Deutscher Gewerkschaftsbund

Guter Tarif, gutes Studium: Davon profitieren alle

Die IG Metall hat mit der Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr (IAV) erstmals einen Tarifvertrag für Studierende abgeschlossen. Er bietet echte Perspektiven, sagt Verhandlungsführerin Garnet Alps.

Garnet Alps

Garnet Alps von der IG Metall. © IG Metall

Garnet, es ist ein absolutes Novum: Mit dem Entwicklungsdienstleister IAV regelt erstmals ein Betrieb gemeinsam mit der IG Metall verbindlich die Rahmenbedingungen für alle im Betrieb beschäftigten Studierenden. Du hast die Verhandlungen geführt. Wie habt ihr dieses Ziel erreicht?
Der Tarifvertrag ist das Ergebnis eines langen Weges, den die Betriebsräte, die IG Metall und die Studierenden gemeinsam gegangen sind. Noch vor zwei Jahren haben arbeitende Studierende bei IAV 10,50 Euro bekommen. Das wollten wir gemeinsam ändern. Es war anfangs ein zäher Prozess, bis wir mit dem Arbeitgeber schließlich in konstruktive Verhandlungen einsteigen konnten. Mittlerweile sieht auch IAV die Vorteile der tariflichen Regelungen für Studierende in jeder Phase ihrer akademischen Ausbildung. Damit werden angehenden Akademikern echte Perspektiven geboten, und der Betrieb bindet junge Ingenieurinnen und Ingenieure früh an sich.


Der Vertrag berücksichtigt die jeweilige Phase der akademischen Ausbildung der Studierenden. Was bedeutet das konkret?

Das bedeutet, dass Studierende ihr gesamtes Studium mit Praxis bei IAV verbinden können. Während dieser Zeit können sie vertraglich einsteigen und erhalten eine Art Arbeitsverhältnis mit Ausbildungselementen. Sie sind eingebunden in Projekte in den Abteilungen, haben einen Ausbildungsplan und machen jedes Semester eine Weiterbildung über den Betrieb. Gearbeitet wird zwischen zehn und 20 Stunden in der Woche. Wenn sie Pflichtpraktika machen müssen oder auch Abschlussarbeiten schreiben, ist das alles im Rahmen dieses Vertrags. Sind sie dann länger als zwei Jahre bei IAV Studierende in Praxis und haben ihre Abschlussprüfung bestanden, dann werden sie grundsätzlich in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen.

Wurden Entgeltstufen vereinbart?
Die Studierenden in Praxis erhalten die tarifliche Entgeltgruppe I/1 des Mantel- und Entgelttarifvertrags von IAV, das sind zurzeit 13,98 Euro pro Stunde. Dieser Betrag steigt bei jeder Tariferhöhung mit an.

Es gibt auch Bonuszahlungen…
Wer länger als zwei Jahre im Unternehmen ist, wird an den unternehmensergebnisbezogenen Einmalzahlungen zu 50 Prozent beteiligt.

Wie wird der Urlaub geregelt?
So wie in unseren anderen Tarifverträgen auch: Es gibt die üblichen 30 Arbeitstage im Jahr, natürlich dann entsprechend der im Arbeitsvertrag festgelegten Arbeitszeit.

Es soll auch regelmäßige Gespräche zur individuellen beruflichen Entwicklung geben.
Ja, die Studierenden haben mit ihren Betreuerinnen und Betreuern aus den jeweiligen Abteilungen Orientierungsgespräche. Dabei werden die Lernziele, Projektinhalte, der Studienverlauf sowie die Ausbildungsplanung und die anstehenden Qualifizierungsmaßnahmen besprochen.

Auch für Doktoranden, Referendare und Praktikanten gibt es Regelungen. Was kommt auf die zu?
Doktoranden und Referendare werden ebenfalls in die tariflichen Entgeltgruppen eingruppiert. Das macht zum Beispiel für Doktorandinnen und Doktoranden derzeit 2.657,13 Euro im Monat. Ihre Arbeitszeit beträgt 18 Stunden die Woche – und 20 Stunden stehen ihnen dann für ihre Promotion zur Verfügung. Auch sie werden danach übernommen. Praktikanten und Studierende, die ihre Abschlussarbeiten schreiben, bekommen 800 Euro im Monat.

Wie viele betrifft der Tarifvertrag?
Bei IAV sind über 300 Studierende. Von den Regelungen werden also eine ganze Menge Kolleginnen und Kollegen profitieren.

Warum arbeiten so viele Studierende in diesem Betrieb?
IAV hat schon seit der Gründung des Unternehmens eine enge Bindung an die universitäre Forschung und damit an Studierende.

Die IG Metall ist eine große und recht durchsetzungsfähige Gewerkschaft, und der Metall- und Elektroindustrie geht es verhältnismäßig gut. Kann das Vertragswerk dennoch Vorbild für andere Branchen sein?
Auf jeden Fall. Überall in Betrieben, in denen Studierende arbeiten, Praktika absolvieren oder wissenschaftliche Arbeiten verfassen, ist es wichtig, dass sie dies zu guten tarifvertraglichen Bedingungen tun. Der Tarifvertrag für Studierende bei IAV zielt eben genau darauf ab: Er ist Gütesiegel für transparente und innovative Arbeits- und Ausbildungsbedingungen vom Anfang bis zum Ende des Studiums. Das ist branchenübergreifend anwendbar.

Welche Vorteile bietet ein solcher Vertrag für einen Betrieb?
Im Wettbewerb um topqualifizierte Fachkräfte ist der Tarifvertrag ein klares Werbeargument. Die Studierenden werden optimal durch ihr Studium begleitet und haben dann natürlich auch Erfahrungen mit einem guten Arbeitgeber gesammelt. Das bindet Studierende an das Unternehmen. Mit dem Abschluss des IG Metall-Tarifvertrags zeigt das Unternehmen eine nachhaltige Personalentwicklungsstrategie.


Garnet Alps ist Bezirkssekretärin der IG Metall für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Kontakt: www.igmetall-niedersachsen-anhalt.de


(aus der Soli aktuell 3/2016, Autorin: Soli aktuell)

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