Deutscher Gewerkschaftsbund

Eine Jugendstrategie für Europa: Unsere Konferenz am 1. und 2. Juli in Berlin

Am 1. und 2. Juli 2015 findet in Berlin die Konferenz der europäischen Gewerkschaftsjugend statt.

Haben die Programme gegen Jugendarbeitslosigkeit in Europa geholfen? Das will die Jugendorganisation des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB) genau wissen – und die Aktivitäten der letzten zwei Jahre bilanzieren. Am 1. und 2. Juli 2015 findet deshalb eine internationale Jugendkonferenz in Berlin statt. Über 100 Jugendliche und viele Vertreter_innen der europäischen Gewerkschaftsorganisationen werden sich über ihre Vorstellungen, wie es mit Europas junger Generation weitergehen soll, austauschen. Wir erinnern uns: Vor zwei Jahren schlug die Wirtschaftskrise voll auf den Arbeitsmarkt durch, getroffen hatten die Auswirkungen vor allem Jugendliche. Bis zu 60 Prozent der jungen Menschen waren etwa in Spanien und Griechenland arbeitslos, europaweit war es jeder vierte. Flugs wurden Hilfsprogramme aufgelegt, eine "Jugendgarantie" wurde ausgearbeitet: Jedem jungen Arbeitssuchenden sollte ein Job oder eine Ausbildung angeboten werden…

Heute müsste sich da doch eigentlich alles gebessert haben. Aber die durchschnittliche Arbeitslosenrate in der EU unter Menschen bis 27 Jahren liegt immer noch bei über 20 Prozent, mit Top-Werten von 50 Prozent in Griechenland. "Die Mittelvergabe ist an hohe bürokratische Auflagen geknüpft", kritisiert Michael Wagner, bei der DGB-Jugend zuständig für den Bereich Internationales. Die Gelder seien zum Teil nie abgerufen worden, auch weil sie als Nachtragshaushalte konzipiert worden seien. Die betroffenen Staaten hätten die Beträge vorschießen müssen. Und das war oft gar nicht möglich. Außerdem wurde Jugendarbeitslosigkeit als rein arbeitsmarktpolitische Entwicklung fehlinterpretiert – die Jugendlichen hätten eben keine passende Ausbildung. In Wahrheit ist die gegenwärtige junge Generation die am besten ausgebildete aller Zeiten.

Eins ist für Gewerkschafter_innen schon vor dem Treffen klar: Es braucht ein großangelegtes europaweites Investitionsprogramm, um wirklich neue Jobs entstehen zu lassen. Und Arbeitsmarktreformen, die mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten bieten. Parallel zur Konferenz wird es daher Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) und Abgeordneten von EU-Parlament und Bundestag geben. Und eine großangelegte Aktion: "Wir werden sehr bunt und laut vor dem Reichstag auftreten und für unsere Themen werben", verspricht Wagner.

Die EGB-Jugend will sich auch mit Blick auf den EGB-Kongress im September mit einer eigenen Vision der Zukunft positionieren. Wagner: "Es ist Zeit zu handeln, Zeit für eine EU-2020-Strategie."


1. bis 2. Juli 2015. Europäische Jugendkonferenz. Berlin. Weitere Infos: http://jugend.dgb.de/-/pF0


(aus der Soli aktuell 6/2015, Autorin: Soli aktuell)