Deutscher Gewerkschaftsbund

Arbeitskämpfe nehmen zu: Streiktage 2015

2015 kamen zwei Millionen Streiktage in Deutschland zusammen.

Viel gestreikt
Das letzte Jahr war ein ungewöhnlich intensives Streikjahr: Das Arbeitskampfvolumen ist auf rund zwei Millionen Streiktage angestiegen. Die erhebliche Steigerung gegenüber 2014 (392.000 Tage) beruht aber im Wesentlichen auf zwei großen Auseinandersetzungen: Allein 1,5 Millionen Streiktage entfielen auf den Arbeitskampf im Sozial- und Erziehungsdienst sowie den Streik bei der Post. Hinzu kam zu Beginn des letzten Jahres eine breite Warnstreikwelle in der Metall- und Elektroindustrie mit vielen Streikzeiten.

Kampfente ver.di junge Frau

© ver.di

Streik im Handel: ver.di-Gewerkschaftssekretärin Franziska Foullong beim Versandhandel.

Dies zeigt die Jahresbilanz zur Arbeitskampfentwicklung in Deutschland, die das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung kürzlich veröffentlicht hat. Im internationalen Vergleich wird in Deutschland gleichwohl weiterhin relativ wenig gestreikt: Frankreich und Dänemark haben viel höhere Quoten.

Hohe Beteiligung
Die Zahl der Beschäftigten, die sich an Streiks beteiligten, lag 2015 ebenfalls deutlich höher als im Jahr zuvor: 1,1 Millionen Streikende gegenüber 345.000 im Jahr 2014. Hierfür waren die Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie ausschlaggebend, bei denen nach Angaben der IG Metall rund 885.000 Beschäftigte die Arbeit niederlegten. Den zweifelhaften Rekord für die längste Auseinandersetzung hält dabei Deutschlands größter Versandhändler Amazon. Seit Frühjahr 2013 zieht sich diese wegen ihrer Signalwirkung bedeutende Auseinandersetzung hin, in der sich der Konzern bisher hartnäckig weigert, überhaupt mit ver.di in Tarifverhandlungen einzutreten.

Jugend im Arbeitskampf
Auch viele junge Beschäftigte waren zu Arbeitskämpfen gezwungen. Ein Spezialproblem dabei: Immer wieder behaupten Arbeitgeber, Azubis hätten kein Recht zu streiken. Als Begründung muss herhalten, Azubis hätten ja gar keinen Arbeitnehmerstatus – außerdem gefährde die Streikbeteiligung den Ausbildungszweck. Das stimmt nicht. Wenn die Gewerkschaft zu einem ordentlichen Streik aufruft, und wenn in den Tarifverhandlungen auch Forderungen verhandelt werden, die die Auszubildenden betreffen, dann dürfen sie mitstreiken!


Unser Azubi-Ratgeber-Spezial zum Thema Streik auf http://jugend.dgb.de/-/puj

(aus der Soli aktuell 6/2016, Autorin: Soli aktuell)

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