Deutscher Gewerkschaftsbund

Klingt leider nur gut: Die Euromilliarde

Eine Milliarde Euro legt die Europäische Kommission für ihre Jugendbeschäftigungsinitiative auf.

Die Europäische Kommission hat beschlossen, eine Milliarde Euro für Projekte der Jugendbeschäftigungsinitiative bereitzustellen. Dadurch wird die Finanzierung, die Mitgliedstaaten zur Förderung der Beschäftigung von jungen Menschen erhalten können, um das bis zu 30-Fache erhöht.

Sozialkommissarin Marianne Thyssen bezeichnet dies als beispiellos. Laut Thyssen kann diese Entscheidung bis zu 650.000 jungen Menschen helfen, einen Arbeitsplatz oder eine Ausbildungsstelle, ein Praktikum oder eine Weiterbildung zu finden. Unterm Strich bleiben dennoch mehr als sieben Millionen arbeitslose Menschen unter 25 Jahren in Europa. Die Kommission will mit ihrer Entscheidung erreichen, dass die Jugendgarantie, zu der sich alle europäischen Staaten verpflichtet haben, immerhin schneller umgesetzt werden kann.

"Eine Milliarde Euro für den Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit in Europa klingt gut", sagt Julia Böhnke. Die Referentin der DGB-Jugend und stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR) sieht aber den Kern des Problems woanders: "Die Jugendarbeitslosigkeit in den meisten europäischen Ländern entsteht nicht durch mangelhaft ausgebildete Jugendliche. Im Gegenteil: Diese Generation ist so gut qualifiziert wie noch keine vor ihr. Sie braucht regulär bezahlte und qualitativ gute Arbeitsplätze."

Deswegen müssten Arbeitgeber, Industrie und Wirtschaft in die Pflicht genommen werden. Und repräsentative Jugendvertreter_innen sollten an den Beratungen und Entscheidungen zur Jugendarbeitslosigkeit und Jugendgarantie in Europa beteiligt werden, weil sie die Bedarfe junger Menschen einbringen. Der DBJR hatte bereits Ende des Jahres 2013 mehr Engagement der europäischen Institutionen und Staaten zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit gefordert. Schon die seinerzeit bereitgestellten Mittel seien zu schmal bemessen gewesen.


Weitere Infos: www.dbjr.de


(aus der Soli aktuell 8-9/2015, Autorin: Soli aktuell)