Deutscher Gewerkschaftsbund

Arbeitsszeit: Genug ist genug - Die BBiG-Reform

BBiG-Reform – die Kampagne der DGB-Jugend: Ausbildung braucht mit Sicherheit keine Überstunden. Von André Schönewolf

André Schönewolf

© Privat

Unser Ausbildungsreport hat es an den Tag gebracht: 38,1 Prozent der befragten Azubis leisten regelmäßig Überstunden. Besonders im Hotel- und Gaststättengewerbe und im Lebensmittelhandwerk geht’s rund: 58,6 Prozent der befragten Hotelfachleute und 57,1 Prozent der Köch_innen gaben an, regelmäßig länger zu arbeiten.

Es ist erschreckend, festzustellen, dass es tatsächlich ein Prozent der Auszubildenden gibt, die regelmäßig sage und schreibe mehr als 20 Überstunden pro Woche leisten. Der Durchschnittswert liegt bei immerhin rund 4,3 Stunden. Und für die Auszubildenden ist es oftmals schwierig, sich gegen die Überstunden zu wehren.

Der Ausbildungsrahmenplan regelt, in welchem Zeitraum die Auszubildenden welche Inhalte lernen sollen. Überstunden sind daher in diesem Lernverhältnis nicht notwendig. Die Gewerkschaftsjugend fordert daher, dass § 17 Absatz 3 des Betriebsverfassungsgesetzes (BBiG) dahingehend ergänzt wird, dass es künftig keine Beschäftigung, die über die vereinbarte regelmäßige wöchentliche Ausbildungszeit hinausgeht, geben darf. Wochenendarbeit für Auszubildende darf nur zulässig sein, wenn die Ausbildungsinhalte nicht unter der Woche vermittelt werden können.

Nix drüber gelbe Schrift

Arbeiten ohne Ende finden wir an anderer Stelle aber super: Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und der daraus resultierenden Herausforderung bei der Fachkräftesicherung für die Wirtschaft treten wir dafür ein, dass ausgebildete Fachkräfte grundsätzlich unbefristet weiterbeschäftigt werden. Eine sichere Perspektive ist gerade für junge Menschen wichtig.

Für andere Fälle sollte der § 24 BBiG analog zum § 78a Betriebsverfassungsgesetz formuliert und die dreimonatige Ankündigungsfrist bei beabsichtigter Nicht-Übernahme auf alle Auszubildenden ausgeweitet werden.


André Schönewolf ist der Ausbildungsexperte der DGB-Jugend.


(aus der Soli aktuell 2/2016, Autor: André Schönewolf)

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BBiG: Wir machen Ausbildung besser
Die DGB-Jugend kämpft für eine grundlegende Verbesserung der dualen Ausbildung. Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) ist das zentrale Gesetz für die berufliche duale Ausbildung in Deutschland. Und es ist veraltet: Es gibt deshalb noch immer kein Recht auf Ausbildung, die Finanzierung bleibt ungeklärt, die Weiterbildung ist ein ziemlich weißer Fleck des Rechtssystems.

Die Zusammenarbeit von Berufsschule und Ausbildungsbetrieb – die Lernortkooperation – wurde nicht verbessert und die Fortentwicklung der Mitbestimmungsstrukturen bisher überhaupt nicht in Erwägung gezogen. Auch wenn es einige Verbesserungen gab, waren die Veränderungen überschaubar und die größeren Herausforderungen blieben unangetastet.

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