Deutscher Gewerkschaftsbund

Mehrere Jobs kombinieren: Arbeit und Studium

Rumhängen war früher: Viele Studierende haben heute schon mehrere Jobs. Was sie dabei beachten müssen, sagt students-at-work-Beraterin Andrea Kirschtowski.

Logo der Online-Beratung namens 'Students at work' von der DGB Jugend

Freibeträge und Grenzen
Wo immer es Einkommensgrenzen bzw. Freibeträge gibt, müssen die Einkünfte aus allen Tätigkeiten in der Regel zusammengezählt werden. Das gilt insbesondere bei BAföG, Wohngeld, Krankenkassen, Einkommens- und Lohnsteuer und beim ALG II.

Steuern
Einkommenssteuer wird fällig, wenn die Summe aller deiner Einkünfte so hoch ist, dass sie deinen Freibetrag übersteigt. Wenn du mehrere abhängige Beschäftigungen ausübst, werden diese eventuell über unterschiedliche Lohnsteuerklassen abgerechnet.

Informations- und Meldepflichten
Du bist verpflichtet, allen deinen Arbeitgebern alle für die korrekte Anmeldung relevanten Informationen zukommen zu lassen. Denk daran, dass du zu Semesterbeginn bei allen Arbeitsstellen eine Immatrikulationsbescheinigung einreichen musst. Auch wenn du deine letzte Prüfungsleistung erbracht hast, musst du das dem Arbeitgeber mitteilen. Ab diesem Zeitpunkt endet der Werkstudentenstatus in der Sozialversicherung. Außerdem bist du verpflichtet, immer allen jeweiligen Arbeitgebern deine jeweils anderen Jobs mitzuteilen.

Arbeitszeit
Eine tägliche Arbeitszeit von mehr als zehn sowie eine vertragliche Wochenarbeitszeit von mehr als 48 Stunden in abhängiger Beschäftigung sind gesetzlich verboten. Hier werden die Arbeitszeiten aller abhängigen Beschäftigungen (Minijob, Midijob, kurzfristige Beschäftigung, reguläre Beschäftigung), zu denen du vertraglich verpflichtet bist oder die du tatsächlich ableistest, zusammengerechnet. Auch sind die gesetzlichen Pausen- und Ruhezeiten bei mehreren Jobs zu beachten.

Besteht bereits ein Arbeitsverhältnis und wird mit einem weiteren Arbeitgeber ein Vertrag geschlossen, durch den eine dieser Grenzen überschritten würde, ist dieser Arbeitsvertrag nichtig. Man kann sich allenfalls mit dem Arbeitgeber einigen, dass der Vertrag nur für den gesetzlich erlaubten Arbeitszeitumfang gilt.

Verbot der Mehrfachbeschäftigung
Ein Arbeitsverbot in einem anderen Job/Unternehmen ist nur in wenigen Ausnahmefällen möglich, z. B. wenn es sich inhaltlich um gegensätzliche Interessen – etwa bei Tendenzbetrieben – handelt.

Urlaub
Während des gesetzlichen Urlaubs darfst du keiner Tätigkeit nachgehen, die dem Urlaubszweck entgegensteht. Das heißt, dass du bei mehreren Jobs darauf achten musst, deinen Urlaub zeitgleich zu nehmen. Urlaub im einen Job zu nehmen, um eine Zusatzschicht im anderen zu fahren, ist nicht erlaubt! Auch das geht nicht: im Sommer vier Wochen Urlaub nehmen und dann in dieser Zeit einem – vielleicht besser bezahlten – Ferienjob nachgehen.

Krankheit
Wenn du krank wirst und dich arbeitsunfähig schreiben lässt, teile dies immer umgehend allen deinen Arbeitgebern mit! Nur so behältst du deinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung, den du in allen deinen abhängigen Beschäftigungen laut Gesetz hast.

Sprich im Vorfeld schon mal ab, wie du und deine Arbeitgeber damit umgehen wollt, dass nur einer von ihnen das Original deiner Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bekommen kann.


Ausführliche Infos findet ihr auf http://jugend.dgb.de/-/XhB

(aus der Soli aktuell 11/2016, Autorin: Andrea Kirschtowski)

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Zahlen zum Studium: Arbeitszeiten, Wohnen, Geld, NC, Frauen und Männer

Sie werden immer mehr: Etwa 2,8 Millionen (2012: 2,5 Millionen) studieren im Wintersemester 2016/17, überwiegend an den rund 240 Hochschulen in staatlicher Trägerschaft, Tendenz steigend. Seit Jahren strömen jeweils 500.000 Erstsemester_innen an die Unis.
 
Arbeitswoche: Laut Deutschem Studentenwerk wenden Studis in Deutschland im Schnitt 35 Wochenstunden für Vorlesungen, Seminare, Hausarbeiten und Recherchen an ihrer Uni auf. Hinzu kommen etwa sieben Stunden für Nebenjobs. Und gut jeder Fünfte muss neben der Hochschule für seinen Lebensunterhalt so viel arbeiten, dass er "faktisch Teilzeit" studiert.

BAföG hilft nicht mal einem Viertel: Knapp drei Milliarden Euro kostete die Ausbildungsförderung letztes Jahr. Damit wurden 611.000 Studierende gefördert – vor vier Jahren waren es 60.000 mehr.
 
Wohnen: Gut 37 Prozent mehr Miete als vor sechs Jahren müssen Studierende für eine Wohnung in deutschen Großstädten hinblättern. Studierende wünschen sich zu:

  • 31 Prozent eine Bleibe mit Partner_in, eventuell auch mit Kind
  • 27 Prozent ein WG-Zimmer
  • 26 Prozent eine Wohnung alleine
  • 9 Prozent Studentenwohnheim.
  • 6 Prozent machen auf "Hotel Mama".

 
NC-Fächer: Das seit Jahren fehlerhafte Verteilsystem für begehrte Studienplätze mit Numerus-Clausus-Schranke (NC) soll besser werden. Die zuständigen 16 Bundesländer haben deshalb einen neuen Staatsvertrag abgeschlossen. Künftig werden auch besonders gravierende Mangelfächer – vor allem Human-, Zahn- und Tiermedizin sowie Pharmazie – ins "Dialogorientierte Serviceverfahren" integriert.
 
Gender-Studis: Frauen studieren lieber Geisteswissenschaften oder Soziales, bei technischen und naturwissenschaftlichen Fächern sind sie in der Minderheit. Bei Ingenieurwissenschaften, Fertigung und Bauwesen lag der Frauenanteil 2014 in Deutschland bei 21 Prozent. Im Ländervergleich hatte Brandenburg den höchsten Frauenanteil in diesen Fächern, drei von zehn Anfängern im technischen Bereich waren weiblich. Das Saarland hatte mit 15 Prozent die niedrigste Frauenquote. In Bio- und Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik lag der Frauenanteil im Bund bei 36 Prozent. Die Länderliste führten Sachsen-Anhalt und Brandenburg mit jeweils 41 Prozent an. Das Saarland war Schlusslicht mit 31 Prozent Frauenanteil. Im Gegensatz dazu war die Frauenquote bei Erziehungswissenschaften (74 Prozent), Gesundheit und Soziales (72 Prozent) sowie Geisteswissenschaften und Kunst (68 Prozent) besonders hoch. Relativ ausgeglichen war wiederum das Geschlechterverhältnis in den Fächergruppen der Sozial-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften.

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