Deutscher Gewerkschaftsbund

Wie politisch ist die Jugend? Die neue FES-Studie

Die Friedrich-Ebert-Stiftung und das Deutsche Jugendinstitut untersuchen in einer aktuellen Studie die Formen des politischen Engagements junger Menschen.

FES-Logo

Stimmt es, dass die Gruppe der 14- bis 29-Jährigen eine besonders engagierte Generation ist, wie die Shell-Studie 2015 titelte? Danach befände sich die Jugend in Deutschland in einem Aufbruch, denn deutlich mehr Jugendliche als bisher bezeichnen sich dort als "politisch".

Die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) wollte genauer wissen, was dahintersteckt. 2.075 repräsentativ ausgewählte Jugendliche im Alter von 14 bis 29 Jahren wurden zu ihrem politisch-gesellschaftlichen Engagement befragt.

Das Ergebnis: Deutlich mehr Jungen (56 Prozent) als Mädchen (44 Prozent) beteiligen sich politisch-gesellschaftlich. Im Hinblick auf ein Engagement im konventionelleren Sinne sind die Geschlechterunterschiede noch deutlicher: Unter den politisch engagierten Jugendlichen finden sich nur 28 Prozent Mädchen.

Außerdem ist die Chance für eine politisch-gesellschaftliche Teilhabe bei Jugendlichen mit einer geringeren Bildung um 38 Prozent niedriger als bei Jugendlichen mit einer höheren Bildung. Je älter sie sind und je stärker Wertorientierungen wie Verantwortungsbereitschaft und kritisches Bewusstsein ausgeprägt sind, desto wahrscheinlicher ist ein politisches Engagement.

Aktivitäten mit unverbindlichem, flexiblem und individuellem Charakter werden eindeutig bevorzugt. Zwar könnten sich 45 Prozent der Befragten vorstellen, an einem politischen Projekt mitzuarbeiten, tatsächlich getan haben dies jedoch nur 27 Prozent. Nur drei Prozent der Befragten äußerten übrigens "großes oder sehr großes Vertrauen" zu politischen Parteien. Weitere genannte Gründe für die Weigerung, sich parteipolitisch zu engagieren, sind Unlust und Unwissenheit darüber, wie man sich in Parteien einbringen kann. Aber: Gut ein Drittel der Jugendlichen kann sich vorstellen, ein politisches Amt zu übernehmen (29 Prozent) oder aktiv in einer Gewerkschaft mitzuarbeiten (38 Prozent). Gut zu wissen…

Wie sieht es also aus mit dem Engagement? Die Befragten gaben an, sich am ehesten für Parteien zu interessieren, wenn es möglich wäre, dort mitzuarbeiten, ohne direkt Mitglied zu werden. Politische Parteien würden dann für Jugendliche attraktiv, haben die FES-Analytiker_innen herausgefunden, "wenn sie mit einer breiteren Ausrichtung zur Basisdemokratie und klaren programmatischen Aussagen auftreten".

Eine besondere Beobachtung hat der DGB-Bezirksjugendsekretär von NRW Eric Schley gemacht: "Die Studie stellt erfreulicherweise fest, dass es beim politischen Interesse kaum Unterschiede unter Jugendlichen mit oder ohne Migrationshintergrund gibt." Das Politikinteresse bei Jugendlichen mit einem Elternteil, der nicht in Deutschland geboren wurde, liege dabei noch vor dem von Jugendlichen ohne Zuwanderungsgeschichte.


Weitere Infos: http://tinyurl.com/FES-Studie-Jugendliche

(aus der Soli aktuell 5/2016, Autorin: Soli aktuell)

Hier geht's zum Soli-Archiv

WIR IM SOCIAL WEB