Deutscher Gewerkschaftsbund

Mahnung und Besorgnis - Die Gewerkschaftsjugend in Lidice

Lidice

© DGB-Jugend Ostbayern

Gedenkkultur: Im tschechischen Lidice übergeben IG Metall-Jugendliche und DGB-Angehörige die Skulptur "Die Vergebung" in Erinnerung an die Greueltaten der Nazis.

Lidice in Tschechien, ungefähr 20 Kilometer nordwestlich von Prag, war am 28. Mai 1942 Schauplatz eines grauenvollen Geschehens: Die Nazis zerstörten sämtliche 93 Häuser der rund 500 Einwohner – als Vergeltungsmaßnahme für die Tötung ihres Statthalters in Tschechien, Reinhard Heydrich. 173 Männer wurden vor Ort erschossen, 200 Frauen kamen ins KZ, die Kinder wurden in speziellen Bussen vergast.

Lange ist dies her, aber nicht vergessen. Anlässlich der diesjährigen Gedenkfeierlichkeiten konnten – in Absprache mit der tschechischen Metallgewerkschaft OS KOVO und der Amberger IG Metall – deutsche Jugendliche für eine aktive Rolle gewonnen werden. Elf Azubis – alle¬samt IG?Metall-Mitglieder – diskutierten, konzipierten und fertigten in Eigenregie und Eigenarbeit eine Skulptur. Die Firma Grammer unterstützte das Projekt, indem sie Material, Arbeitszeit und Transportmittel unentgeltlich zur Verfügung stellte. Es war nichts vorgegeben, außer dass die Skulptur aus Metall sein und thematisch zu den Vorgängen am 28. Mai 1942 passen sollte. Als Ergebnis entstand das Werk "Die Vergebung".

An der Gedenkfeier diesen Sommer in Lidice nahmen sieben der Azubis, der JAV-Vorsitzende Lukas Hiersig, Ausbildungsleiter Gerhard Pilz und Vertreter_innen von DGB und DGB-Jugend teil. Jaroslav Soucek, der Vorsitzende von OS KOVO, sagte, mit ihrem Interesse und ihrer Skulptur hätten die Azubis einen wichtigen Beitrag "zum friedlichen Zusammenleben der Völker und für die gute Nachbarschaft von Böhmen und Bayern" geleistet.

Danach bestand die Gelegenheit, mit drei "Kindern von Lidice", die die damaligen Ermordungen überlebt hatten, zu diskutieren. Die Jugendlichen wollten wissen, wie sie heute über die Deutschen denken. Die Zeitzeugen betonten, dass sie sehr wohl registrierten, dass es gerade den Deutschen, die nach Lidice kommen, mit dem Gedenken ernst sei. Sie seien auch davon überzeugt, dass dies für die Mehrheit aller Deutschen gelte. Aktuelle Entwicklungen wie die fremdenfeindlichen Ausfälle von Pegida beobachteten sie allerdings mit Besorgnis.


(aus der Soli aktuell 8-9/2015, Autorin: Soli aktuell)