Deutscher Gewerkschaftsbund

Die Bildungsgewerkschaft im DGB: Die GEW

Gewerkschaftsjugend: Wie die Arbeit der Jungen GEW funktioniert, erklärt Stefan Pfaff, politischer Referent der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Stefan Pfaff

© GEW

Freut sich auf die "GEWolution": Stefan Pfaff

Stefan, wie würdest du die Junge GEW beschreiben?
In der Jungen GEW engagieren sich viele ehrenamtlich aktive Menschen aus allen pädagogischen Berufen. Ihre Arbeit ist eine Mischung aus klassischer Gewerkschaftsarbeit – Tarif, Rechtsschutz, Beratung – und der einer pädagogischen und wissenschaftlichen Fachorganisation.

Eine Jugendabteilung mit Bundesjugendsekretär hat die GEW nicht, oder?
Das stimmt. Als Spezifikum haben wir zwei Jugendorganisationen in der GEW – die junge GEW sowie die Studentinnen und Studenten. Deshalb liegt die Zuständigkeit auf Hauptvorstandsebene bei zwei Abteilungen. Statt eines Bundesjugendsekretärs gibt es zwei Referent_innen samt jeweiligen Sekretariaten. Die beiden Nachwuchsorganisationen setzen sich seit geraumer Zeit für eine Bundesjugendsekretärsstelle ein. Zudem sind die starken Landesverbände mit ihren jeweiligen Jugendstrukturen für die GEW charakteristisch – das ist angesichts des Bildungsföderalismus auch notwendig.

Wer sind die jungen Mitglieder in der GEW?
Unsere Mitglieder sind Fachschüler_innen mit Ausbildung zu Erzieher_innen, Studierende, Referendar_innen und junge Berufstätige in pädagogischen und wissenschaftlichen Berufen bis zu einem Alter von 35 Jahren. Die GEW vertritt über 280.000 Mitglieder, davon gehören rund 20 Prozent zur Jugend, über 70 Prozent sind Frauen. Die meisten sind Akademiker_innen, 57 Prozent unserer berufstätigen Mitglieder sind Beamte. Stolz sind wir auf unsere seit acht Jahren stetig steigenden Mitgliedszahlen. Wir sind die Bildungsgewerkschaft im DGB.

Viele junge Menschen überzeugen wir durch eine regelmäßige Präsenz vor Ort in Ausbildungsstätten – mit Materialien, Beratung und inhaltlichen Veranstaltungen – über den ganzen Weg vom Studien- bzw. Fachschulbeginn bis zum Berufseinstieg. Das übernehmen vor allem unsere örtlichen Gliederungen, unterstützt von den Landesverbänden. Koordiniert wird dies durch das Mitgliederwerbe- und -bindungsprojekt auf Hauptvorstandsebene. Weiterhin gewinnen wir in Tarifauseinandersetzungen Mitglieder.

Wo drückt der Schuh am meisten?
Sehr viele Fragen und Schwierigkeiten unserer jungen Kolleg_innen drehen sich rund um den Themenkreis Ausbildung/Studium/Berufseinstieg, um schlechte Studienbedingungen, Probleme im Referendariat sowie eine schlechte Einstellungssituation. Zudem ist die Qualität der Ausbildung von Bundesland zu Bundesland etwa beim Lehramtsstudium sehr unterschiedlich. Und: Lehrkräfte werden in den Ländern sehr unterschiedlich bezahlt.

Und das Studium?
In den vergangenen Jahren wurden immer mehr Prüfungen eingeführt, es wird viel auswendig gelernt, die Studienpläne sind starrer geworden und viele Freiräume sind aus dem Studium verschwunden. Dabei sollte der Bologna-Prozess das Studium eigentlich moderner und flexibler machen. Für viele ist außerdem nach dem Bachelor Schluss, weil es deutlich zu wenige Masterstudienplätze gibt. Deshalb sagen wir: Der Bologna-Prozess muss neu gestartet werden. Im Studium muss Platz sein für eigene Schwerpunktsetzungen und kritische Bildung. Wir erwarten eine kritische Berufsorientierung, nicht nur die Anpassung an kurzfristige Unternehmensinteressen. Und ausreichend Studienplätze für alle, die studieren wollen, und endlich ein bedarfsdeckendes BAföG, das man nicht zurückzahlen muss.

Wie macht sich Prekarität in eurer Branche bemerkbar?
Immer mehr Menschen im Bildungsbereich sind prekär beschäftigt. In der Wissenschaft führen die Einstellungsverträge zu Dauer- und Kettenbefristungen, die Verträge laufen oft nur sehr kurz. Mit der Kampagne "Traumjob Wissenschaft" ist es der GEW gelungen, bei der Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes einige Verbesserungen durchzusetzen. Insbesondere die Weiterbildung ist völlig unterfinanziert, so dass der Großteil der Kolleg_innen in der Erwachsenenbildung unter prekären Arbeitsverhältnissen mit mieser Bezahlung leidet. Es trifft aber auch angestellte Lehrkräfte, deren Stellen regelmäßig zu Beginn der Sommerferien auslaufen, damit die Bundesländer sich die Gehaltszahlung über die Ferien sparen. Nach Ferienende werden sie meist wieder (befristet) eingestellt.

Sind die Geflüchteten bei euch ein Thema?
Auf jeden Fall! Dabei treibt uns unter dem Stichwort Bildung in der Migrationsgesellschaft zum Beispiel die Frage um, wie die Geflüchteten schnell und gut in Bildungsinstitutionen aufgenommen und wie die dafür notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden können. Unser Motto hierbei: Refugees welcome!

Wie schätzt du die Position der jungen Generation in der GEW ein? Welchen Stellenwert hat sie?
Die fast ausschließlich ehrenamtlich tätigen jungen Aktiven sind gut in der GEW vernetzt und auf Bundesebene bei der Vorsitzenden bzw. ihrem Stellvertreter hochrangig in der Organisation angebunden. Da die Fluktuation in Junger GEW und bei den Studierenden hoch ist, müssen sich die Aktiven ihren Platz in der Organisation immer wieder neu erobern.

Wie seht ihr euer Verhältnis zur DGB-Jugend und zu den Gewerkschaftsjugenden der "großen" Gewerkschaften?
Wir haben sowohl zur DGB-Jugend als auch zu den großen Gewerkschaften ein sehr gutes Verhältnis und profitieren von deren Expertise – auch wenn wir uns auf unsere Themen als Akademiker_innen- und Öffentliche-Dienst-Gewerkschaft konzentrieren und es nicht immer Schnittmengen gibt.

Was möchtest du persönlich mit der Jungen GEW erreichen?
Ich freue mich sehr auf die "GEWolution", die Konferenz junger GEWerkschafter_innen, die an Pfingsten in Rotenburg an der Fulda stattfindet. Anschließend steht dann der Gewerkschaftstag 2017 vor der Tür, auf den wir uns intensiv vorbereiten werden und wo wir einen erfolgreichen Auftritt hinlegen wollen. Das Megathema ist der Generationenübergang bei unseren Funktionär_innen. Ich hoffe, dass es bei den nächsten Wahlen in den Gliederungen der GEW zu einer spürbaren Verjüngung kommt.


(aus der Soli aktuell 2/2016, Autorin: Soli aktuell)

Hier geht's zum Soli-Archiv

WIR IM SOCIAL WEB