Deutscher Gewerkschaftsbund

Wir schaffen Werte: Die Junge BAU

Gewerkschaftsjugend: IG BAU-Bundesjugendsekretärin Natascha Ponczeck über ihren Organisationsbereich und die Arbeit am Bau.

Die Junge BAU

Natascha Ponczeck (3. v. l.) mit der Jungen BAU. © Junge BAU

Natascha, von allen Gewerkschaften im DGB habt ihr an einer Stelle etwas Besonderes: Das Baugewerbe ist die einzige Branche mit einer Umlagefinanzierung. Warum lässt die sich nicht überall installieren?
Auf die Ausbildungsförderung per Tarifvertrag, die durch eine Umlage von allen Baubetrieben finanziert wird, sind wir besonders stolz. Umgesetzt wird dieser Prozess durch die Sozialkasse der Bauwirtschaft, SOKA-Bau. Natürlich ist die Ausbildungsförderung auch ein Vorbild für andere Branchen, eine gemeinsame Einrichtung mit den Arbeitgebern wie die Sozialkasse ist hier aber die Grundlage.

Darüber hinaus…
…besteht auch bei Dachdeckern, Gerüstbauern und Steinmetzen ein Umlageverfahren. Zudem laufen für das Maler- und Lackiererhandwerk intensive Gespräche zur Einführung. Da aber alle Betriebe einer Branche einen Finanzierungsbeitrag leisten müssen, obwohl nur ungefähr 30 Prozent tatsächlich ausbilden, ist die tarifvertragliche Umsetzung auf Arbeitgeberseite schwierig.

Geht auch bei euch der Trend weg von der traditionellen Ausbildung hin zum dualen Studium?
Die Zahl der dual Studierenden ist in der letzten Zeit tatsächlich angestiegen. Wir freuen uns, wenn Schulabgänger die Chancen der Verbindung von Beruf und Studium am Bau nutzen. In den Handwerksbranchen bleibt aber die traditionelle Ausbildung die wichtigste Säule.

Gibt es nicht derzeit einen Bauboom? Es wird ja immer von großen Anstrengungen beim Wohnungsbau gesprochen…
Ja, der Bau boomt. Viele Betriebe suchen händeringend Nachwuchs. Dabei sind die Berufe am Bau nicht nur augenscheinlich attraktiv: Bereits in der Ausbildung wird eine der höchsten Vergütungen gezahlt. Die Berufsinhalte sind vielfältig, fördern die Kreativität und schaffen Werte. Man kann sich vorstellen, wie stolz es macht, wenn man seinen Freunden oder der Familie die Häuser zeigen kann, die man mit der eigenen Hände Arbeit erschaffen hat.

Ist Arbeitszeitverkürzung dann bei euch überhaupt ein Thema?
Natürlich wird das Thema diskutiert. Es ist aber etwas anders als bei einer Schicht im Industriebetrieb: Wichtig ist für uns auch, wie man die Arbeit alternsgerecht gestalten kann. Dabei spielt die tägliche und wöchentliche Arbeitszeit auch eine immer stärkere Rolle. Allerdings bleibt durch die Witterungsabhängigkeit der Branchen für Arbeitszeitverkürzungen wenig Spielraum, auch wenn es gewerkschaftspolitisch sinnvoll wäre. Flexible Arbeitszeitregelungen, die einen verstetigten Monatslohn sicherstellen, sind da die besseren Lösungen.

"Wir brauchen für alle Menschen, die in Deutschland wohnen, Wohnraum, der finanzierbar ist. Dies gilt es sowohl für die finanziell Schwächeren als auch die Flüchtlinge umzusetzen."

Berührt das Thema Migration und Flüchtlinge euren Arbeitsbereich?
Natürlich. Unser Bundesvorsitzender Robert Feiger hat unlängst das Problem des sozialen Wohnungsbaus angesprochen. Wir brauchen für alle Menschen, die in Deutschland wohnen, Wohnraum, der finanzierbar ist. Dies gilt es sowohl für die finanziell Schwächeren als auch die Flüchtlinge umzusetzen. Und mit unserem für Jugend zuständigen Vorstandsmitglied Carsten Burckhardt haben wir als Junge BAU einen starken Mitstreiter in der antifaschistischen und antirassistischen Arbeit. Wir haben zusammen mit dem PECO-Institut für nachhaltige Entwicklung ein Projekt initiiert, um gegen Fremdenhass vorzugehen. Und wir haben unser diesjähriges Sunrise-Festival im Mai unter das Motto "Refugees Welcome" gesetzt, um dieses Thema zu beleuchten und aktiv zu werden.

Ist Bauarbeit – oder die Baubranche – immer noch Männersache oder hat sich da etwas verschoben?
Da hat sich schon einiges getan. Natürlich unterstützen wir diesen Prozess. In der neuen Ausgabe der "Bau-Zeitung", die Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter bundesweit auf den Baustellen und in den Betrieben verteilen, greifen wir das Thema auf und berichten über eine taffe Frau am Bau. Weiterhin haben wir, wiederum mit dem PECO-Institut, ein Projekt aufgelegt, das über die Attraktivität der Berufe am Bau für Frauen informiert.

Du bist die einzige Frau, die eine Jugendabteilung einer DGB-Gewerkschaft leitet…
Die typische Frage, die man einer Frau stellt! Mit meinen Kollegen habt ihr darüber nicht geredet – dabei wäre deren Antwort doch durchaus interessant. Es ist schwierig, dazu allgemein etwas zu sagen: Aus meiner Erfahrung heraus macht es sehr wohl einen Unterschied, ob man die einzige Frau unter Männern ist oder eine durchmischte Gruppe. Frauen gehen Themen durchaus emotionaler an, wo Männer einfach ihr Pokerface aufsetzen. Meine Amtsbrüder sind aber alle sehr nett und keiner hat irgendwelche Macho-Allüren. Manchmal ist es sogar so, dass ich als Vertreterin der IG BAU einen robusteren Umgang mit ihnen pflege, als sie mit mir.

Wie viele Mitglieder hat die IG BAU? Würdest du sagen, ihr seid erfolgreich mit eurer Arbeit?
Wir haben etwa 280.000 Mitglieder, um die 30.000 in der Jugend. Sicherlich kann man immer etwas verbessern, aber wir haben motivierte Haupt- und Ehrenamtliche, die ihre IG BAU nach vorne bringen.

Was willst du ganz persönlich mit deiner Arbeit erreichen?
Für mich nimmt die Stärkung der Solidargemeinschaft in der IG BAU einen ganz großen Stellenwert ein. Denn nur mit einer starken Gemeinschaft können wir für bessere Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen in unseren Branchen sorgen. Auch möchte ich die Ansprachekonzepte in den Berufsschulen erneuern. Mein ganz persönliches Steckenpferd ist es jedoch, unsere Junge BAU in der IG BAU breit aufzustellen, sei es in den Gremien, in der Bildungsarbeit oder direkt an der Basis.

Was steht bei euch derzeit auf der Agenda?
In allernächster Zeit natürlich die Verhandlung des Tarifvertrages im Bauhauptgewerbe und die Vorbereitung unseres Sunrise-Festivals.

(aus der Soli aktuell 3/2016, Autorin: Soli aktuell)

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