Deutscher Gewerkschaftsbund

Eine engagierte Jugendorganisation: Die JUNGE GRUPPE in der GdP wird 50

Gewerkschaftsjugend: Am 19. Oktober 2016 feierte die JUNGE GRUPPE in der Gewerkschaft der Polizei (GdP) ihr 50-jähriges Bestehen. Ein Grußwort von DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller.

Junge Gruppe

© GdP

Gemeinsam aktiv: JUNGE-GRUPPE-Vorsitzender Kevin Komolka (l.) und DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller

Baustein der Gewerkschaftsjugend
Die JUNGE GRUPPE ist – verglichen mit der IG-Metall-Jugend oder der ver.di Jugend – eine der kleinen Gewerkschaftsjugenden unter dem Dach der DGB-Jugend. Aber sie ist ein elementarer Bestandteil der Gewerkschaftsjugend und sie leistet einen wichtigen Beitrag zu den gesellschafts- und gewerkschaftspolitischen Debatten innerhalb der DGB-Jugend.

Wie bedeutsam – das möchte ich euch in einer kleinen Anekdote vom DGB-Bundeskongress 2014 erzählen: Wir hatten in der DGB-Jugend viele und lange Diskussionen um Aktionen des zivilen Ungehorsams, z. B. bei der Unterstützung des Bündnisses "Dresden Nazifrei". Es ging und geht dabei um die zentrale und auch heute noch aktuelle Frage, ob es für die Gewerkschaftsjugend legitim ist, sich einer Demonstration von Neonazis in den Weg zu stellen, obwohl diese legal genehmigt wurde.

Wir haben lange darüber innerhalb der Gewerkschaftsjugend diskutiert und um einen Kompromiss gerungen, der auch die Perspektive der Kolleg_innen im Polizeidienst in den Blick nimmt. Und so kam es, dass auf dem letzten Ordentlichen DGB-Bundeskongress ein Kollege der JUNGEN GRUPPE für einen Antrag des DGB-Bundesjugendausschusses zum zivilen Ungehorsam in die Bütt ging und sagte: "Als Polizist im Dienst kann ich Aktionen des zivilen Ungehorsams und derartige Regelverstöße nicht gutheißen. Aber menschlich und als Kollege kann ich sie verstehen."

Perspektive Mensch
Menschlich, das ist in meinen Augen eine ganz wesentliche Perspektive. Denn der Redner hat in diesem kurzen Satz das Spannungsfeld dargestellt, in dem sich die JUNGE GRUPPE und jeder einzelne befindet. Polizist_innen sind Exekutive, sie führen die Staatsgewalt aus – aber sie sind auch Menschen!

Eben auf dieses Spannungsfeld aufmerksam zu machen, das gelingt ihr großartig mit der Kampagne "Auch Mensch". Denn Fakt ist: Gewalt ist ständig präsent im Berufsalltag von Polizist_innen, und die Zahl der Übergriffe nahm in den vergangenen Jahren kontinuierlich zu.

Ich bin sehr dankbar, dass die JUNGE GRUPPE Gewalt und Gewalterfahrungen im Berufsalltag zum Thema in der Gewerkschaftsjugend gemacht hat. Wir hatten vor zwei Jahren im DGB-Bundesjugendausschuss eine Diskussion um die so genannten Spuckhauben, die dazu dienen sollen, Polizist_innen im Dienst vor körperlichen Angriffen wie Spucken oder Beißen zu schützen. Im Austausch mit anderen Kolleg_innen ist deutlich geworden, dass Angespuckt werden nicht nur trauriger Berufsalltag der Polizist_innen ist, sondern auch der von Kolleg_innen, die in der (psychiatrischen) Krankenpflege oder als Zugbegleiter_innen tätig sind. Und die sich ebenfalls fragen, wie sie sich schützen können, ohne die Menschen- und Persönlichkeitsrechte anderer zu verletzen.

Gestaltende Kolleg_innen
Darin liegt für mich die Stärke des DGB und der DGB-Jugend: Wir bringen junge Menschen aus unterschiedlichen Branchen, Berufsgruppen und gesellschaftlichen Bereichen zusammen, die eins gemeinsam haben: Sie sind junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

1966, im Jahr der Gründung der JUNGEN GRUPPE, war die eigenständige Jugendarbeit in den Gewerkschaften keine Selbstverständlichkeit. Und erst recht nicht in der Polizei! Der erste gewählte Bundesjugendvorsitzende, Horst Geier, hat dazu bereits nach zwei Jahren resümiert: "Unserer Organisation ist es in harter Arbeit gelungen, bereits vieles von traditionsbeladenem Apparatdenken und von alten Zöpfen abzuschneiden."

Ich glaube, das ist wirklich gelungen. Die Gewerkschaftsjugend verändert sich und die JUNGE GRUPPE gestaltet sie mit: Ich bin 1982 geboren, und damals kam die Mehrheit der jungen Kolleg_innen aus dem klassischen Facharbeitermilieu. Heute bin ich Bundesjugendsekretär des DGB und ich sehe ein differenzierteres Bild: Natürlich gibt es weiterhin noch viele junge Auszubildende aus den großen Betrieben, aber sie finden sich heute in einer Gewerkschaftsjugend wieder, in der sich auch junge Studierende engagieren. Sie ist dabei so vielfältig geworden wie die Lebensverläufe der jungen Generation: Arbeiterkinder, die studieren; Student_innen mit unterschiedlicher sozialer Herkunft, die nebenbei arbeiten; junge Akademiker_innen, die mit einem prekären Berufseinstieg zu kämpfen haben; junge Migrant_innen; Menschen aus einer umfassenden Bandbreite von Berufen…

Wir alle streiten gemeinsam in der Gewerkschaftsjugend für gute Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen. Wir kämpfen gemeinsam für soziale Gerechtigkeit! Ich bin sehr dankbar, dass die JUNGE GRUPPE ein so aktiver Teil der Gewerkschaftsjugend ist!


(aus der Soli aktuell 11/2016, Autor: Florian Haggenmiller)

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Geburtstagsparty bei der JUNGEN GRUPPE
Seit fünf Jahrzehnten zeichnet sich die JUNGE GRUPPE der GdP durch eine engagierte und jugendfördernde Arbeit aus, die zugleich kritisch die gesellschaftlichen Entwicklungen innerhalb der Polizei und darüber hinaus begleitet. Rückblickend und zugleich vorwärtsgewandt versammelten sich am 18. und 19. Oktober 2016 rund 150 GdP-Mitglieder und Gäste in Berlin anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Jugendorganisation. 1966 hatte sich eine noch recht junge Gewerkschaft der Polizei entschieden, dem Wunsch der Landesbezirke Nordrhein-Westfalen und Berlin nach einer Vermittlung zwischen Alt und Jung zu entsprechen und die Schaffung einer "jungen aktiven Gruppe" voranzutreiben.


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