Deutscher Gewerkschaftsbund

Jugend gestaltet: Die Sommerakademie der DGB-Jugend

Die Sommerakademie der DGB-Jugend zum Demokratieverständnis.

Staat und Gewerkschaft: Vom 19. bis zum 21. August fand im DGB-Bildungszentrum in Hattingen zum zweiten Mal die Sommerakademie der DGB-Jugend statt. Ein Wochenende lang befassten sich rund 50 junge Gewerkschafter_innen mit politischen Fragestellungen. Zentrales Thema in diesem Jahr war die Rolle von Staat und Gewerkschaft. "Es gibt da sehr viele komplexe Zusammenhänge: Die Gewerkschaften setzen sich für soziale Gerechtigkeit und eine entsprechend faire Verteilung ein. Der Staat ist Arbeitgeber und auch Auftraggeber. Es geht im Verhältnis zum Staat um unser Demokratieverständnis – Gewerkschaften stehen für demokratische Grundwerte", beschrieb DGB-Jugend-Referentin Tina Malguth die inhaltliche Ausrichtung des diesjährigen Treffens.

Sommerakademie Gruppenfoto 2016

Abschlussbild: Die Sommerakademie 2016

Ein Schwerpunkt der Sommerakademie lag – neben den Themenfeldern Sicherheitspolitik und demokratische Partizipation – auf der großen staatlichen Aufgabe der Integration von Geflüchteten. Das Thema wurde in mehreren Workshops und Panels aufgegriffen und diskutiert. "Bei der Integration von Geflüchteten stehen wir Gewerkschaften zum Teil auf dem Spielfeld, zum Teil aber auch am Spielfeldrand", sagte die DGB-Jugend-Referentin Julia Böhnke.

Betriebsräte und Jugendvertretungen hätten die Möglichkeit, direkte Maßnahmen zur Integration von Geflüchteten durchzuführen. Also praktisch auf dem Spielfeld der Integration. Am Beispiel des Projekts "Fakten statt Populismus", einer Argumentationshilfe der DGB-Jugend, diskutierten die Teilnehmenden des Workshops, wie wichtig es sei, die Belegschaften mitzunehmen, wenn es um Integration gehe. Andere Beispiele, wie etwa das berufliche Einstiegsprogramm "Start in den Beruf" der IG?BCE, zeigten, dass Gewerkschaften auch ihren tarifvertraglichen Handlungsspiel Handlungsspielraum nutzen können, um Integration aktiv mitzugestalten.

"Am Spielfeldrand stehen wir, wenn es darum geht, ob der Staat seinen Aufgaben bei der Integration von Geflüchteten nachkommt. Mit dem Blick auf die 'Schwarze Null' wurde der öffentliche Dienst systematisch kaputtgespart und ist nun, wo der Staat und die Gesellschaft wirklich vor einer Herausforderung stehen, teilweise nicht handlungsfähig. Das ist nicht im Sinne der Beschäftigten. Aber vor allem entspricht es nicht unseren gewerkschaftlichen Anforderungen an einen handlungsfähigen Staat", kritisierte Böhnke.

Neben den gewerkschaftlichen Handlungsmöglichkeiten wurde auch die Kehrseite der Integrationsdebatte beleuchtet. "Gelbe Hand"-Referent Mark Haarfeldt referierte im Panel "Integration von Geflüchteten und die Rolle von Gewerkschaften" und beschäftigte sich mit den rechtspopulistischen Positionen und Thesen der AfD.

In seiner Analyse machte er deutlich, dass diese Partei, neben den rassistischen Argumentationsmustern in Bezug auf Geflüchtete und den "Islam", auch aus sozialpolitischen Gesichtspunkten höchst problematisch sei, da sie für einen Abbau des Sozialstaates stehe. "All dies ist mit gewerkschaftlichen Werten nicht vereinbar", unterstrich Haarfeldt.

Die Gewerkschaftsjugend wird nach dieser Sommerakademie diese politischen Statements mehr denn je in ihre Strukturen tragen.


(aus der Soli aktuell 10/2016, Autorin: Soli aktuell)


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