Deutscher Gewerkschaftsbund

Azubis sind Fachkräfte: Die tariflichen Ausbildungsvergütungen

Die tariflichen Ausbildungsvergütungen sind auch 2015 gestiegen – doch bei den Verdiensten gibt es große Unterschiede zwischen den Berufen. Das ist nicht richtig.

Plus rund vier Prozent
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat die Auswertung der tariflichen Ausbildungsvergütungen für das Jahr 2015 veröffentlicht und dabei die Werte von 180 Berufen in West- und 149 Berufen in Ostdeutschland ermittelt. Das Ergebnis: Die tariflichen Ausbildungsvergütungen sind 2015 deutlich gestiegen. Im Westen verdienten Auszubildende im Schnitt 832 Euro brutto im Monat, im Osten waren es 769 Euro. Das entspricht einem Plus von 3,7 Prozent (West) bzw. 4,3 Prozent (Ost) gegenüber dem Vorjahr. Für das gesamte Bundesgebiet lag die durchschnittliche tarifliche Ausbildungsvergütung 2015 bei 826 Euro im Monat (plus 3,9 Prozent).

Nachwuchsmangel und bessere Bezahlung
Grund für die positive Entwicklung sind vor allem die wachsenden Schwierigkeiten vieler Betriebe, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Um für den Nachwuchs attraktivere Bedingungen zu schaffen, wurden die Vergütungen in den letzten Jahren deutlich angehoben. Entsprechend gab es in Berufen, die unter großem Bewerbungsmangel leiden, zum Teil sehr deutliche Zuwächse. Azubis im Beruf "Fachkraft für Systemgastronomie" verdienten 2015 glatte 7,7 Prozent (West) bzw. 9,3 Prozent (Ost) mehr als im Jahr zuvor. Ganz wichtig: "Azubis, die in Betrieben mit Tarifvertrag arbeiten, verdienen im Schnitt 3,7 Prozent mehr. Gewerkschaftsmitgliedschaft zahlt sich also aus", sagt DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller.

Arme Friseur-Azubis
Trotz der günstigen Verdienstentwicklung gibt es aber viele Berufe, in denen die Ausbildungsvergütung sehr gering ist. Zwischen den Branchen, aber auch zwischen Ost und West bestehen zum Teil erhebliche Unterschiede. So verdient ein Auszubildender im Beruf Maurer_in in Westdeutschland durchschnittlich 1.057 Euro brutto im Monat. Wer in Ostdeutschland Friseur_in lernt, muss sich mit 269 Euro begnügen. "Das reicht nicht, um eigenständig zu leben", kritisiert Haggenmiller.

Auch niedrig waren die tariflichen Vergütungsdurchschnitte in den Berufen Florist_in (West: 587 Euro, Ost: 422 Euro), Bäcker_in (West und Ost: 600 Euro) Maler_in und Lackierer_in (West und Ost: 627 Euro).

Verbessert die Ausbildung
Unterm Strich gilt: Wenn Betriebe für Jugendliche attraktiv sein wollen, müssen sie ihre Auszubildenden gut bezahlen, an der Qualität der Ausbildung arbeiten, mehr Azubis übernehmen – kurz: die Ausbildungsbedingungen erheblich verbessern. Es ist gut, dass die Gewerkschaften in den Tarifverhandlungen oft höhere Ausbildungsvergütungen durchsetzen konnten. Sie stärken so die duale Berufsbildung.


Weitere Infos zu den Tarifen: www.bibb.de/ausbildungsverguetungen-2015


(aus der Soli aktuell 2/2016, Autorin: Soli aktuell)

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