildende, ganz gleich wie jung oder alt. In der Tarifrunde wird Geschlossenheit demonstriert.

Denn es geht um ein gemeinsames Ziel: 5 Prozent war die Forderung, für die sich die Kolleginnen und Kollegen in diesem Jahr entschieden hatten. Noch vor der ersten Verhandlung hatten sich viele auf eine vergleichsweise ruhige und unkomplizierte Tarifrunde eingestellt. Doch nach den ersten Gesprächen mit den Arbeitgebern war schnell klar, dass es diesmal alles andere als einfach werden würde.

Die Arbeitgeber erklärten gleich zu Beginn, dass ihnen noch der letzte Tarifabschluss schwer im Magen liegen würde. Bei der Tarifrunde 2015 hatten wir als IG Metall neben einer Erhöhung von 3,4 Prozent bei Entgelten und Ausbildungsvergütungen auch einen Tarifvertrag zur Förderung von Weiterbildung und eine Verlängerung der stark genutzten Altersteilzeitregelung durchgesetzt – ein starkes Ergebnis für Jung und Alt! Das war den Arbeitgebern aber deutlich zu viel – man könne nun nicht einfach weitermachen mit solchen "Höhenflügen". Und dem wollten sie wohl auch Ausdruck verleihen, als sie in der zweiten Verhandlung ein so genanntes faires Angebot von 0,9 Prozent für 12 Monate und eine Einmalzahlung von 0,3 Prozent anboten.

Doch damit nicht genug: Nachdem die ersten Warnstreiks bereits gelaufen waren, boten sie als "verbessertes Angebot" 2,1 Prozent für 24 Monate, und das in zwei Stufen. Also bei einer Verdoppelung der Laufzeit gerade einmal 0,3 Prozentpunkte mehr als beim ersten Angebot.

Das hat dann natürlich nochmal richtig Stimmung für weitere Warnstreiks gegeben! Und auch die Planungen für 24-Stundenstreiks liefen ab diesem Zeitpunkt auf Hochtouren. Die waren dann auch das entscheidende Argument, das die Arbeitgeber in der Nacht vom 12. auf den 13. Mai doch noch zum Einlenken bewegte.

Und so konnte am Morgen des 13. Mai dann in Köln ein Tarifabschluss erreicht werden: 2,8 Prozent ab dem 1. Juli und zusätzlich weitere 2 Prozent ab dem 1. April 2017. Insgesamt also 4,8 Prozent bei einer Laufzeit von 21 Monaten. Darüber hinaus wurde für den Monat Juni ein Einmalbetrag von 150 Euro vereinbart.

Das Ergebnis ist bei uns im Betrieb gut angekommen. Und es hat wieder einmal gezeigt, was möglich ist, wenn man sich zusammen für etwas einsetzt.


David Lüdtke ist Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung bei Ford in Köln und Mitglied der IG Metall-Tarifverhandlungskommission in NRW.

(aus der Soli aktuell 6/2016, Autor: David Lüdtke)

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