Deutscher Gewerkschaftsbund

Zeit fürs Protokoll: Die BBiG-Reform

BBiG-Reform – die Kampagne der DGB-Jugend: Das Führen des Berichtshefts gehört zur Ausbildung. Von André Schönewolf

Das Berichtsheft dient als Dokumentation der Ausbildung und ist als Nachweis für die Zulassung zur Abschlussprüfung notwendig. Die Einträge müssen regelmäßig vom Ausbildungsbetrieb kontrolliert und gegengezeichnet werden.

Für Azubis ist das eine gute und einfache Überprüfung des eigenen Lernstandes: Der Abgleich des eigenen Berichtshefts mit dem betrieblichen Ausbildungsplan verdeutlicht schnell, welche Ausbildungsinhalte noch fehlen. Werden wichtige Ausbildungsinhalte nicht vermittelt, dient der Ausbildungsnachweis auch als juristisch verwertbares Dokument.

Der Arbeitgeber muss den Auszubildenden in ihrer Arbeitszeit die Möglichkeit geben, das Berichtsheft zu führen, da es integraler Bestandteil der Ausbildung ist. Trotz dieser eindeutigen Regelung geben 33,6 Prozent der Auszubildenden im Report der DGB-Jugend an, ihren Ausbildungsnachweis "nie" während der Ausbildungszeit zu führen, weitere 9,1 Prozent machen dies nur "selten".

Zeit fürs Heft

Wir meinen: Ein betrieblicher Ausbildungsplan muss rechtsverbindlich vorgeschrieben sein und mit dem Ausbildungsvertrag ausgehändigt werden. Deswegen drängen wir auf die Verbesserung des Berufsbildungsgesetzes (BBiG). Hierzu bedarf es einer eindeutigeren Formulierung in § 11 Absatz 1 Nr. 1. So kann die Ausbildung vorausschauend geplant werden.

In § 5 soll klargestellt werden, dass Abweichungen vom Ausbildungsrahmenplan nicht gestattet sind. Damit Azubi und Ausbilder einen Überblick über die bereits vermittelten Lerninhalte haben, ist entsprechend § 5 Absatz 2 Nr. 7 in mittlerweile fast allen Ausbildungsordnungen folgender Absatz enthalten: "Die Auszubildenden haben einen schriftlichen Ausbildungsnachweis zu führen. Ihnen ist Gelegenheit zu geben, den schriftlichen Ausbildungsnachweis während der Ausbildungszeit zu führen. Die Ausbildenden haben den schriftlichen Ausbildungsnachweis regelmäßig durchzusehen."

Dieser Passus muss ins BBiG aufgenommen werden. Die mittlerweile gängige Praxis in den ausbildenden Unternehmen der Industrie und des Handwerks hat sich bewährt und sollte für alle Ausbildungsberufe ein rechtlich fest verankerter Bestandteil werden.


André Schönewolf ist der Ausbildungsexperte der DGB-Jugend.

(aus der Soli aktuell 4/2016, Autor: André Schönewolf)

***

BBiG: Wir machen Ausbildung besser
Die DGB-Jugend kämpft für eine grundlegende Verbesserung der dualen Ausbildung. Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) ist das zentrale Gesetz für die berufliche duale Ausbildung in Deutschland. Und es ist veraltet: Es gibt deshalb noch immer kein Recht auf Ausbildung, die Finanzierung bleibt ungeklärt, die Weiterbildung ist ein ziemlich weißer Fleck des Rechtssystems.

Die Zusammenarbeit von Berufsschule und Ausbildungsbetrieb – die Lernortkooperation – wurde nicht verbessert und die Fortentwicklung der Mitbestimmungsstrukturen bisher überhaupt nicht in Erwägung gezogen. Auch wenn es einige Verbesserungen gab, waren die Veränderungen überschaubar und die größeren Herausforderungen blieben unangetastet.

Hier geht's zum Soli-Archiv

WIR IM SOCIAL WEB