Deutscher Gewerkschaftsbund

Betriebe nicht ausbildungsreif: DGB-Studie zu schlechten Ausbildungen

Der DGB legt zum Erscheinen des Berufsbildungsberichts der Bundesregierung eine Liste der zehn unattraktivsten Ausbildungsberufe vor.

Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze ist 2015 auf 41.000 gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von 10,4 Prozent. Damit blieben 7,5 Prozent der betrieblichen Angebote unbesetzt. Und das, obwohl rund 81.000 Bewerber_innen derzeit einen Ausbildungsplatz suchen – doppelt so viele, wie es offene Stellen gibt.

Berufe aus dem Hotel- und Gastronomiebereich sowie aus bestimmten Bereichen des Handwerks haben aber seit Jahren hohe Besetzungsprobleme.
 Der DGB hat diese Ausbildungsberufe nun genauer untersucht und Qualitätsmängel ausgemacht:

  • Liegt die durchschnittliche Abbrecherquote bei 24,6 Prozent, befindet sie sich bei diesen zehn Berufen in einer Spanne von 35 bis 51 Prozent. Jede zweite Restaurantfachkraft bricht ihre Ausbildung vorzeitig ab!
  • Fallen im Durchschnitt nur 7,6 Prozent der Azubis bei der Prüfung durch, ist diese Quote in diesen Berufen vielfach doppelt so hoch (z. B. Gebäudereiniger_in bei 20,6 Prozent).
  • Im Ausbildungsreport der DGB-Jugend landeten in den vergangenen Jahren die Fachkraft im Lebensmittelhandwerk, Koch/Köchin und auch die Restaurantfachkraft konsequent am unteren Ende der Skala.

Für die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack ist klar: "Unternehmen, die junge Menschen als billige Arbeitskräfte ausnutzen, dürfen sich nicht wundern, wenn sich niemand mehr bewirbt. Wenn Betriebe attraktiv sein wollen, müssen sie ihre Auszubildenden besser bezahlen, die Qualität der Ausbildung erhöhen, mehr Auszubildende übernehmen und die Ausbildungsbedingungen erheblich verbessern."

Ein besonderes Kapitel: Junge Frauen haben in aller Regel bessere Schulabschlüsse als Männer, aber ihr Bildungsvorsprung geht schnell verloren, wenn es um Beruf und Karriere geht. Das zeigt der Berufsbildungsbericht der Bundesregierung. Hannack: "Die 'Bildungsexpansion' junger Frauen wird nicht entsprechend in Ausbildungs- und Arbeitskarrieren umgesetzt. In der Berufsorientierung müssen Rollenklischees aufgebrochen und die gesamten Talente der jungen Frauen gefördert -werden."


Die DGB-Expertise "Hohe Abbrecherquoten, schlechte Prüfergebnisse" zum Download: www.dgb.de/-/VDD

Der Berufsbildungsbericht: www.bmbf.de/de/berufsbildungsbericht

(aus der Soli aktuell 5/2016, Autorin: Soli aktuell)

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